Befestigung vom WDVS und von Lasten mit Dübeln

Dübel sind zur standsicheren Befestigung von WDV-Systemen oder von Anbauteilen wichtige Systembestandteile beziehungsweise Systemergänzungen. Verdübelungstechnik ist daher ein wesentliches Kriterium bei der Ausführung von Fassaden mit WDVS.

Je nach Materialeigenschaften, Belastungsgrad der Fassade – zum Beispiel durch Windeinflüsse – und Untergrundbeschaffenheit verlangen die System-zulassungen, dass die Dämmplatten bei der Montage zusätzlich gedübelt werden. Auch für die spätere Befestigung zum Beispiel von Briefkästen, Leuchten und dergleichen an einer WDVS-Fassade gibt es spezielle Befestigungslösungen.

Befestigung von Dämmplatten bei WDV-Systemen

Prinzipiell kommen Dübel bei der Dämmplatten-Montage eines WDVS in folgenden Fällen zum Einsatz: Bei rein geklebten Systemen kann die Befestigung mit Dübeln als Zusatzmaßnahme als sogenannte kon-struktive Dübelung erfolgen. Bei geklebten und gedübelten Systemen werden die Dämmstoffplatten zunächst auf die Fassade geklebt und müssen anschließend gedübelt werden. Systemabhängig schließen dabei die Teller der Dübel entweder bündig mit der Oberflächedes Dämmstoffs ab, oder die Teller beziehungsweise Wendel werden um ein definiertes Maß in die Dämmung versenkt. Die verbleibende Öffnung wird dann vor dem Auftrag des armierten Unterputzes mit einer Dämmstoff-Rondelle oder einem Stopfen verschlossen. Eine dritte, heute eher selten benutzte Variante bei der Ausführung von WDV-Systemen sind mechanisch durch Halteschienen befestigte Systeme. Kragenkopf-Dübel verankern diese Schienen im tragenden Untergrund.

Die allgemeine bauaufsichtliche Zulassung (abZ) beziehungsweise die allgemeine Bauartgenehmigung des verwendeten WDVS regelt, welche der nachfolgend näher beschriebenen Befestigungsvarianten angewendet werden dürfen.

Dämmplatten-Befestigung mit Kleber und gegebenenfalls konstruktiver Dübelung

Voraussetzung für den Einsatz eines geklebten Systems ist ein klebegeeigneter Untergrund, da die Eigenlast des Systems vollständig über Scherkräfte in den Wandbildner übertragen wird. Der Systemkleber stellt die einzige Verbindung zwischen dem Systemaufbau (Dämmstoffplatte, Putzsystem) und der tragenden Wand dar. Gemäß den Zulassungen für geklebte WDV-Systeme muss die Abreißfestigkeit des Dämmstoffs vom Untergrund bei mindestens 0,08 N/mm2 liegen. Dies kann bei einem Neubau oft vorausgesetzt werden. Bei geklebten Systemen dürfen Untergrundtoleranzen bis 1 cm mit dem Kleberbett ausgeglichen werden. Bei Altfassaden mit zum Beispiel tragfähigen Altanstrichen empfiehlt sich die konstruktive Dübelung, um Unwägbarkeiten „abzufangen“.

Dämmplatten Befestigung mit Kleber und Dübel

Geklebte und gedübelte WDV-Systeme werden dort eingesetzt, wo eine ausreichende Klebfähigkeit des Untergrunds nicht vorausgesetzt werden kann und der verwendete Dämmstoff und/oder die zu erwartende Windsogbelastung dies erfordern. Wird mit Kleber und Dübel gearbeitet, können Toleranzen bis zu 2 cm ausgeglichen werden.

Häufigste Anwendung für geklebte und gedübelte Systeme ist die Gebäudemodernisierung, weil dort die Klebeeignung des Untergrunds nicht automatisch gegeben ist. Das Dübeln bietet dem Auftraggeber neben der höheren Sicherheit auch wirtschaftliche Vorteile: eine gegebenenfalls aufwendige Untergrundvorbereitung kann häufig entfallen. Lose und blätternde Altbeschichtungen müssen allerdings auch hier vorab beseitigt werden. Mit Tiefengrund müssem stark saugende oder kreidende Beschichtungen vorgestrichen werden. So wird der Altputz nicht durchfeuchtet und kann ohne Abtrocknen mit Dämmplatten versehen werden.

Wieviele Dübel sind nötig? Die Mindestanzahl und die richtige Anordnung kann man in der Systemzulassung nachlesen. Maßgeblich für die Bemessung sind die einwirkende Windlast und die Systemtragfähigkeit. Der kleinere Wert von Tragfähigkeit des Dübels aus dem Untergrund (Auszugslast) und Durchzugswiderstand durch den Dämmstoff ist für die Ermittlung der Dübelanzahl heranzuziehen.

Die Tragfähigkeit des Dübels im Verankerungsgrund ist über die mittlerweile üblichen Europäischen Technischen Bewertungen (ETA) der Dübel festgelegt. Sie hängt entscheidend von den Nutzungskategorien ab. Üblicherweise sind in den Leistungserklärungen der Dübel charakteristische Auszugslasten für spezifizierte Untergründe festgelegt. Die Systemtragfähigkeit in Abhängigkeit von der gewählten Dübelteller-/Dämmstoffkombination kann den jeweiligen WDVS-Zulassungen entnommen werden.

Aber Achtung:

- Die vorgeschriebene Mindest-Dübelzahl muss in jedem Fall eingehalten werden. Hier zu sparen kann teuer werden.
- Weicht der am Gebäude vorgefundene Wandbaustoff von der Spezifikation der Leistungserklärung des Dübels ab, kann die Auszugslast durch Versuche am Bauwerk ermittelt werden.
- Ist eine Untergrundkategorie in der Dübel-Leistungserklärung nicht genannt, sind keine Bauwerksversuche zulässig.

Mechanische Befestigung

Eine mechanische Befestigung bietet die Möglichkeit, Fassadentoleranzen bis zu 3 cm auszugleichen. Dämmstoffe werden hierbei mit speziellen Halteschienen an der Fassade fixiert, die Schienen am Wandbildner mit Kragendübeln befestigt. Meist werden an den Platten zusätzliche Kleberpunkte angebracht, an denen zusätzlich Tellerdübel gesetzt werden. Auf diese Art montierte WDV-Systeme kommen im Alltagsgeschäft mittlerweile kaum noch vor.

Systemzulassungen jetzt komplett

Die seit 2016 geltenden erweiterten Systemzulassungen sind umfangreich und erscheinen auf den ersten Blick komplex. Sie enthalten jedoch alle für das System wichtigen Informationen, darunter auch Dübelanzahl und Dübelanordnung je nach Dämmstoff. In den frühe-ren Zulassungen wurde mitunter noch auf eigene Dämmstoffzulassungen verwiesen. Dies wird künftig (bei neuen oder geänderten WDVS-Zulassungen) auf die neue Systematik angepasst.

Dass relevante Informationen auf mehrere Zulassungsdokumente verteilt sind, wird es künftig nicht mehr geben.

Befestigung von Anbauteilen

Der Anbau von Geländern, Lampen, Briefkästen, usw. an gedämmten Fassaden muss so ausgeführt werden, dass keine nennenswerten Wärmebrücken entstehen. Gleichzeitig müssen der notwendige Lastabtrag und die Abdichtung zum WDVS gewährleistet sein. Die Hersteller bieten hierfür zahlreiche zugelassene Produktlösungen an.

Unterschieden werden diese nach der Lage der Verankerungsebene. Die Verankerung in der Dämmebene reicht in der Regel bei leichteren Lasten aus. Bei schweren Lasten müssen die Kräfte in den Wandbildner (Mauerwerk usw.) eingeleitet werden. Die Befestigungsmittelhersteller im VDPM bieten dazu alle notwendigen Detailinfos und bei Bedarf auch persönliche Beratung auf der Baustelle.

Befestigungen in der Dämmebene

Durch Befestigungen von leichteren Anbauteilen in der Dämmebene wird der Dämmeffekt nicht nennenswert beeinträchtigt. Hier kommen oft Spiraldübel aus Kunststoff zum Einsatz, die durch das Putzsystem direkt in den Dämmstoff geschraubt werden. Die großen Flanken (Wendel) der Dübel sorgen für Halt im Dämmstoff und im Putzsystem. Die zu befestigenden Gegenstände werden in den außenliegenden Montagepunkt verschraubt. Grundlegender Vorteil dieser Variante ist, dass Befestigungen nachträglich am fertigen System angebracht werden können. Eine weitere Variante stellt die Montage von Befestigungsrondellen/-zylindern in der Dämmebene dar. Hier sollten die Befestigungspunkte möglichst im Vorfeld geplant werden, da die Montagezylinder zur Abdichtung des Systems abschließend verputzt werden

Befestigungen am Wandbildner

Nur verankerungsfähige Untergründe wie Mauerwerk oder Beton können den Lastabtrag für schwere und sicherheitsrelevante Anbauten an einer wärmegedämmten Fassade gewährleisten. Das Montageelement muss die zu erwartenden Belastungen in verschiedene Richtungen (Zug-, Quer- oder Moment-
beanspruchung) über die gesamte Lebens- beziehungs-weise Nutzungsdauer aufnehmen können. Dübel mit langen Stockschrauben sind keine geeignete Lösung, weil so signifi-kante Wärmebrücken entstehen und es zu Tauwasserausfall kommen kann. Erforderlich ist vielmehr, dass die Wärmeleitung von der Wandkonstruktion an die Fassadenoberfläche weitestgehend unterbunden wird. Die beiden hierfür gängigen Verfahren ermöglichen jeweils eine statische Bemessung.

Zum Einsatz kommen Dübelsysteme, die mit Spreiz- oder Injektionsdübeln im Mauerwerk arbeiten und bei denen die Schraube eine thermische Trennung besitzt. Diese Befestiger können auch zur nachträglichen Montage genutzt werden. Eine alternative Lösung ist, dass zunächst Montagekonsolen aus wenig wärmeleitendem Material auf den Wandbildner aufgeschraubt werden. Anschließend erfolgt die Verankerung der Anbauteile in die Konsole hinein. Holzkonsolen sind wegen auftretender Schwindungen nicht geeignet. Am besten sind Tragkonsolen, die in das WDVS integriert werden. Dies müssen schon bei der Planung berücksichtigt werden. So lassen sie sich in den Dämmstoff einpassen und abschließend zusammen mit diesem überputzen.

Autor

Ralf Pasker ist Geschäftsführer Dämmsysteme und Europa des Verbands für Dämmsysteme, Putz und Mörtel in Berlin www.vdpm.info sowie Geschäftsführer des europäischen WDVS-Verbands European Association for ETICS (EAE) www.ea-etics.com.

Tipps für die Praxis

Grundsätzlich nur die vom Systemanbieter vorgesehenen und gelieferten Dübel verwenden.
Die Windsogsogbelastung (Region, Exposition, Gebäudehöhe, Fassadenbereich) an der Fassade hat wesentlichen Einfluss auf die Dübelmenge.
Eine höhere zulässige Auszugslast des Dübels kann zusammen mit einer hohen Systemtragfähigkeit den Dübelverbrauch senken.
Beim Einsatz von EPS-Dämmstoff muss man die Brandschutzvorschriften beachten: Die unteren drei Brandriegel (Bereich der Brandeinwirkung von außen) müssen immer zusätzlich zur vollflächigen Verklebung gedübelt werden. Zu verwenden sind dabei ausschließlich Dübel mit Spreizelementen (Schraube, Nagel) aus Stahl.
Der punktuelle Wärmedurchgang eines WDVS-Dübels wird durch den Chi-Wert ausgedrückt. Je geringer dieser ist, desto geringer ist auch die Wärmebrücke. Bei hohen Chi-Werten und Dübelanzahlen können Abminderungsberechnungen zum Wärmeschutz des WDVS erforderlich sein.
Bei Untergründen der Kategorien A und B werden die Bohrlöcher mit Schlag erstellt, bei den anderen Kategorien im Drehgang. Das Bohrloch muss mindestens 10 mm tiefer sein als die Verankerungstiefe des Dübels. Maßgebend sind hier die Verarbeitungshinweise des Dübellieferanten. Bei Vollbaustoffen sollte das Bohrmehl durch mehrmaliges „Lüften“ des Bohrers aus dem Bohrloch entfernt werden. Verschlissene Bohrer rechtzeitig austauschen, um den richtigen Bohrlochdurchmesser für die Dübelmontage zu gewährleisten.
Achten Sie auf die richtige Wahl der Setzwerkzeuge: Für die versenkte Montage sind speziell auf den Dübel abgestimmten Montagetools und Schraubbits erforderlich.
Je nach Dämmstoff, erforderlicher Dübelanzahl und Dübeltyp können die Setzbilder (Dübelschema) variieren. Daher müssen die abZ und die Verarbeitungshinweise des Systemherstellers beachtet werden (siehe Tabelle).
Weitere Informationen zu den Unternehmen

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