Mehrgeschosser aus Brettsperrholz und Brettschichtholz in Leipzig entsteht

Mitten in Leipzig ist ein fünfgeschossiges Wohn- und Geschäftshaus aus Brettsperrholz und Brettschichtholz entstanden. Nur das Fundament, das Treppenhaus und Teile des Erdgeschosses bestehen aus Stahlbeton. Für den Bau des Hauses gab es einige Brandschutzanforderungen zu beachten.

Der Stadtteil Leipzig-Lindenau war zu DDR-Zeiten ein großes Wohn- und Industriegebiet, heute entstehen hier in vielen ehemaligen Fabriken Kulturzentren. Beispiele dafür sind etwa die Baumwollspinnerei, das Tapetenwerk oder das so genannte Kunstkraftwerk. Dieses Jahr ist in dem Stadtteil außerdem ein ungewöhnlicher Neubau entstanden: Ein fünfgeschossiges Wohn- und Geschäftshaus aus Holz. Der Name des Gebäudes, „Z8“, steht für die Adresse: Zschoschersche Straße 8. Die Wände und Decken des Hauses bestehen aus Brettsperrholz (BSP), die Stützen aus Brettschichtholz (BSH). Im vorderen, viergeschossigen Teil des Hauses befinden sich vier Wohneinheiten. Im hinteren Teil, der nur zwei Geschosse umfasst, befindet sich ein Geschäft für Büromöbel. Gegründet ist das Haus auf Streifenfundamenten aus Stahlbeton und einer stahlfaserarmierten Bodenplatte. „Das Fundament ist ziemlich dick und nicht viel dünner als es bei einem vergleichbaren Massivbau wäre“, sagt Architekt Dirk Stenzel, der das Haus geplant hat.

 

Brettsperrholzelemente für Wände und Decken

Über einen Statiker der Firma Hüls Ingenieure kam der Architekt auf die Idee, Brettsperrholzelemente für den Bau zu verwenden. Durch die Vorfertigung der Elemente im Werk entstand eine kurze Montagezeit auf der Baustelle. Die Brettsperrholzwände und -decken produzierte die Firma Stora Enso in Österreich und lieferte sie nach Leipzig. Ganze sieben Lkw-Ladungen waren dafür nötig. Die Stützen und Träger aus BSH kommen von der Firma Strab Ingenieurholzbau aus Hermsdorf in Thüringen.

 

Holzbau in fünf Wochen aufgerichtet

Das Erstellen des Fundaments, der Betonwände und des Treppenhausturms dauerte drei Monate, das Aufstellen der Holzkonstruktion hingegen nur fünf Wochen. Den Holzbau erledigten die Zimmerleute der Zimmerei Hirmer aus Torgau, sie hatten schon öfter mit Brettsperrholz und Brettschichtholz gearbeitet – aber noch nie in dieser Größenordnung. Eine weitere Herausforderung beim Bau: Auf der Baustelle mitten in der Stadt war wenig Platz zum Abladen und Lagern von Bauteilen.

Die Zimmerer richteten alle Holzbauteile per Kran auf. Die Brettsperrholzwände im Erdgeschoss verschraubten die Handwerker in Betonauflagern am Rand des Fundaments. Für die Verbindung von Trägern und Stützen nutzten die Zimmerer zweiteilige „Sherpa“-Aluminiumverbinder, die sie an den Trägern und Stützen montierten. Diese Verbinder bestehen aus zwei Aluminiumteilen, die nach dem Prinzip einer klassi­schen Schwalben­schwanz­­ver­bin­dung zusammengefügt werden. Die beiden Aluminiumteile sind mit Schrauben an den Trägern und Stützen befestigt. Auch am Treppenhausturm aus Beton befestigten die Zimmerer die Holzstützen und -träger mit „Sherpa“-Verbindern. Die Brettsperrholzdecken hoben die Handwerker per Kran zwischen die Unterzüge und verschraubten sie von oben im 45°-Winkel.

Die meisten der eingebauten Decken sind 16 cm dick. Nur in Bereichen, in denen höhere Verkehrslasten zu erwarten sind, sind sie dicker. So sind die BSP-Decken  unter den geplanten Dachgärten 22 cm dick.

Joch aus Stahlbeton trägt die „runde Spitze“

An der Spitze des Grundstücks trägt ein Joch aus Stahlbeton, ein Träger mit zwei Stützen (siehe Foto oben links) das Haus. So konnte hier eine Auskragung der viergeschossigen Spitze realisiert werden. Die „runde Gebäudespitze“ ist eine Sonderanfertigung der Zimmerei Hirmer. Sie besteht aus rund gefrästen Mehrschichtplatten, zwischen denen hochkant Konstruktionsvollhölzer angeordnet und miteinander verschraubt sind. Als Abstandshalter sitzen Mehrschichtplatten zwischen den Konstruktionsvollhölzern.

 

Treppenhaus als Fluchtweg und Aussteifung

Das Haus ist fast 18 m hoch und fällt in die Gebäudeklasse 5 nach sächsischer Landesbauordnung. Das bedeutet, das Treppenhaus, die Decken, tragende Wände, Unterzüge und Stützen mussten feuerbeständig sein. Dicke Brandschutzwände aus Beton sorgen im Erdgeschoss im Fall eines Brandes dafür, dass keine Flammen auf das Nachbarhaus überspringen können. Besondere Anforderungen beim Brandschutz gab es an die Träger und Stützen aus Brettschichtholz, sie sind nach dem Bau als sichtbare Holzoberflächen verblieben. Damit sie im Brandfall 90 Minuten lang ihre Tragfähigkeit erhalten, wurden sie dicker dimensioniert. „Die Abbrand-Rate beträgt bei Brettschichtholz etwa 0,7 mm/min. Für 90 Minuten Brandwiderstand mussten die Stützen und Träger umlaufend um etwa 63 mm vergrößert werden“, sagt Architekt Dirk Stenzel. Auch die Deckenuntersichten aus Brettsperrholz sind sichtbar geblieben. Sie erhielten, genau wie die Stützen und Träger, gemäß Brandschutzkonzept einen B1-Anstrich, in diesem Fall eine weiße Brandschutzlasur.

 

Rettungswege

Der erste Rettungsweg aus dem Gebäude ist im Brandfall das Treppenhaus aus Stahlbeton. Der zweite Rettungsweg für die Bewohner des Hauses führt über die Fenster. Im Brandfall könnten die Hausbewohner über eine Feuerwehrdrehleiter aus dem Haus evakuiert werden. Im hinteren Teil des Hauses ist ein zweiter Rettungsweg, denn hier befindet sich über zwei Geschosse eine Geschäftseinheit. Da sich in den Geschäftsräumen normalerweise mehr Menschen aufhalten als in den einzelnen Wohnungen, gibt es hier eine außen am Gebäude liegende Stahltreppe als zweiten Rettungsweg.

 

Mit Mineralwolle gedämmte Außenwände

An den Brettsperrholz-Außenwänden des Hauses, die 24 cm dick sind, wurden Abstandshalter aus Aluminium verschraubt, darauf sitzen vertikal verlaufende Aluminiumschienen. Zwischen Holzwänden und Schienen ist eine 14 cm dicke, kaschierte Mineralwolldämmung auf der Außenwand befestigt. Die Dämmung sorgt für den erhöhten Wärmeschutz nach KfW-55-Standard und erfüllt die Forderungen des Brandschutzkonzepts.

Über der Dämmung ist eine diffusionsoffene Fassadenbahn verlegt, die für die Winddichtigkeit der Dämmung sorgt. Darüber ist eine Lattung verschraubt, die die Bahn hält und zum Befestigen der Lärchenholzfassade dient. Zwischen der Lärchenholzschalung und ihrer Unterkonstruktion ist eine Hinterlüftungsebene.

 

Innen Brettsperrholz – außen Lärchenholz

Die Bretter der Nut- und Federfassade aus Lärchenholz sind mit einem mineralischen Vergrauungsanstrich gestrichen. „Die Fassade soll nicht erst aufflammen und dann wieder grau werden, sondern einen harmonischen Alterungs- und Vergrauungsprozess durchlaufen“, sagt Architekt Dirk Stenzel zur Wahl des Anstrichs.

 

Individuelle Grundrisse

Die Grundrisse der Wohnungen vom ersten bis zum vierten Stock plante Architekt Dirk Stenzel nach den Wünschen der Bauherren. Alle nicht tragenden Innenwände bestehen dabei aus Gipskartonplatten auf Stahlunterkonstruktionen. Auch die Brettsperrholzwände sind von innen mit Gipskartonplatten auf Stahlunterkonstruktionen beplankt.

 

Zwei Dachterrassen

Das Haus schließt direkt an die Massivwand des Nachbarhauses an. Der hintere Teil des Hauses hat auf dem Dach des zweiten Geschosses einen privater Dachgarten von etwa 80 m² Größe. Ganz oben, im fünften Stock, ist ebenfalls ein Dachgarten geplant. Die beiden Dächer bestehen aus BSP-Elementen, darauf sind bituminöse Dampfsperren verlegt, 20 cm Gefälledämmung auDämmplatten und abschließend Bitumenbahnen. Dazu kommen Solarkollektoren auf 20 m² Fläche des höher gelegenen Daches über dem fünften Geschoss.

Herkunft der Brettsperrholzelemente

Ein möglicher Kritikpunkt an dem Bau aus ökologischer Sicht ist, dass die Brettsperrholzelemente nicht aus der näheren Umgebung, sondern aus Österreich stammen. „Man kann aber gerade in Österreich von einer nachhaltigen Forstwirtschaft zur Gewinnung des Holzes ausgehen“, sagt Architekt Dirk Stenzel. Was die Baukosten angeht, will er nicht ins Detail gehen, sagt aber: „Die Kosten für das Haus sind mit denen für einen mineralischen Massivbau vergleichbar. Dazu kommt, dass der Aufwand durch den individuellen Innenausbau und die hinterlüftete Holzfassade etwas höher war als bei einem konventionellen Bau.“

 

Wenig Probleme dank Brandschutzkonzept

Der Holzbau mit seiner Lärchenholzfassade hebt sich deutlich von den Häusern der Nachbarschaft ab. Bei der Genehmigung des fünfgeschossigen Hauses gab es laut Architekt Dirk Stenzel wenig Probleme. „Das lag auch daran, dass wir vorher ein gutes Brandschutzkonzept erarbeitet hatten“, sagt er. Das fünfgeschossige Wohn- und Geschäftshaus zeigt, welche Möglichkeiten der Holzbau unter Beachtung der Brandschutzvorschriften in Sachsen bietet. „Aus der Sicht des Holzbaus wäre in Sachsen aber sicherlich mehr möglich“, sagt Matthias Eisfeld, er ist Geschäftsführer des Landesinnungsverbands der Zimmerer und Holzbauer in Sachsen. Bundesweit liege Sachsen im Mittelfeld der Möglichkeiten, das Bauen von Gebäuden mit bis zu fünf Geschossen aus Holz sei hier zwar möglich. „Aber der Aufwand bei der Genehmigung ist ungleich höher als etwa bei Gebäuden in Massivbauweise. Das könnte viele Bauherren abschrecken, mit Holz zu bauen“, so Eisfeld. Dementsprechend niedrig war der Holzbauanteil unter den neu gebauten Wohnhäusern 2016 in Sachsen. Er lag laut der Statistik 2017 von Holzbau Deutschland bei nur 14 Prozent und somit unter dem Bundesdurchschnitt von 16,2 Prozent.  

 

Autor

 

Stephan Thomas ist Volontär in der Redaktion der Zeitschriften bauhandwerk und dach+holzbau in Gütersloh.

Für 90 Minuten Brandwiderstand wurden Träger und Stützen dicker dimensioniert

Bautafel (Auswahl)

 

Projekt Fünfgeschossiges Wohn- und Geschäftshaus in Brettsperrholz- und Brettschichtholzbauweise „Z8“, Zschochersche Straße 8, 04177 Leipzig-Lindenau

Bauherren Baugemeinschaft Z8 GbR, 04177 Leipzig

Architekt Dipl.-Ing. (FH) Dirk Stenzel, Asuna (Atelier für strategische und nachhaltige Architektur), 04275 Leipzig, www.asuna-leipzig.de

Statik Hüls Ingenieure, Tragwerke aus Holz, 15831 Blankenfelde-Mahlow, www.huels-ingenieure.de

Brandschutzkonzept BCL Brandschutz Consult Ingenieurgesellschaft mbH, 04315 Leipzig, www.bcl-leipzig.de

Holzbau Zimmerei Hirmer, 04860 Torgau, www.zim
merei-hirmer.de

Dachdecker Hans Hobeck und Söhne Dachbau GmbH, 04874 Belgern-Schildau, www.dachdecker-hobeck.de

Bauzeit 8/2016-12/2017 

 

Herstellerindex (Auswahl)

 

Brettsperrholzwände und -decken Fichte/Tanne/Kiefer, Nichtsichtqualität (NVI), Stora Enso Wood Products, A-9462 Bad St. Leonhard, www.clt.info

Brettschichtholzträger und -stützen STRAB Ingenieurholzbau, 07629 Hermsdorf, www.strab-holz.de

Fassadendämmung Mineralwolle, Saint-Gobain Isover G+H AG, 67059 Ludwigshafen, www.isover.de

Unterspannbahn „Airtex Smart 55 DSK“, Mage Roof & Building Components GmbH, 04916 Herzberg (Elster), www.mage-roof.com

Lärchenholzbretter Häussermann GmbH & Co. KG, 71560 Sulzbach/Murr, www.haeussermann.de

Anstrich Lärchenholzfassade Vergrauungsanstrich, Keim Farben GmbH, 86420 Diedorf,

www.keimfarben.de

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