Grubenarbeiterhaus in Kottenheim wird zur Ferienwohnung "Basalt Loft"

Steildach trifft Flachdach - ineinander geschobene Dächer für Basalt Loft in Kottenheim

Corinna und Lars Behrendt bauten in Kottenheim in der Eifel zum zweiten Mal ein Bergarbeiterhaus in eine Ferienwohnung um. Bei diesem „Basalt Loft“ bestand für die Handwerker die Herausforderung darin, das Satteldach sauber in ein Flachdach übergehen zu lassen.

Mit dem „Basalt Loft“ (www.basalt-loft.de) haben Corinna und Lars Behrendt wieder einmal bewiesen, dass sie die kleinen Wohnhäuser der Bergarbeiter in der Eifel in attraktive Ferienwohnungen umwandeln können. Denn bereits 2013 bauten sie in Kottenheim in der Nähe von Mayen ein solches Grubenarbeiterhaus zu einer kleinen Ferienwohnung um. Die aus diesem „Roten Bienenhaus“ gewonnenen Erfahrungen im Umgang mit dem aus Basaltlava erbauten Bestand konnten sie 2015/2016 auf das größere „Basalt Loft“ übertragen. Größer ist diese Ferienwohnung deshalb, weil zu dem 1881 aus Basaltlava erbauten Grubenarbeiterhaus ein in den 1970er Jahren aus Bimsstein errichteter Anbau gehört. Verständlich wird der Wunsch des damaligen Bauherrn, wenn man bedenkt, dass das auf einer Grundfläche von nur 4 x 6 m errichtete Grubenarbeiterhaus für eine vierköpfige Familie reichen musste. Doch die Erweiterung kam über den Status einer Neubauruine nicht hinaus. Es gab wohl einen Durchgang vom alten Haus im Erdgeschoss in den Anbau – zum Wohnen genutzt wurde der Anbau jedoch nie.

Altes Flachdach ins Satteldach geflanscht

Die Erweiterung aus den 1970er Jahren hatte beim Umbau des Altbauensembles zu einer Ferienwohnung mit Blick auf die Dachlandschaft weitreichende Folgen: Das einfache Flachdach des Anbaus schob sich in das Satteldach des Grubenarbeiterhauses hinein. Das ineinander geschobene Flickwerk der alten Dächer hatte unter anderem die Zerstörung der mittlerweile maroden Dachstühle darunter zur Folge. Diese handwerklich dilettantisch ausgeführte Konstruktion musste durch eine im Detail durchdachte zimmermannsmäßig ausgeführte Verbindung beider Dachstühle ersetzt werden. Dazu hoben die Handwerker zunächst die alten Dachflächen samt Gauben und Eindeckung am Stück mit dem Mobilkran ab, um sie am Boden in die Komponenten Holz, Schindeln und Teerpappe für die sachgerechte Entsorgung zu zerlegen. Danach konnte der Aufbau der neuen Dachstühle beginnen.

Dachstuhl mit versetzten Pfetten

Das Satteldach geht auf der Gebäuderückseite unter der Firstpfette recht bald in ein Flachdach über. So konnten auch im oberen Geschoss hohe bodentiefe Fenster eingebaut werden, durch die reichlich Tageslicht ins Innere gelangt. Damit das Satteldach im Detail sauber in ein Flachdach übergehen kann und um es wiederum an das neue Flachdach des Anbaus anschließen zu können, wählten die Zimmerleute ein Tragwerk mit First- und Mittelpfette: Das Flachdach wird auf der Gebäuderückseite des Grubenarbeiterhauses dabei über die zweite, zur Firstpfette hin seitlich tiefer liegende Mittelpfette in den Satteldachstuhl eingebunden. So erscheint das Dach des Grubenarbeiterhauses auf der Gebäuderückseite als Flachdach, wobei sich daran ein schmaler Streifen schräger Dachfläche anschließt, während es zur Straße hin ein traditionelles Satteldach ist.

Auf die Sparren nagelten die Zimmerleute Nut- und Federbretter als Sichtschalung und verklebten darauf vollflächig eine mit Aluminium kaschierte Dampfsperre. So bleibt die gesamte Konstruktion aus Sparren und Pfetten im Dachgeschoss der Ferienwohnung sichtbar. Die 180 mm dicke Aufdachdämmung „Masterrock NB 036“ aus Steinwolle befestigten die Handwerker mit langen Holzbauschrauben, die sie schräg durch die Dachlatten und die Dämmung bis in die Sparren hinein schraubten. Auf die Dachlatten nagelten sie eine Rauspundschalung mit Teerpappe auf der die Dachdecker die Eindeckung aus Naturschieferschindeln befestigten.

Schräg hinterlüftetes Flachdach

Das Dämmpaket auf den beiden Flachdächern ist identisch mit dem auf den Sparren des Steildaches, allerdings verwendeten die Zimmerleute anstelle der Dachlatten keilförmige Gefällelatten, die in der Höhe von 12 auf 7 cm abnehmen. Damit entsteht auf den Flachdächern ein leichtes Gefälle von 3 bis 4 Prozent. Quer zu den Gefällelatten schraubten die Handwerker die Konterlattung fest. Mit OSB-Platten abgeschlossen und mit einer vollflächig darauf verklebten EPDM-Flachdachfolie als Dachhaut vor Feuchtigkeit geschützt sorgt der von der Lattung und Konterlatten gebildete Raum für die Hinterlüftung der Flachdächer. So kann die Luft an der höheren Seite entweichen und das Regenwasser auf den Flachdächern leichter abfließen. Die Hinterlüftung machten die Handwerker an den Seiten mit Aluminium-Lochblechen nagetiersicher, damit sich darin keine Tiere einnisten können.

Ferngesteuerte Dachfenster

Für noch mehr Tageslicht im Dachgeschoss sorgen neben den raumhohen Fenstern auf der Gebäuderückseite zwei Dachfenster mit Schallschutzverglasung im Satteldach auf der Straßenseite des Grubenarbeiterhauses. Beim Bau des neuen Dachstuhls fügten die Zimmerleute bereits die Wechsel zwischen den Sparren für den späteren Einbau der Dachfenster ein. Die Aussparungen dafür schnitten sie aber erst nach Abschluss der Dämmarbeiten von innen mit der Kettensäge durch die Brettsichtschalung und das Dämmpaket in die Dachfläche hinein.

Da die Dachfenster nicht erreichbar sind, können die Feriengäste nicht nur die außen aufgesetzten Rollläden elektrisch hoch- und herunterfahren, sondern die Fenster zur Lüftung auch elektrisch öffnen und schließen – ein Luxus, den so mancher Urlauber insbesondere an heißen Sommertagen unterm Dach zu schätzen wissen wird.

Zimmererarbeiten plus Eigenleistung

Für nur 14 000 Euro erwarben Corinna und Lars Behrend das kleine Bergarbeiterhaus in Kottenheim mit angebauter Rohbauruine auf einer Versteigerung. Diesem vergleichsweise niedrigen Kaufpreis steht eine zehnfache Investitionssumme von rund 150 000 Euro für die Umbau- und Sanierungsarbeiten gegenüber, wobei die Bauherren neben der Planung auch viel Arbeit in Eigenleistung ausführten. Dieser Anteil ist in den Umbaukosten nicht enthalten, von denen ein wesentlicher Teil auf die Zimmerer- und Dachdeckerarbeiten für die neuen Dächer entfiel.

Autor

Dipl.-Ing. Thomas Wieckhorst ist Chefredakteur der Zeitschriften bauhandwerk und dach+holzbau.

Bautafel (Auswahl)

 

Bauherren und Planung Corinna und Lars Behrendt, Kottenheim

Zimmerer- und Dachdeckerarbeiten

Holzbau Dietrich, Kottenheim

  

Herstellerindex (Auswahl)

 

Dachdämmung „Masterrock“, Deutsche Rockwool, Gladbeck, www.rockwool.de

Unterspannbahn „Delta“, Dörken, Herdecke,

www.doerken.de

EPDM-Flachdachfolie „RubberGard“, Firestone,

BE-Zaventem, www.firestonebpe.com

Dachfenster Roto Frank, Leinfelden-Echterdingen, www.roto.de