Graumalerei: Gemalter Stuck an einem Berliner Gründerzeithaus

Nach der energetischen Sanierung mit einem WDVS sollte an einem Berliner Gründerzeithaus das ­historische Erscheinungsbild mit Stuck, Gesimsen und Bossen wieder entstehen. Die Firma Graco malte es als Graumalerei auf die Fassade.

Die Immeo-Gruppe kann bundesweit in 17 Städten rund 40 000 Wohnungen ihr Eigen nennen. Neben Essen und Oberhausen, dem Gesellschafts- und Verwaltungssitz der Gruppe, besitzt Immeo seit 2011 auch in Berlin Immobilien. Nach eigener Aussage steht die Gruppe für ein modernes und zeitgemäßes Wohnen und orientiert sich mit diversen Modernisierungsprojekten an den gegenwärtigen und zukünftigen Gesellschaftsentwicklungen. Besonderen Wert legt die Immeo dabei auf die Energieeffizienz ihrer Gebäude. Diese galt es auch im Zuge der Sanierung und Modernisierung eines ihrer Objekte in der Berliner Tellstraße 13 zu verbessern.

 

Durch WDVS ging Stuck verloren

Das in der Gründerzeit in der Tellstraße entstandene Gebäude setzt sich der damaligen Berliner Bauweise folgend aus Vorderhaus, Seitenflügel und Hinterhaus zusammen. Die Fassade erhielt 2015 im Zuge einer umfassenden Sanierung und Modernisierung zur energetischen Verbesserung ein Wärmedämmverbundsystem. Dadurch ging der an der Schaufassade zur Straße hin noch vorhandene Stuck, der zu einem Teil aber bereits damals schon fehlte, verloren. Die Immeo wollte aber nicht nur die energetische Situation des Gebäudes verbessern, sondern auch das äußere Erscheinungsbild. Daher beauftragte sie die in Berlin ansässige Firma Graco damit, das verloren gegangene Erscheinungsbild wiederherzustellen. Dem Gebäude in der Tellstraße 13 sollte es nicht wie einigen seiner Nachbarn ergehen, die nach der energetischen Sanierung durch das WDVS ihre von Stuck, Gesimsen und Bossen gegliederte Fassade gegen ein glattes monochromes Äußeres tauschen mussten.

 

Graumalerei statt Stuck

Die Graco GmbH, die sich seit über 20 Jahren auf die Gestaltung und auf Farbkonzepte an der Fassade spezialisiert hat, schlug eine Ausführung des Stucks mit dem handwerklichen Mittel der Graumalerei vor. Bei dieser auch als „Scheinarchitektur“ oder „Illusionsmalerei“ bezeichneten Technik, entsteht durch die Darstellung von Licht und Schatten eine Reliefwirkung, die der von Stuck sehr ähnlich ist. Die Maler der Firma Graco haben also weniger den Stuck, sondern vielmehr die Wirkung des Stucks im Licht auf die Fassade gemalt und das ist ihnen hervorragend gelungen. Denn wenn man vor der 2015 fertiggestellten Fassade steht, lässt sich von der anderen Straßenseite aus nicht mit Bestimmtheit sagen, was aufgemalt und was echter Stuck ist. Steht man dann unmittelbar vor dem Gebäude und schaut an der in Wirklichkeit vollkommen glatten Fassade nach oben, stellt man fest, dass alles an dieser Fassade aufgemalt ist.

 

Mit der Leuchtkraft von Acryl

„Als Vorlage hatten wir ein altes, relativ schlechtes Foto vom Bestand beziehungsweise vom Stuck. Die Vorstellung vom Kunden war, den alten Stuck zu rekonstruieren und die Grundfarbe des Hauses mit dem Immeo-Rot zu versehen“, erinnert sich Erik Mahnkopf, der für das Projekt zuständige Leiter Kreation bei Graco. Für ihre Arbeiten verwendeten die Maler Acryl-Fassadenfarben von Brillux, die von ihnen als „Brilluxpalette“ bezeichnet werden. Dabei untermalten sie das „Immeo-Rot“ mit einem neutralen Grau, um die Leuchtkraft der Malerei dauerhaft zu gewährleisten. „Wir haben den Stuckteilen graue Schatten auf die roten Flächen gemalt“, erzählt Erik Mahnkopf. Das erhöht noch einmal die räumliche Wirkung des gemalten Stucks, dessen räumliche Tiefe wiederum durch die Hell-Dunkel-Werte der Graumalerei entsteht. Diese führten die Maler von Graco ohne Schablonen aus, wie es vor allem historisch häufig üblich war. „Wir malen größtenteils freihand, aber natürlich unterstützt durch alle modernen Mittel, wie Laser, Laserlinien, selbstgebaute Abstandhalter, aber auch mit Hilfe der klassischen Malerutensilien wie Wasserwaage und Schnurschlag“, erklärt Erik Mahnkopf. Auf diese Weise waren vier Maler etwa drei Wochen mit der rund 200 m2 großen Fassadenfläche beschäftigt. Heute wirbt die Immeo ganz offensiv mit dem attraktiven Erscheinungsbild ihres Gebäudes in der Berliner Tellstraße 13.

 

Autor

Dipl.-Ing. Thomas Wieckhorst ist Chefredakteur der Zeitschriften bauhandwerk und dach+holzbau.

Baubeteiligte (Auswahl)

 

Bauherr

Immeo, Berlin, www.immeo.de

Graumalerei

Graco, Berlin, www.graco-urban.de

WDVS und Acryl-Fassadenfarben

Brillux, Münster, www.brillux.de

Weitere Informationen zu den Unternehmen

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