Direktbefestigungsgerät „BX 3 L 02“ von Hilti auf der Baustelle im Praxistest

Mit dem Direktbefestigungsgerät „BX 3 L 02“ von Hilti kann man Trockenbauprofile schnell und sicher ­befestigen. Im Gegensatz zu anderen Setzgeräten benötigt man dafür weder Gaskartuschen noch ­Kompressor – es funktioniert mit Akku. Wir haben das Gerät auf einer Baustelle ausprobiert.

Mit dem Hersteller Hilti assoziieren viele zunächst leistungsstarke Bohrhämmer oder Kernbohrgeräte. Wer den Lehrling losschickt, um „die Hilti“ zu holen, der will meistens Löcher oder Durchbrüche in Mauerwerk oder Beton bohren. Dabei beginnt die Hilti-Geschichte mit dem DX 100, dem damals ersten mit Pulverkraft betriebenen Bolzensetzgerät. Und während der Vorgang, mit dem das DX 100 damals Nägel ins Material getrieben hat, getrost als „schießen“ bezeichnet werden kann, schließlich wurde der Nagel von einer Treibladung ähnlich wie das Projektil einer Pistole beschleunigt, legen die Produktmanager heute großen Wert darauf, dass man bei modernen Geräten von „setzen“ spricht.

Während aktuelle Direktbefestigungsgeräte die Energie für das Vorschieben der Nägel mit einem Kompressor erzeugen, oder aus Gaskartuschen nehmen – auch der Liechtensteiner Hersteller hat weiterhin solche Geräte im Portfolio – beruht das neuentwickelte BX 3 auf Akku-Technologie. Vor jedem Setzvorgang spannt ein Motor eine starke Feder, die dann beim Auslösen ihre Energie über einen Kolben auf den Nagel überträgt. Die zweite Generation des BX 3, die seit Anfang des Jahres erhältlich ist, verfügt über eine Bluetooth-Schnittstelle, über die man das Setzgerät mit der App „Hilti Connect“ verbinden kann, um Informationen über das Gerät und die Setzvorgänge abzurufen.

 

Intuitive Bedienung

Schon als ich das BX 3 im Rahmen einer Veranstaltung zur Feier des 75-jährigen Firmenjubiläums erstmals kurz ausprobieren konnte, entstand die Idee, das Setzgerät einmal auf einer Baustelle auf Herz und Nieren zu prüfen, denn die Bedienung war so einfach und intuitiv und dabei zugleich so komfortabel, dass ich wissen wollte, wie das Gerät mit den Bedingungen auf einer realen Baustelle klarkommt.

Vor dem eigentlichen Praxistest gab uns Verlaufsberater Dirk Schwarz im Hilti-Store Bielefeld eine ausführliche Einweisung, um die richtige Handhabung des Setzgerätes zu erlernen. Und die ist so einfach, dass es einen fast schon wieder verunsichert. Das kann doch nicht so easy sein? Doch! Einschalten, laden, ansetzen, auslösen – fertig! Viel mehr ist nicht zu beachten.

Magazin laden

Das Komplizierteste ist noch die Auswahl der geeigneten Befestiger. Hier helfen die Berater von Hilti, die zum Untergrund – das kann Beton, einige Vollziegel sowie Stahl sein – und zum Material, das daran befestigt werden soll, die passenden Nägel auswählen. Das ist besonders deshalb wichtig, weil es an der Maschine keine Einstellmöglichkeit gibt, um beispielsweise die Energie des Setzvorgangs zu dosieren.

Anschließend wird das Magazin geladen. Dazu zieht man einen kleinen Hebel, der sich seitlich am Magazin befindet, soweit herunter, bis er einrastet. Dann kann man die zu 10er-Streifen verbundenen Nägel in die Führung schieben. Drei solcher Streifen passen hinein. Dann den Hebel lösen, so dass die Nägel von der Feder gehalten werden.

Sofern ein geladener 22V Akku eingesetzt ist, ist das Gerät nach dem Betätigen des Einschalters damit einsatzbereit, was nicht nur durch eine grüne LED, sondern auch durch ein kurzes, jaulendes Brummgeräusch signalisiert wird. Das entsteht, wenn der Motor die Feder spannt, die letztlich die Energie für den Setzvorgang bereitstellt. Erwartungsgemäß passiert beim Betätigen des Einzelauslösers aber trotzdem nichts, denn das BX 3 verfügt selbstverständlich über einen Sicherheitsmechanismus, der verhindert, dass Nägel gesetzt werden können ohne die Bolzenführung an den Untergrund zu drücken.

Schutzausrüstung tragen

Wichtig ist, dass man bei der Arbeit mit dem Setzgerät persönliche Schutzausrüstung trägt und seine Augen vor eventuell herumfliegenden Beton- oder Metallteilen schützt. Gehörschutz ist ebenfalls angezeigt, denn auch wenn die Produktmanager konsequent von einem „Setzgerät“ sprechen, das kurze, intensive Arbeitsgeräusch erinnert doch an einen Schuss, der mit bis zu 100 dB laut genug ist, das Gehör zu schädigen.

Wer bisher Wand- und vor allem Deckenprofile nach der konventionellen Methode mit Bohrmaschine und Schlagdübeln befestigt hat, ist dann von der Arbeit mit BX 3 total begeistert. Ein Stützfuß erleichtert das senkrechte Ansetzen des Gerätes im Profil, ein Druck auf den Auslöser und die Befestigung sitzt. Vor allem wenn man allein arbeiten muss, erleichtert ein solches Direktbefestigungsgerät die präzise Montage der Trockenbau-Unterkonstruktion enorm.

Denn während man bei der Arbeit mit Bohrmaschine und Dübeln entweder direkt durchs Profil bohrt, wozu man die Schlagfunktion benötigt, die man dann beim Bohren ins Mauerwerk aber eigentlich abschalten müsste oder zunächst Bohrlöcher anzeichnet (Profil zur Seite stellen, bohren, Profil wieder hin, ersten Dübel einschlagen, ausrichten, feststellen, dass die Bohrlöcher nicht exakt zur lotrechten Ausrichtung passen, usw.) gelingt die Befestigung mit dem Setzgerät in nur einem Arbeitsgang in Sekundenbruchteilen. Außerdem kann das Profil beim Anbauen nicht so leicht verrutschen, weil man beispielsweise beim Bohren eine Fuge oder ein Armiereisen getroffen hat. Im schlimmsten Fall hält der Nagel an solchen Stellen nicht; dann setzt man halt den nächsten ein paar Zentimeter weiter.

Über Kopf besonders gut

Besonders zu schätzen lerne ich das BX 3 bei der Arbeit über Kopf. Das Setzgerät ist mit knapp 3,5 kg etwa genauso schwer wie ein leichter Akkubohrhammer, im Gegensatz zum Bohrer muss man es aber nur kurz ansetzten. Außerdem ist der Vorgang nahezu staubfrei, die vorgeschriebene Schutzbrille bleibt sauber. Darüber hinaus spielt diese Befestigungstechnik ihre Vorteile besonders dort aus, wo der Untergrund sehr dicht und hart ist. Betondecken oder Stahlträger setzen einem Bohrer viel Widerstand entgegen, was über Kopf zu erhöhtem Krafteinsatz führt. Beim Setzvorgang macht die Art des Untergrundes keinen Unterschied bei der Handhabung. Im Gegenteil, in diesen dichten Untergründen halten die Befestiger besonders gut.

Nachdem ich den ersten Nagel in Wandnähe in die Betondecke gesetzt habe, hält das dickwandige UD-Profil schon bombenfest, bleibt aber drehbar. Dadurch kann ich das Profil an der anderen Wandseite leicht an der Markierung ausrichten und mit einem weiteren Nagel fixieren. Die weiteren Befestigungspunkte auf dem etwa 3,5 m langen Profil sind danach das Werk von Sekunden. Ich brauche mehr Zeit die Leiter zu verrücken, als für die eigentliche Befestigungsarbeit. Laut Hilti kann das Gerät 650 Nägel pro Stunde setzen (die Zeit für das Nachladen nicht mitgerechnet), also rechnerisch mehr als zwei pro Sekunde. Bei mir war das BX 3 immer schneller wieder bereit für den nächsten Setzvorgang, als ich den nächsten Punkt ansteuern konnte. Noch schneller geht die Arbeit an der Decke mit Hilfe eines Zubehörteils („X-PT BX 3 ME“): Mit dieser Aufnahme und der entsprechenden Stange mit Fernauslöser kann man die Befestigungen an der Decke bequem vom Boden aus setzen.

Noch einfacher ist die Handhabung des BX 3 bei den Wand- und Bodenprofilen. An den Wänden muss man allerdings aufpassen, keine Fuge zu treffen, beziehungsweise einen zusätzlichen Nagel in der Nähe zu setzen, da die Befestiger in Mörtel nicht halten. Auch in Hochlochziegeln halten die Nägel nicht sehr gut – dafür ist diese Methode auch nicht zugelassen – aber für eine provisorische Fixierung als Vorbereitung für die anschließende Dübelbefestigung reicht es.

Unser Fazit

Das BX 3 leistete sich bei unserem Versuch keine Schwächen. Gerade dort, wo die Dübelbefestigung sonst mühsam ist, geht es mit dem Setzgerät besonders gut. Zwar nimmt ein Redakteur ein Testgerät naturgemäß nicht so hart ran, wie ein erfahrener Fachhandwerker, aber weder was die Setzgeschwindigkeit noch was die Reichweite des 5,2 Ah-Akkus (800 Nägel) angeht, sind selbst im professionellen Gebrauch Arbeitsunterbrechungen zu erwarten. Nach 800 (400 mit dem 2,6 Ah-Akku) Setzvorgängen ist eine kurze Pause zum Akkutauschen ja vielleicht auch ganz willkommen. Auch das bei der Einweisung geübte Entfernen eines verklemmten Nagels trat in der Praxis nicht auf.

Nützlich ist die bei der zweiten, seit Anfang 2018 erhältlichen Generation die Bluetooth-Schnittstelle, mit der sich das BX 3 mit der „Hilti Connect“-App verbinden lässt. Neben allerlei Statusmeldungen und Geräteinformationen kann man hier die Zahl der Befestigungen ablesen, was für Dokumentationszwecke sehr nützlich ist. Allerdings setzt man mit dem BX 3 ohnehin eher einen Nagel mehr als zu wenig, einfach weil es Spaß macht und so leicht geht.

Die einzigen beiden kleinen Nachteile sind grundsätzlicher Natur und keine spezifische Eigenart des BX 3: Besonders in Stahl oder Beton ist ein einmal gesetzter Nagel nahezu nicht mehr zu entfernen. Das heißt: Wer pennt und das Profil an der falschen Markierung ausrichtet, tut sich mit der Korrektur sehr schwer. Wir haben es nicht geschafft, ein an der falschen Stelle befestigtes Profil so zu lösen, dass man es anschließend weiterverarbeiten konnte. Und bei bestimmten Mauerwerksarten muss man auch zur Dübelbefestigung greifen, da die Nägel in dem Material nicht halten.

Akkutechnologie statt Gaspatrone oder Druckluft ist praktisch, vor allem wenn man noch weitere Elektrowerkzeuge der 22V-Klasse von Hilti besitzt und die Stromspeicher tauschen kann. Wir haben das BX 3 in der Ausführung „L 02“ ausprobiert, die für den Trockenbau optimiert ist. Hilti bietet das BX 3 aber auch in der Ausführung „ME“ für das Elektro- oder SHK-Handwerk an. Genau das, allerdings aus der ersten Generation ohne Bluetooth, benutzte der Elektroinstallateur auf unserer Baustelle. Auch er zeigte sich von der Handhabung des Setzgerätes begeistert, das die Arbeit nicht nur schneller, sondern auch deutlich komfortabler und weniger anstrengend mache.

Autor

Thomas Schwarzmann ist Redakteur der Zeitschriften bauhandwerk und dach+holzbau.

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