Bernhard Remmers Akademie vermittelt Wissen und verbindet Menschen

Die Bernhard Remmers Akademie vermittelt produktneutral aktuelles Wissen über Baudenkmalpflege, Bautenschutz, Bauwerksabdichtungen, Betonschutz, Betoninstandsetzung, Fassadenschutz, energetische Sanierung sowie Holz- und Bodenschutz und will dabei den Austausch aller Baubeteiligten fördern.

Viele bekannte Unternehmen pflegen den gleichen Gründungsmythos: Sie sind in einer Garage entstanden. Doch man muss nicht unbedingt in die USA schauen, wo Bill Gates und Paul Allen (Microsoft) Steve Wozniak und Steve Jobs (Apple), Sergey Brin und Larry Page (Google), Bill Hewlett und Dave Packard (HP) und viele weitere Global Player ihre Anfänge als Tüftlerwerkstätten in überdachten Fahrzeugstellplätzen hatten, die gleiche Geschichte kann man auch für so manches deutsche Unternehmen erzählen. So legte Bernhard Remmers 1949 den Grundstein für das Unternehmen, das heute mehr als 1500 Mitarbeiter beschäftigt und dessen Produkte in über 30 Ländern vertrieben werden, in seinem Privathaus in Löningen und belieferte seine Kunden aus seiner Garage heraus.

Schon früh erkannte er, dass die Wirksamkeit der eigenen Produkte zu einem großen Teil von der Kompetenz derjenigen abhängt, die sie verarbeiten. Und trotz der Aufbruchstimmung im Wirtschaftswunderland, in der viele Menschen vor allem das Neue und Moderne suchten und möglichst nicht an die Vergangenheit erinnert werden wollten, war er davon überzeugt, „dass ein entscheidender Faktor unseres Fortschritts und unserer Identität auch in der Erhaltung unserer Kulturgüter liegt“. Folgerichtig wurde 1996 in Zusammenarbeit mit Handwerksorganisationen und der Deutschen Stiftung Denkmalschutz das Europäische Institut für handwerkliche Bauwerkserhaltung und Baudenkmalpflege gegründet, das 2006 in Bernhard Remmers Akademie umbenannt wurde. Die gemeinnützige Fortbildungseinrichtung will mit Seminaren und Schulungen einen Austausch zwischen Wissenschaftlern, Planern, Denkmalpflegern und Handwerkern ermöglichen. Zum guten Ruf des als eigenständige Gesellschaft operierenden Instituts trägt auch der Bernhard-Remmers-Preis bei, mit dem seit dem Jahr 2000 herausragende handwerkliche Leistungen in der Baudenkmalpflege gewürdigt werden.

Netzwerke schaffen

Zwar befindet sich die Bernhard Remmers Akademie auf dem Gelände der Remmers GmbH in Löningen, sie ist von dem Bauchemie-Hersteller aber nicht nur organisatorisch, sondern auch inhaltlich getrennt. So sind die Inhalte der Seminare und Veranstaltungen, deren Qualität vom Zentralverbandes des Deutschen Handwerks nach DIN ISO 29 990 zertifiziert wurden, stets produktneutral. Auch sonst orientiert man sich in der Bernhard Remmers Akademie an den Tradi­tionen und Werten ihres Namensgebers, der als Menschenfänger und begnadeter Kommunikator mit ­einem Steckenpferd für Denkmalpflege und Ausbildung galt. „Wir wollen nicht nur Wissen vermitteln, sondern Menschen zusammenbringen, um Netzwerke zu schaffen“, erklärt Wolfgang Steurer, der gemeinsam mit Jutta Gerdes die Geschäftsführung der Weiter­bildungseinrichtung inne hat. „Wir sprechen dazu verschiedene Zielgruppen an und konzipieren die Inhalte vieler Veranstaltungen so, dass sie nicht ausschließlich auf entweder Handwerker oder Planer oder Denkmalpfleger zugeschnitten sind, sondern übergreifendes Verständnis gefördert wird. Schließlich müssen die ja hinterher auch am Bau zusammen arbeiten“, ergänzt Jutta Gerdes. Es gelte, die Berührungsängste zwischen den Partnern am Bau aufzulösen. Deshalb würden neben reinen Handwerker- oder Architekten-Seminaren spezielle „gemischte“ Veranstaltungen angeboten, die ein Forum bieten, das den Gedankenaustausch zwischen Planern und Ausführenden bewusst fördert.

Dezentrales Bildungsangebot

Neben der Baudenkmalpflege bilden Bautenschutz und Bauwerksabdichtungm sowie Betonschutz und Betoninstandsetzung wichtige Themenfelder der Bernhard Remmers Akademie. Darüber hinaus werden Seminare zum Fassadenschutz, zur energetischen Sanierung sowie zum Holzschutz und zum Bodenschutz angeboten.

Die meisten Veranstaltungen finden nicht in Löningen, sondern an wechselnden Standorten in ganz Deutschland statt. „Du bist uns so wichtig, wir kommen zu dir!“, erläutert Wolfgang Steurer die Meta-Botschaft dieses denzentralen Ansatzes. Besonders für Seminare mit einem großen Praxisanteil nutzt die Akademie dafür gerne die Infrastruktur von Handwerkbildungszentren, Veranstaltungen mit großem Theorieteil finden auch in Tagungshotels statt.

Als Referenten greift man nicht nur auf die Kompetenzen aus dem eigenen Haus zurück, sondern arbeitet mit Partnern aus der Wissenschaft, dem Handwerk und der Industrie sowie der Baudenkmalpflege zusammen. „Wir sind von der Notwendigkeit des lebenslangen Lernens zum Erhalt der Beschäftigungsfähigkeit überzeugt und unterstützen die notwendige Anpassung des beruflichen Wissens und Könnens an die sich rasant entwickelnden wirtschaftlichen Rahmenbedingungen mit marktgerechten Bildungskonzepten“, erklärt Jutta Gerdes. Dazu würden die Seminarinhalte gemeinsam mit Marktpartnern entwickelt. „Wir gewinnen unsere Referenten unter den Fachleuten aus der Praxis, die für aktuelle Probleme Lösungen auf dem jeweiligen Stand der Technik bieten. Sie verknüpfen den jeweils aktuellen Wissensstand der einzelnen Fachgebiete mit den neuesten Erkenntnissen aus der Forschung.“ Die Bildungsmaßnahmen orientieren sich dabei nicht nur hinsichtlich der Inhalte, sondern auch in Bezug auf Lehrmethodik und Schulungsdauer an den Bedürfnissen der Zielgruppe.

Internationale Veranstaltungen

Seit 2017 ist hat die Bernhard Remmers Akademie ihr Bildungsangebot internationalisiert. In Zusammenarbeit mit Tochterunternehmen werden Veranstaltungen in der Ukraine, in Russland, Polen und weiteren Ländern angeboten. „Überall stehen Baudenkmalpfleger vor den gleichen bauphysikalischen Problemen, deshalb ist es folgerichtig, dass wir unser Wissen auch ins Ausland transferieren“, erklärt Wolfgang Steurer. Unter der Überschrift „Fachforum Baudenkmalpflege“ gehe es dabei in drei separaten, eintägigen Veranstaltungen die Themenfelder Bau-
werksabdichtung im Bestand, Fassadensanierung im Bestand und Schimmelinstandsetzung. Jedes Model besteht aus einer allgemeinen bauphysikalischen Basis auf die dann die vertiefenden Inhalte aufgesetzt würden. Dabei werde ein Dozent der Bernhard Remmers Akademie von einem lokalen Referenten unterstützt. „Bei unseren ersten Veranstaltungen hatten wir als Ziel 30 bis 50 Teilnehmer, erreicht haben wir 60 bis 90“, freut sich Jutta Gerdes über den erfolgreichen Start.

Neue Formate

Neben Praxisseminaren und Workshops bietet die Bernhard Remmers Akademie auch weitergehende Veranstaltungen an. So widmet sich der alle zwei Jahre stattfindende Innendämmkongress einer der anspruchvollsten  Bauaufgaben überhaupt: der energetischen Sanierung ohne Beeinträchtigung der Fassade. Ein weiteres neues Format sind die Remmers Info-Tage, bei denen zielgruppenübergreifend Wissen über ein Thema wie Bauwerksabdichtung vermittelt wird. Häufig werden dabei auch regional unterschiedliche Schwerpunkte gesetzt, um auf die unterschiedlichen Bauweisen der Regionen eingehen zu können. „Auch dieses Format war vom Start weg so erfolgreiche, dass wir das institutionalisieren wollen“, erklärt Wolfgang Steurer.

Eine Veranstaltung, die die Grundidee der Berhard Remmers Akademie besonders gut widerspiegelt, ist der Bernhard Remmers Preis. Mit dieser Auszeichnung, die alle zwei Jahre im Rahmen der Messe denkmal in Leipzig verliehen wird, werden herausragende Leistungen in der handwerklichen Baudenkmalpflege gewürdigt.

Neubau am Stammsitz

Um zukünftig noch besser die Schulungsbedürfnisse von Handwerkern, Planern, Behördenmitarbeitern und Händlern befriedigen zu können, plant die Bernhard Remmers Akademie, die als Non-Profit-Organisation keine kommerziellen Interessen verfolgt und deren erwirtschaftete Überschüsse an die Deutsche Stiftung Denkmalschutz fließen, am Stammsitz in Löningen einen Neubau, der nicht nur Platz für bis zu 300 Personen bieten wird, sondern auch einen ansprechenden Rahmen für Kundenveranstaltungen, Produktvorführungen und kongressartige Veranstaltungen bieten wird. Darüber hinaus soll dort – analog zum bereits 2014 eröffneten Kompetenzzentrum Holzoberfläche – ein Kompetenzzentrum für Bautenschutz, Bodenschutz und Abdichtung entstehen, das voraussichtlich 2020 seine Arbeit aufnimmt.

Autor

Thomas Schwarzmann ist Redakteur der Zeitschriften
bauhandwerk und dach+holzbau.

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