Altes Fertighaus gekauft, zum modernen Eigenheim saniert: Aus alt mach neu

Asbestbelastete Faserzementplatten, Glaswolle im Tragwerk und alte, morsche Spanplatten: Die Bauherren Maren und Christian Laing mussten viel Arbeit investieren in die Sanierung eines Fertighauses aus den 1970er Jahren in Harsewinkel. Nach dem Rückbau bauten sie neue Innenwände ein und ergänzte das Haus um einen Anbau. Erfahrungsbericht einer Fertighaussanierung.

Das alte Fertighaus in Harsewinkel, Kreis Gütersloh, hatte die Firma Zenker 1974 gebaut. Wie viele alte Fertighäuser hatte es eine sehr kleinteilige Raumaufteilung, schlechte Bausubstanz und barg große Risiken, was die Schadstoffbelastung betraf. In älteren Fertighäusern können potentiell gesundheitsgefährdende Stoffe wie Formaldehyd, Lindan oder Chloranisole stecken. Letztere sind für den typisch „muffigen“ Fertighausgeruch verantwortlich, der auch in dem Fertighaus in Harsewinkel wahrzunehmen war.

Alles sprach für das alte Fertighaus, trotz Mängeln

Trotz allem sprachen das große Grundstück und die Lage in der bekannten Wohnumgebung für das Haus. Vor dem Einzug musste es aber grundlegend saniert werden. Die potenziell belasteten Materialien des Hauses sollten rückgebaut und entsorgt, die alte Bausubstanz abgerissen und nach innen abgesperrt werden.

Fassadensanierung: Leimreste von alten Holzständern gefräst

Zuerst mussten die mit Asbest belasteten Faserzementplatten an der Fassade entfernt werden, diese Arbeit erledigte ein Entsorgungsfachbetrieb aus Harsewinkel. Sobald die Faserzementplatten entfernt waren, riss man die alten, morschen Spanplatten ab, die von außen auf dem Holzständerwerk verleimt waren. Als besonders zeitaufwändig erwies sich das Abfräsen der Leimreste von den Holzständern.

Nachdem die Spanplatten entfernt waren, lag das alte Holzständerwerk frei. Zwischen den Ständern fand sich eine alte Glaswolldämmung, die Glaswolle war an mehreren Stellen leicht zusammengesackt, daher wurde sie entfernt und komplett durch eine neue Mineralwolldämmung (WLG 035) ersetzt. Dann beplankte man die Außenwände komplett neu mit OSB-Platten zur Aussteifung der Konstruktion. Mit einem Mineralwoll-WDVS wurde die Fassade anschließend gedämmt und verputzt.

Dampfsperre verlegt gegen den „Fertighausgeruch“

Von der Innenseite war das Holzständerwerk ebenfalls mit Spanplatten beplankt. Die Spanplatten waren aber noch in Ordnung und wurden daher nicht abgerissen. Über alle Innenwände verlegte man eine Dampfsperrfolie und dichtete sie mit Klebebändern ab. Die Dampfsperre sorgt für die Luftdichtheit des Gebäudes von innen. Sie darf keine Leckagen haben, damit keine Feuchtigkeit in die Dämmung gelangt und diese schädigt. Mit einem Blower-Door-Test wurde die Luftdichtigkeit bestätigt.

Die Dampfsperre an den Innenwänden hat außerdem eine weitere wichtige Funktion: Sie sorgt dafür, dass der muffige „Fertighausgeruch“ nicht mehr in den Innenräumen wahrnehmbar ist. Eventuelle Schadstoffe in den Wänden können durch die Dampfsperrfolie nur nach außen diffundieren. Über der Dampfsperre montierten die Bauherren in Eigenleistung Gipskartonplatten.

Fertighaus mit neuem Holz-Anbau

Der Grundriss des Hauses änderte sich durch die Sanierung stark: Alle Innenwände des alten Hauses wurden entfernt, stattdessen neue Trockenbauwände eingebaut. Als tragende, mittlere Innenwand bauten Zimmerer der Zimmerei Walter Schürmann Inh. Gerald Dübber GbR im Erdgeschoss eine Holzrahmenwand ein. Ebenfalls in Holzrahmenbauweise entstand ein Anbau auf der Rückseite des Hauses über zwei Geschosse. Er ersetzt den alten Wintergarten.

Der Anbau in Holzrahmenbauweise ist sieben Meter breit und zum Garten ausgerichtet. Für den Anbau mussten zunächst tragende Stahlstützen und -träger über zwei Geschosse eingebaut werden. Die Stahlstützen bauten die Handwerker im Bereich der ehemaligen Außenwand ein, so blieb der Anbau selbst stützenfrei. Im Obergeschoss liegt der Anbau rechts und links auf den Stahlstützen auf. Auf den Stahlrahmen verlegten die Zimmerer im Obergeschoss außerdem die neue Mittelpfette des Hauptdachs. Für den Anbau selbst wurde, als Ausnahme vom geltenden Bebauungsplan, ein Flachdach genehmigt. Das Flachdach ist mit Elastomerbitumenbahnen abgedichtet, darüber ist eine Gefälledämmung verlegt. Die erste Lage auf der Dämmung ist eine Elastomer-Kaltselbstklebebahn, die zweite Lage bildet eine Elastomerbitumen-Schweißbahn. Von außen erhielt der Anbau eine Dämmung aus Mineralwolle und Holzweichfaserplatten und darüber eine Lärchenholzschalung. An einem Teil der Ostseite des Flachdachs befindet sich eine Regenrinne. Das Wasser wird über ein Gefälle in diese Rinne geleitet, die Attika ist an dieser Stelle unterbrochen.

Dach gedämmt und saniert

Auch der Dachstuhl des Hauses wurde saniert. Die Sparrenabstände des alten Daches waren bis zu 1,25 m breit, zu breit für eine neue Zwischensparrendämmung. Die Zimmerer doppelten die Sparren um 20 cm auf und verlegten in jedem Sparrenfeld einen zusätzlichen Sparren. So bildeten sie eine stabile Grundlage für die Zwischensparrendämmung aus Mineralwolle. Über der Dämmung verlegte man eine diffusionsoffene Unterspannbahn, darüber eine Lattung für die neuen Dachziegel. Von innen dichteten die Handwerker die Zwischensparrendämmung mit einer Dampfsperre ab. Darüber montierten sie eine quer zu den Sparren verlaufende Lattung und verfüllten diese mit einem Mineralwoll-Klemmfilz. Diese Ebene nutzte man als Installationsebene. Darüber verlegten die Handwerker Gipskartonplatten.

Sanierung des Fertighauses dauerte fast zwei Jahre

Einen großen Teil der Sanierung erledigten die Bauherren selbst, dazu gehörten der Rückbau, Elektroarbeiten, der Innenausbau und Malerarbeiten. Insgesamt 162 m² Wohnfläche entstanden durch die Sanierung in dem alten Fertighaus.

Autoren

Maren Laing ist Architektin mit den Schwerpunkten Bauen im Bestand und Denkmalpflege und arbeitet im Büro Spooren Architekten in Gütersloh.

Stephan Thomas ist Volontär in der Redaktion der Zeitschriften dach+holzbau und bauhandwerk in Gütersloh.

Bautafel (Auswahl)

Projekt Komplettsanierung eines Fertighauses aus den 1970er Jahren in Harsewinkel mit neuem Anbau in Holzrahmenbauweise

Zeitraum 2013-2015 (21 Monate)

Bauherren & Eigentümer Maren und Christian Laing, 33428 Harsewinkel

Planung Maren Laing, Spooren Architekten, 33330 Gütersloh, www.spooren-architekten.de

Zimmerei Walter Schürmann Inh. Gerald Dübber GbR, 33829 Borgholzhausen, www.zimmerei-dübber.de

Dachdecker A. Pähler Bedachungen GmbH, 33332 Gütersloh, www.dachdecker-guetersloh.de

Schadstoffsanierung Entsorgungsfachbetrieb Werner System-Demontage GmbH, 33428 Harsewinkel, www.system-demontage.de

Produkte (Auswahl)

Fassadendämmung WLG 035, Sto SE & Co. KGaA, Stühlingen, www.sto.de

Trockenbauwände Saint-Gobain Rigips GmbH, Gelsenkirchen, www.rigips.com

Zwischensparrendämmung WLG 035, Deutsche Rockwool Mineralwoll GmbH & Co. OHG, Gladbeck, www.rockwool.de         

Unterspannbahn „DeltaMaxx Plus“, Dörken GmbH & Co. KG, Hagen-Herdecke, www.doerken.de

Dachziegel „Piano“, Dachkeramik Meyer-Holsen GmbH, Hüllhorst, www.meyer-holsen.de