Verarbeitung von Edelkratzputz an einer Villa in Bottrop

Auf dem WDVS einer Villa in Bottrop kam das mineralische Putzsystem „weber.top 203 AquaBalance“ als Edelkratzputz zur Ausführung. Bei diesem Putz wird komplett auf die Zugabe von Bioziden verzichtet. Für Stuckateurmeister Benedikt Wolthaus ist der Edelkratzputz die schönste Fassade, die es gibt.

Eine am Ortsrand von Bottrop erbaute Villa bietet für zwei Parteien auf zwei Geschossen insgesamt rund 700 m² Wohnfläche. Das zweite Stockwerk tritt gegenüber dem Erdgeschoss etwas zurück, so dass eine umlaufende Terrasse entsteht. Die komplette Südseite gibt mit einer bodentiefen Glasfront den Blick auf die umliegenden Wiesen und Felder frei. Die Oberfläche der restlichen Fassade einschließlich des Staffel­geschosses bildet ein feiner Edelkratzputz.


Hochwertige mineralische Putzfassaden

Wandbildner ist Kalksandstein. Auf den rund 300 m² Fassadenfläche verklebten die Mitarbeiter der Hütter Dämmputz GmbH aus Bottrop-Kirchhellen ein Wärme­dämm-Verbundsystem (WDVS) auf Mineralwolle-Basis und brachten anschließend ein minera­lisches Putzsystem auf. Stuckateurmeister Benedikt Wolthaus übernahm im Jahr 2000 die Firma Hütter Dämmputz (www.huetter-daemmputz.de). Seit damals hat er sich mit seinen gut ausgebildeten Mit­arbeitern und mit westfälischer Beharrlichkeit eine hervorragende Position in einer attraktiven Nische erarbeitet: Er hat sich auf hochwertige mineralische Putzfassaden spezialisiert, insbesondere auf die Ausführung von Edelkratzputz. Die Begeisterung für diese Putztechnik spürt man ihm an. „Ein gut ausgeführter Edelkratzputz ist die schönste Fassade, die es gibt“, sagt er. Etwas anderes als mineralischen Putz verarbeitet er nicht. Er ärgert sich, wenn geriebene, pastöse Putze mit ähnlicher Struktur ebenfalls als Kratzputz bezeichnet werden. „Eine solche Beschichtung wird nur in Kornstärke aufgetragen, also in einer Schichtdicke von etwa 2 bis 4 mm. Das ist mit einer soliden mineralischen Putzschicht nicht zu vergleichen, die lässt sich völlig anders strukturieren.“

„Top in Schuss“ dank „AquaBalance“-Konzept

Seit der Markteinführung vor rund zehn Jahren verwendet der erfahrene Handwerksunternehmer zudem praktisch ausschließlich „AquaBalance“-Putze. Als bekennender Anhänger mineralischer Putze schätzt er deren von Natur aus hydrophilen Charakter. Das „AquaBalance“-Konzept, diese hydrophilen Eigenschaften noch zu verstärken, überzeugte ihn daher sofort. Obwohl mineralische Putze generell weniger anfällig für Algen- und Pilzbefall sind als organische Putze, und speziell Kratzputzoberflächen durch ein leichtes natürliches Absanden Sporen keine idealen Bedingungen bieten, sind auch solche Fassaden nicht immun gegen Algenwachstum. „Moderne Gebäude werden in der Regel ohne Dachüberstand gebaut. Wenn dann noch Bäume oder Büsche in unmittelbarer Nähe des Gebäudes stehen, wie beim aktuellen Objekt, ist das Risiko für Algenbefall hoch“, weiß Wolthaus. „Da bringen AquaBalance-Putze mehr Sicherheit.“ Seine Erfahrungen mit dem Material sind durchweg positiv. Das Haus seines Bruders, das er vor sechs Jahren mit „AquaBalance“-Produkten verputzte, und viele andere vor Jahren von ihm verputzte Gebäude sind dem Kirchhellener zufolge „top in Schuss“. Da sei nichts von Algenbewuchs zu sehen.

Edelkratzputz mit Jura-Strukturkorn und Glimmer

Eine Voraussetzung für diese lange Lebensdauer ist die korrekte Verarbeitung des Edelkratzputzes. Diese unterscheidet sich bei Putzen mit der „AquaBalance“-Technologie nicht von herkömmlichen mineralischen Putzen. Bei der zweigeschossigen Villa brachte die Mannschaft von Hütter Dämmputz auf die geklebten Dämmplatten zunächst maschinell eine Armierungsschicht mit dem Klebe- und Armierungsmörtel „weber.therm 300“ auf. In diese bügelten sie ein Armierungsgewebe von 8 x 8 mm ein und kämmten anschließend das Material nochmals auf. Nach einer Standzeit von einem Tag pro Millimeter Armierungsschicht erfolgte der Auftrag des Oberputzes „weber.top 203 AquaBalance“, einen Edelkratzputz mit Jura-Strukturkorn und Glimmer. Wie alle „AquaBalance“-Putze enthält er keine Biozide zum Algenschutz. Um die klare Formensprache des Gebäudes zu betonen, wählte der Architekt einen weißen Farbton und eine feine Körnung von 2 mm. Da beim Edelkratzputz die Faust­formel‚ 10 mm plus Kornstärke‘ gilt, brachte das Team das Material in einer Schichtdicke von 12 mm auf. Nach dem Abziehen ließen die Fassadenprofis den Putz über Nacht anziehen, da die Putzschicht nur im etwas angesteiften Zustand final bearbeitet werden kann. Der 53-Jährige und sein Team bringen Kratzputz im Sommer generell nur am Nachmittag auf, um ihn dann am Folgetag vormittags zu verarbeiten. Andere legen das Aufspritzen und das Kratzen auf denselben Tag mit nur wenigen Stunden dazwischen. Dies ist jedoch riskant. Den richtigen Zeitpunkt für das Kratzen abzupassen, ist laut Benedikt Wolthaus die eigentliche Kunst seines Handwerks. Ist der Putz noch zu weich, bleibt zu viel Material am Werkzeug hängen und es entstehen Löcher in der Putzfläche. Ist der Putz bereits zu fest, so kann er nur noch mit großem Kraftaufwand bearbeitet werden, und die Struktur wird nicht einheitlich. Die Abbindezeit variiert dabei je nach Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Windstärke. Auch bei der Baustelle in Kirchhellen spielte das Wetter nicht immer mit. Tagelang war es sehr heiß bei gleichzeitigem Wind und extremer Trockenheit, so dass der Putz zu schnell getrocknet wäre, um ihn noch zu kratzen, und daher das Verputzen der Fassade mehrfach verschoben werden musste. Dass der Edelkratzputz eine „Diva“ sei, lässt Benedikt Wolthaus dennoch nicht gelten. Er verweist darauf, dass der Putz gutmütig reagiert. Beispielsweise sind auch auf großflächigen Edelkratzputzfassade keine Ansätze zu sehen, da hier wie beschrieben dem Abbindeprozess versetzt hinterher gearbeitet wird. Organische Putze müssen dagegen frisch in frisch verarbeitet werden, so dass bei großen Flächen Ansätze kaum vermieden werden können. Nachdem der Putz die ideale Kon­sistenz erreicht hatte, bearbeiteten die Hütter-Mitarbeiter ihn in kreisförmigen Bewegungen mit dem so genannten Kratzigel, einem Metallbrett mit regelmäßigen Spitzen an der Unterseite. Erfahrene Stuckateure reiben neue Werkzeuge zunächst mehrfach über eine raue Oberfläche, um das Werkzeug etwas abzustumpfen. Denn wenn der Igel zu scharfkantig ist, kratzt er zu viel von der empfindlichen Putzschicht herunter. Das abgekratzte Material rieselt herunter, noch anhaftende Bestandtele werden vorsichtig mit einer Latte abgezogen. Die Körnung liegt dann frei an der Oberfläche. Das Ergebnis ist eine wunderbar gleichmäßige und dennoch lebendige, strahlend weiße Fassade, auf der der enthaltene Glimmer bei Sonnenlicht ein dezentes, edles Glitzern erzeugt. Und das während vieler Jahre.

Autorin

Dorothea Dehlinger ist Referentin Unternehmenskommunikation bei der Saint-Gobain Weber GmbH in Düsseldorf.

„Ein gut ausgeführter Edelkratzputz ist die
schönste Fassade, die es gibt“

Dauerhaft schön - natürlich biozidfrei

AquaBalance-Fassadenputze wirken besonders umweltfreundlich gegen Algen- und Pilzbewuchs. Mineralische AquaBalance-Fassadenputze sind frei von Bioziden und Konservierungsstoffen.

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