Montage von Deckensegeln aus Mineral, Softmineral und Holzwolle

Abgehängte Decken dienen unter anderem zur Regulierung der Raumakustik. Wo aus baulichen, technischen oder gestalterischen Gründen eine solche Decke fehlt und nicht nachgerüstet werden kann, lässt sich die akustische Qualität auch mit Einzelabsorbern an der Decke verbessern.

Technisch betrachtet ist die Entwicklung des Lärmpegels in Großraumbüros, Restaurants, Konferenzbereichen oder Klassenzimmern mit einer Spirale zu vergleichen: Der (Hintergrund-)Geräuschpegel erhöht sich mit zunehmender Belegung. Dadurch hebt jeder Anwesende im Raum wiederum automatisch seine Stimme an, denn zum akustischen Verständnis muss die Sprache etwa 10 bis 15 dB über dem Hintergrundgeräusch liegen – ein Teufelskreis, der als „Lombard-Effekt“ bezeichnet wird. Mit gezielten akustischen Maßnahmen und vertretbarem baulichen Aufwand kann diese Spirale durchbrochen werden.

Die optimale Akustik eines Raumes ist stets ein Zusammenspiel von Schallabsorption und -reflexion. Die Kunst dabei ist die Raumakustik möglichst perfekt auf die Nutzungsart abzustimmen und dabei absorbierende und reflektierende Flächen an der richtigen Stelle zu positionieren.

Das Miteinander von Schallabsorption und -reflexion lässt sich am Beispiel eines Klassenzimmers zeigen: Absorbierende Materialien reduzieren ganz gezielt den Geräuschpegel der Schüler. Reflektierende Flächen sind wichtig, um den Lehrer in seinem Vortrag zu unterstützen. Aus diesem Grund bietet es sich bei Klassenzimmern ohne abgehängte Decke an, im Schülerbereich Deckensegel und Wandabsorber mit einer hohen Schallabsorption zu verwenden, um Störgeräusche zu minimieren, und im vorderen Tafelbereich zur besseren Verständlichkeit des Lehrers weniger schallabsorbierende Materialien mit glatten Flächen zu verbauen.

 

DIN 18041 – Hörsamkeit

Maßgebend für die Raumakustik ist die 2016 erschienene Neuauflage der DIN 18041 „Hörsamkeit in Räumen – Anforderungen, Empfehlungen und Hinweise für die Planung“. Diese wird auf viele Bereiche des öffentlichen Lebens angewendet, nur der private Wohnungsbau bleibt davon unberührt. Der Begriff „Hörsamkeit“ beinhaltet dabei zwei unterschiedliche Anwendungsfälle und damit verbunden unterschiedliche Anforderungen und Maßnahmen:

 

Raumgruppe A: Sprachkommunikation über mittlere und größere Entfernungen (wird unter anderem auf Unterrichtsräume, Gruppenräume in KITAs, Tagungsräume und Hörsäle bis hin zu Sport- und Schwimmhallen angewendet).

Raumgruppe B: Hörsamkeit über geringe Entfernung – im Folgenden näher erläutert.

Zwar ist die Kommunikation über größere Entfernung in der Raumgruppe B stark eingeschränkt, dennoch beinhalten die notwendigen Maßnahmen eine nutzungsabhängige Senkung des mittleren Geräuschpegels im Raum und eine Begrenzung der Halligkeit. Für Kantinen und Restaurants bedeutet dies die problemlose Verständigung im kleinen Kreis (Wahrung der Privatsphäre), oder aber auch Lärmpegelsenkung in Arbeitsräumen mit besonders hohem Geräuschaufkommen, wie Werkstätten oder Großküchen. Generell richten sich die notwendigen Maßnahmen (nachstehend für eine Raumhöhe kleiner gleich 2,5 m) aber an der Verweildauer und dem Anspruch an Raumkomfort aus. Zur Beschreibung der raumakustischen Gegebenheiten wird als Orientierungswert das A/V-Verhältnis verwendet, also im Verhältnis zum Raumvolumen V ein Mindestmaß an vorhandener absorbierender Fläche, technisch gesprochen die äquivalente Schallabsorptionsfläche A.

 

RG B1: Räume ohne Aufenthaltsqualität (wie Flure, Treppenhäuser, Foyers als reine Verkehrsfläche ohne Wartezone oder Rezeption) – ohne Anforderungen
RG B2: Räume zum kurzfristigen Verweilen (wie Eingangshallen / Empfangsbereich mit Wartezone, Ausstellungsräume oder Schalterhallen) – A/V ≥ 0,15
RG B3: Räume zum längerfristigen Verweilen (wie Speiseräume und Kantinen, Bettenzimmer und Behandlungsräume, Bibliotheken oder Verkaufsräume) – A/V ≥ 0,20
RG B4: Arbeitsräume (wie Rezeption und Schalterbereich, Labore, Bewohnerzimmer in Pflegeeinrichtungen, Einzel- und Mehrpersonenbüros – näher beschrieben in VDI 2569) – A/V ≥ 0,25
RG B5: Räume mit besonderen Anforderungen an Lärmminderung und Raumkomfort (wie Speiseräume und Kantinen in Schulen, Kitas, Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen, Werkstätten / Werkräume und Großküchen, Bewegungsräume und Spielflure in Kitas) – A/V ≥ 0,30

 

Die Auflistung zeigt: Im Vergleich zu Räumen mit kurzer Verweildauer (RG2, A/V ≥ 0,15) muss bei gleicher Raumgröße für besondere Anforderungen an den Raumkomfort (RG B5, A/V ≥ 0,30) die doppelte Menge an akustisch wirksamer Fläche belegt werden – Personen im Raum bleiben unberücksichtigt.

 

Gestalten mit Form und Farbe

Räume ohne abgehängte Decken lassen sich mit vergleichsweise geringem Aufwand durch Einzelabsorber akustisch nachrüsten und so verbessern. Knauf AMF bietet für diesen Zweck Deckensegel (und Wandabsorber) in verschiedenen Materialien (Mineral, Softmineral und Holzwolle) an. Sie weisen im relevanten Frequenzbereich von 250 bis 4000 Hz sehr gute Schallabsorptionswerte auf. Erhältlich sind zahlreiche Ausführungen, etwa als konvexe und konkave Deckenelemente oder auch als rahmenlose und rechteckige oder runde Deckensegel. Sie sorgen nicht nur für den richtigen Ton im Raum, sondern stehen auch in einer Vielzahl an Farben für die individuellen Wünsche des Kunden zur Verfügung.

Optische Akzente entstehen aber nicht nur über das Design der Elemente selbst, sondern auch über die Art ihrer Montage im Raum: Deckensegel lassen sich durch individuell höhenverstellbare Drahtseile in nahezu jedem Winkel zur tragenden Decke anbringen. Sie können damit stufenweise gestaffelt oder über-lappend montiert werden. Abwechselnd hinterein-ander befestigte konkav und konvex gebogene Akustikelemente ermöglichen zudem die Erzeugung von Wellenlinien.

Eine Materialalternative zu Deckensegeln aus Mineral und Softmineral sind Akustikplatten aus Holzwolle. Sie besitzen ebenfalls hervorragende Schallabsorptionswerte bei gleichzeitig hochwertigem Design und einer großen Farbvielfalt (nach RAL oder NCS). Akzente bei den Oberflächen setzen hier zusätzlich die unterschiedlichen Breiten der Holzwollefasern und der Kantenausführung. Durch die zahlreichen Montagearten auch mit vorgefertigten Seiten- und Eck-teilen können die akustischen und gestalterischen Herausforderungen nahezu jeder Raumsituation erfüllt werden. Durch spezielle CNC-Fertigungstechnologie sind bei den Holzwolleplatten Formgebungen in alle Richtungen und in alle Dimensionen möglich: horizontal, vertikal, diagonal, in Wellenform, mit Gehrungsschnitt oder umlaufender Fase – von kleinen Stückzahlen bis hin zum Unikat.

 

Einfache und schnelle Montage

Gerade bei einer Nachrüstung kommt es auf eine unkomplizierte und schnelle Montage an. Das Deckensegelsystem „Thermatex Sonic sky“ besteht aus einem Aluminiumrahmen, der bauseits zusammengefügt und mit stufenlos höhenjustierbarer Seilabhänger von der Rohdecke abgehängt wird. Die dezenten, kaum sichtbaren Drahtseile vermitteln den Eindruck von Leichtigkeit und Eleganz.

Ohne Rahmen kommt das Deckensegel „Topiq Sonic element“ aus. Dieses ist sicht- und stirnseitig mit Vlies- und Farbbeschichtung erhältlich. Durch zurückgesetzte Befestigungspunkte und rahmenlose, monolithische Kanten wird der Eindruck eines schwebenden Segels vermittelt. Diese Deckensegel werden fertig montiert in einem Stück geliefert. Das garantiert eine noch schnellere Montage. Die flexible Abhängung mit filigranen Drahtseilen ermöglicht auch bei diesem System eine individuelle Höhenverstellung.

Deckensegel-Versionen aus Holzwolle-Akustikplatten der Marke „Heradesign“ gibt es ebenfalls sowohl als modulares System aus vorgefertigten Einzelelementen („Heradesign Sonic modular“) und als montagefertiges Komplettelement („Heradesign Sonic element“).

 

Autor

Stefan Lankl leitet den Bereich Corporate Communications der Firma Knauf AMF in Grafenau.

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