Sockeldämmung aus Schaumglas ermöglicht vollmineralisches WDVS

Am Sockel war bisher aufgrund der besonderen Anforderungen an Druckfestigkeit und Feuchteschutz die Ausführung von WDVS nur mit EPS-Dämmstoffen möglich. Ein Sockelsystem auf Basis von Schaumglas ermöglicht jetzt eine durchgehend mineralische Wärmedämmung von der Bodenplatte bis zum Dach.

Viele Betriebe empfehlen ihren Kunden vollmineralische WDV-Systeme. Mineralwolle ist in die Baustoffklasse A1 eingestuft. Damit ist die Fassadendämmung durchgehend nichtbrennbar, und zusätzliche Schutzmaßnahmen wie das Anbringen von Brandriegeln entfallen. Schwierig wird es am Sockel, denn hier kommt zumeist noch eine Perimeterdämmung auf EPS-Basis zum Einsatz. Saint-Gobain Weber bietet nun im „weber.therm A 100“-System ein mineralisches, nichtbrennbares Sockelsystem an.

Perimeterdämmung aus Schaumglas

Für die sichere und energieeffiziente Sockelausführung empfiehlt Saint-Gobain Weber den Einsatz des Sockelsystems aus „Foamglas W+F“. Mit dem Dämmstoff ist es nun möglich, die komplette Gebäudehülle vom Sockel bis zum Dach vollmineralisch zu dämmen. Der Dämmstoff erfüllt die Anforderungen der Baustoffklasse A1, ist leicht zu bearbeiten und überzeugt durch Wasserdichtigkeit und Druckfestigkeit. Auch aus ökologischer Sicht ist Schaumglas eine gute Wahl: Durch eine neue Technologie, das kontinuierliche Bandschäumen, konnte der Energiebedarf im Herstellungsprozess deutlich reduziert werden. Das System verfügt über die Europäische Technische Zulassung (ETA).

Dauerhafter Wärmeschutz

Schaumglas besteht aus einer hermetisch geschlossenen Struktur aus Glaszellen, die den Platten Druckfestigkeit und Formstabilität verleiht. Dadurch wird die Gefahr der Rissbildlung im Oberputz durch Stöße reduziert. Gleichzeitig sorgt die Struktur dafür, dass das Material über Jahrzehnte wasser- und dampfdiffusionsdicht ist, keine Feuchtigkeit aufnimmt und nicht schrumpft. Korrosion und Temperaturveränderungen können dem Material nichts anhaben. Zugleich sorgt die Beständigkeit des Dämmstoffs dafür, dass auch der Wärmeschutz langfristig erhalten bleibt. Beim Rückbau kann „Foamglas“ unproblematisch wie sonstige Baustellenabfälle entsorgt werden.

Stringente Argumentation beim Brandschutz

Insbesondere in Sachen Brandschutz kann „Foamglas“ gegenüber EPS punkten. Eine Perimeterdämmung auf EPS-Basis widersteht der hohen Belastung im erdberührten Bereich und in der Sockelzone zwar gut, ist aber brandschutztechnisch ein Kompromiss. Für Handwerker führte dies bislang zu einem Bruch in ihrer Argumentation. Ließen sich viele Kunden gerade mit Hinweis auf den besseren Brandschutz überzeugen, die Fassade nicht mit EPS sondern mit Mineralwolle zu dämmen, war es ihnen anschließend schwer zu vermitteln, dass für den Sockel dann doch EPS zum Einsatz kommen sollte. Das vollmineralische Schaumglas dagegen entspricht – ebenso wie Mineralwolle – den Anforderungen der Baustoffklasse A1.

Teilweise wird der Einsatz einer nicht brennbaren Perimeterdämmung auch explizit gefordert. Im Rahmen einer Neuregelung des baulichen Brandschutzes für WDV-Systeme wurden im Jahr 2016 spezielle Maßnahmen für den Fall eines Sockelbrandes festgelegt. Hierbei wurde zum einen eine „Schutzzone Sockel“ zwischen Gebäude-Sockel und dem dritten Geschoss definiert, und es wurden zusätzliche Brandschutzmaßnahmen für die Dämmung mit EPS festgelegt. Unter anderem müssen Außenwände und Außenwandteile so ausgebildet werden, dass eine Brandausbreitung ausreichend lang begrenzt ist.

 

Planung und Ausführung mit Sockelabschlussprofil

Voraussetzung für die fachgerechte Dämmung des Gebäudesockels ist die frühzeitige Planung von Konstruktion und Sockelhöhen. Um eine korrekte Gesamtausführung sicherzustellen, sollten sich die beteiligten Gewerke frühzeitig abstimmen. Den oberen Abschluss des WDVS-Sockels und damit den Übergang zur Fassadenfläche bildet in der Regel ein thermisch entkoppeltes Sockelabschlussprofil. Der Stoß wird zusätzlich mit einem Fugenband abgedichtet. Ein Rücksprung des Sockels durch unterschiedliche Dämmstoffdicken verbessert die Wasserführung. Aber auch ein flächenbündiger Übergang von Perimeter-/Sockel- zu Fassadendämmung ist möglich.

Spezialprodukte bieten Sicherheit

Vor Anbringen der Sockeldämmplatten „Foamglas W+F“ auf dem Außenmauerwerk wird der Sockel­bereich zunächst gereinigt und mit Hilfe einer lösemittelfreien Bitumenemulsion grundiert. Anschließend wird die Schaumglasdämmung mit dem systemeigenen Zweikomponenten-Spezialkleber „PC 56“ auf dem Untergrund verklebt und die Dämmplatte mindestens 15 cm oberhalb der Geländeoberkante mit einem Schraubdübel „weber.therm SRD-5“ mechanisch und wärmebrückenarm befestigt. Auf die Dämmung wird eine dickschichtige, gewebeverstärkte Armierungsschicht aufgebracht. Wichtig dabei ist, dass auf der „Foamglas“-Dämmung der extrem schwindarme Klebe- und Armierungsmörtel „weber.therm 307“ verwendet wird.

Auf den Mineralwolldämmplatten der Fassade wird mit bewährten Armierungsmörtelen wie zum Beispiel „weber.therm 300“ gearbeitet. Der „weber.therm 307“ Armierungsmörtel wird vom Schaumglas-Sockel bis etwa 30 cm auf die Mineralwolldämmung der Fassade geführt. Bei Versatz oder flächenbündigem Sockel mit thermischer Trennung wird jeweils der zugehörige Kleber verwendet.

Mineralisches Finish

Als Oberbeschichtung für das Schaumglassystem empfiehlt sich ein für den Sockel geeigneter mineralischer Oberputz. Das Finish bildet ein mineralischer Egalisationsanstrich sowie ein Feuchteschutz am Fußpunkt des Systems. Dabei wird das Sockelputzsystem bis etwa 5 cm über Geländeoberkante durch eine mineralische Dichtungsschlämme wie „weber.dur 126“ vor Feuchtigkeit geschützt.

Autor

Dipl.-Ing. Georg J. Kolbe ist Leiter des Pro­dukt­marke­tings Fassade und Boden bei der Saint-Gobain Weber GmbH in Düsseldorf.

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