Kapelle des erzbischöflichen Ordinariats in München als ellipsenförmigen Körper

Das Architekturbüro Fink + Jocher entwarf die Kapelle des erzbischöflichen Ordinariats in München als ellipsenförmigen Körper. Peter Muskat hat diesen transzendentalen Raum fürs Gebet gebaut – ganz real in Trockenbautechnik mit vorgefertigten Gipsplattenelementen.

Es gibt Orte, die reduzieren den Menschen auf sich selbst, auf das Gebet, auf ihr wahres Selbst. Dies ist bei der Bruder-Klaus-Feldkapelle vom Architekten Peter Zumthor in Wachendorf und der Kapelle des erzbischöflichen Ordinariats in München vom Architekturbüro Fink + Jocher der Fall. Während sich Zumthor für das schwere Material Beton entschied und eine raue „Haut“ im Inneren seiner Kapelle bevorzugte, die von den verbrannten Baumstämmen herrührt, die dem Beton als „Schalung“ dienten, wählten Fink + Jocher den leichten Trockenbau inklusiver der damit einhergehenden makellos glatten Oberfläche. So unterschiedlich beide Kapellen auch sind, erwächst ihre besondere transzentente Wirkung vor allem durch die Form der Räume: Bei Peter Zumthor ist es die einer oben offenen Pyramide, die durch die an ihren oberen Enden aneinander gestellten Baumstämme entstand, bei Fink + Jocher ist es ein Ellipsoid mit weiß gespachtelten Wänden und einem alles überdachenden Deckensegel.

Sakraler Trockenbau

Auch der im erzbischöflichen Ordinariat in München an den elliptischen Hauptraum der Kapelle von Fink + Jocher angrenzende Ort der Marienverehrung ist ellipsenförmig, wenngleich kleiner als der Hauptraum. Die Sakristei auf der anderen Seite stellt ein Quadrat dar. Grundlage für alle drei Einzelräume ist der Trockenbau. Im Werk von Knauf vorgefertigte, rund geformte, vor Ort zusammengesetzte und verspachtelte Formteile bilden die Hülle des Andachtsraums und des angrenzenden Ortes der Marienverehrung. Die ebenfalls angrenzende Sakristei fertigte Trockenbaumeister Peter Muskat, Inhaber der Peter Muskat Innenausbau GbR aus Kraibrug, mit seinen Mitarbeitern vor Ort. Um die Maßhaltigkeit der Konstruktion zu garantieren und den Sicherheitsbestimmungen zu genügen, mussten die Handwerker bei der Montage der Wände und Decken eine besondere Reihenfolge einhalten. Ganz am Anfang stand der Aufbau eines Gerüsts auf halber Höhe des sich über zwei Stockwerke erstreckenden Andachtsraums. Dazu wurden in dem zuvor entkernten Bereich im Ordinariatsgebäude im Abstand von 70 cm mehrere 10/20 cm dicke Holzbalken als Tragkonstruktion eingezogen. Auf diesen montierten die Handwerker im Anschluss seitlich der Randschale des Andachtsraums ein Deckengerüst.

Montage des Deckensegels

Als nächster Schritt folgte die Montage des Deckensegels, das jenen Hauptraum nach oben hin abschließt und das von der auf der Wandkonstruktion auflagerten indirekten Beleuchtung angestrahlt wird. „Dazu haben wir auf OSB-Platten am Fußboden im Andachtsraum zunächst die Achsen des Segels aufgezeichnet und die Abhängepunkte gekennzeichnet“, erzählt Trockenbauer Peter Muskat. Diese übertrug er im zweiten Zug per Laser auf die Rippendecke. So konnte er millimetergenau festgelegen, wo die Noniushänger für die Abhängung des Deckensegels angebracht werden mussten. An diese hängten seine Mitarbeiter im Anschluss die zehn von Knauf als Spantenkons­truktion vorgefertigten und zweilagig mit je 6,5 mm Platten beplankten Formteile des Deckensegels ab und verspachtelten die Stöße und Platten in Q4-Qualität.

Elliptischer Trockenbau vor Ort

„Während die Wände des Andachtsraums bei Knauf vorgefertigt wurden, haben wir die Sakristei direkt vor Ort gebaut. Wir wollten einfach ausprobieren, ob es möglich ist, solch eine Form auch direkt auf einer Baustelle zu realisieren“, lächelt Peter Muskat. Element für Element formten die Handwerker die rund 3,20 m hohen Wände der 4,5 m langen und rund 3,5 m tiefen Ellipse jener Sakristei, bauten sie inklusive des Deckensegels auf und verspachtelten auch diesen Raumkörper im Anschluss in Q4. Als Unterkonstruktion des Gebildes dienen 25 mm OSB-Platten, die entsprechend der gewünschten Rundung zugeschnitten und zweilagig mit trocken gebogenen 6,5 mm Gipsplatten beplankt wurden. So entstanden 24 gerundete Formteile sowie vier – drei Radien miteinander vereinigende – Eckelemente. „Da man die Platten eigentlich nur in eine Richtung biegen kann, haben wir für diese Ecken als Grundform eine OSB-Platten-Konstruktion aus den drei zusammenlaufenden Radien gebaut und diese mit konisch geschnittenen Plat­ten­streifen belegt. Anschließend ist die in drei Rich­tungen gekrümmte Fläche mit flexiblen Japan­spach­teln geglättet worden“, erklärt Peter Muskat.

Hauptraum aus vorgefertigten Formteilen

Die von Knauf für die beiden Längsfronten des Hauptraums produzierten Formteile basieren ebenfalls auf einer Spantenkonstruktion. Als Basis der Wände des 6,50 m hohen, 12 m langen und 4,50 m breiten Raums dienen jeweils acht Elemente, die Mittelpartie setzt sich aus sechs Elementen zusammen, die obere Front aus zwei. Um die flacher gebogenen Mittelsegmente des Raums möglichst wirtschaftlich zu konstruieren, entschieden sich die Knauf-Techniker hier für eine Unterkonstruktion aus Metallprofilen, die sich zudem schneller montieren lassen als die – im anderen Bereich notwendigen – Spanten. Die Grundlage bilden Profile aus dem Knauf Standardsystem für Kuppeln, deren Radien an die ellipsenförmige Gestalt des Andachtsraums angepasst wurden: Die als Vierkantprofile ausgeführten Tragprofile folgen der Krümmung horizontal. Die auf ihnen montierten CD-Profile verlaufen senkrecht, wobei die Krümmung nach oben hin stärker wird.

Montage der Formteile

Als Planungsgrundlage für die Vorfertigung des
Deckensegels sowie der Wandkonstruktionen im Haupt­raum diente ein animiertes Modell des Architekturbüros Fink + Jocher. Anhand eines genauen Ver­lege­plans bauten die Handwerker zunächst die Raum­enden von unten nach oben auf und fixierten die Spanten. Teilweise wurden diese direkt an der darüber verlaufenden Betondecke montiert, teilweise mit 5 mm Aluwinkeln an Überzügen befestigt. Nach der Montage der Spantenelemente folgte der Aufbau der Elemente des Zwischenteils.

Zuletzt errichteten die Trockenbauer den Ort der Marienverehrung aus seitlichen Halbschalen und einem Deckel, die ebenfalls bei Knauf vorgefertigt wurden. „Für den 3,50 m x 2 m großen und 4,80 m hohen Raum haben wir an einem halben Tag insgesamt 17 Einzelteile zusammengebaut und später in Q4 Qualität verspachtelt“, erinnert sich Peter Muskat.

Kontrolliert wurde die Ausführungsqualität schließlich durch die Architekten. „Sie haben Fotos des fertigen Raums eingescannt und mit einem speziellen Programm am Computer die CAD-Zeichnung mit der Realität abgeglichen, um Abweichungen festzustellen. An diesen Stellen mussten wir dann nachspachteln“, berichtet Trockenbauer Muskat. Und fügt hinzu: „Das war handwerkliche Maßarbeit, denn selbst die kleinste Spachtel ist breiter als die Rundung jener Wände und Decken.“

Autor

Andreas Gabriel ist Leiter der Presse- und Öffentlichkeits­arbeit bei der Knauf Gips KG in Iphofen.