Denkmalgeschütztes ehemaliges Stellwerk Ahlhorn energetisch saniert

Das denkmalgeschützte Stellwerk des Bahnhofs Ahlhorn war so verfallen, dass der Eigentümer – die DB Netz AG – es abreißen lassen wollte. Nachdem sich ein Förderverein für den Erhalt des 1931 errichteten Klinkerbaus stark gemacht hatte, wurde es umfassend energetisch saniert und umgebaut.

Der Bahnhof Ahlhorn im Landkreis Oldenburg mit seinem Stellwerk aus dem Jahr 1931-32 war einst ein Verkehrsknoten am Schnittpunkt der Eisenbahnlinien Oldenburg-Osnabrück. Das Stellwerk mit seinem Wasserturm zum Befüllen der Dampfloks war und ist durch diese Doppelfunktion einmalig in Deutschland. 1996 wurde das markante Gebäude aufgrund seiner Bedeutung für die Wirtschafts- und Technikgeschichte der Eisenbahn unter Denkmalschutz gestellt und 2016 grundlegend saniert.

Abbruch-Antrag als Weckruf

Die DB Netz AG als Eigentümer beschloss 2008, das Stellwerk abzureißen und beantragte bei der Denkmalschutzbehörde des Landkreises eine Genehmigung zum Abbruch des unter Denkmalschutz stehenden Gebäudes.

Das kam als Weckruf an, der ungeahnte Energien freisetzte. Der Landkreis und Vertreter der DB vereinbarten, Möglichkeiten für eine Sanierung mit einem neuen Nutzungskonzept auszuloten. Es gründete sich ein „Verein zur Bewahrung, Instandsetzung und Nutzung des denkmalgeschützten Stellwerkgebäudes in Ahlhorn e.V.“ der zusammen mit der Deutschen Bahn ein Konzept für den Erhalt des Stellwerks entwickelte. Mit der Stiftung Kulturschatz Bauernhof und dem Monumentendienst fanden der Landkreis Oldenburg und die Gemeinde Großenkneten motivierte Partner. Die Umsetzung unterstützten zahlreiche öffentliche und private Förderer.

Der nächste Schritt war die Erstellung eines Sanierungskonzeptes, als Voraussetzung für einen Kostenvoranschlag. Der Klinkerbau war marode und feucht, auch die Stahl- und Betonkonstruktion war schadhaft. Die richtigen Experterten für eine solche Planungsarbeit saßen gewissermaßen „gleich um die Ecke” in Löningen: Hauptsitz und Stammwerk der Remmers Gruppe AG.

Bauzustandsanalyse und Sanierungskonzept

Der Backsteinbau im Stil der Neuen Sachlichkeit aus den 1930er Jahren besteht aus einem 36 cm dicken, massiven Ziegelmauerwerk, mit einer vorgesetzten Wetterschale aus „Oldenburger Klinkern“. Gesamt-dicke der Mauer etwa 50 cm. Aufgabe der Remmers Fachplanung war die Untersuchung und Bewertung des Mauerwerks im Erdgeschoss hinsichtlich des Feuchte- und Salzeintrags, sowie eine Analyse des Ist-Zustandes des verbauten Stahlbetons.

Für die Untersuchung des Mauerwerks wurden an sechs Achsen in verschiedenen Höhen Proben entnommen und im Labor der BRIfA (Bernhard-Remmers-Institut für Analytik) untersucht. Dabei wurden Durchfeuchtungsgrade von 100 Prozent ermittelt – ein Wert, der nur durch zeitweilige Druckwasserbelastung erklärt werden kann und nicht durch Kapillarwirkung. Hierbei ist die maximale „freiwillige“ Porenfüllung immer niedriger.

Die Proben wurden jeweils unter- und oberhalb der vorhandenen Sperrbahn entnommen. Die ermittelten Werte zeigten eindeutig, dass sie ihre Funktion, als Sperre gegen kapillar aufsteigende Feuchte immer noch erfüllt. Die Proben unterhalb der Bahn waren feuchtegesättigt, darüber nahezu trocken.

Die gemessenen auffälligen Sulfat-Werte hängen vermutlich mit der Brenntemperatur der Ziegel bei ihrer Herstellung zusammen. Das Kalziumsulfat (Gips) war als Bestandteil des Rohstoffs vermutlich im Ziegel vorhanden und wurde beim Brennvorgang nicht gebunden (silikatisiert).

Abdichtung und Instandsetzung des Mauerwerks

Der Zementputz der Innenwände war aufgrund der starken Durchfeuchtung und durch 20 Jahre Frost-/Tauwechsel recht stark in seiner Substanz angegriffen. Weicher Stein und anhaftender harter Putz war zum Teil großflächig vom Mauerwerk abgesprengt.

Aus diesem Szenario wurde – in Absprache mit der Remmers Fachplanung – das Instandsetzungskonzept entwickelt: Nach der Abdichtung des Mauerwerks sollten Remmers Calcium-Silikatplatten montiert werden, als denkmalgerechtes mineralisches System auf die neu verputzten Innenwände. Wegen der hohen Durchfeuchtung und Sulfatbelastung des Mauerwerks war ein Verputzen ohne vorherige Abdichtung nicht möglich. Da die Deutsche Bahn als Eigentümerin eine Außenabdichtung aufgrund der damit verbundenen Aushubarbeiten ablehnte, kam als Alternative nur eine hochwertige vertikale Innenabdichtung infrage. Dazu wurde das Remmers „Kiesol“-System verwendet.

Die Instandsetzung der Räume für die geplante
höherwertige Nutzung:

Vertikalabdichtung der Trennwände durch Bohr-lochinjektage mit „Kiesol“ gegen eindringende Kapillarfeuchte
Grundierung und Grundverkieselung der Wand-flächen mit „Kiesol“
Flächenausgleich mit Grundputz, in Teilflächen mit Dichtspachtel
Haftbrücke und Dichtungsebene mit „Sulfatexschlämme“
Haftbrücke für Putzauftrag mit „Sulfatexschlämme“ und Vorspritzmörtel Putzauflage mit Grundputz WTA und Sanierputz WTA altweiß

Innendämmung mit Calciumsilikat-Platten

Durch ihre hygroskopische Speicherfähigkeit puffern Calcium-Silikatplatten Feuchtespitzen ab und sind zur Regulierung der Innenkondensation und des Raumklimas bestens geeignet. Aus dem Zusammenspiel von Feuchtepufferung, Dampf- und Flüssigwassertransport resultiert eine wohnraumbehagliche trockene Wandoberfläche, die auch als Innendämmung fungiert. Der hohe pH-Wert von etwa 10,5 (alkalisch) erschwert Schimmelwachstum. Die leichten Platten können ohne zusätzliche Vorsatzschale einfach montiert werden.

„Betofix PCC“-Betoninstandsetzungssystem

Im April 2015 unterzog man den Wasserturm einem Belastungstest. Die Freiwillige Feuerwehr Ahlhorn pumpte mehr als 33 000 Liter Wasser in den Turmtank. Es zeigte sich, dass das vor 84 Jahren als Stahl-Betonkonstruktion erbaute Funktionsgebäude noch immer seine Aufgabe gut erfüllen konnte. Dennoch zeigten sich partiell an den Betonbauteilen zahlreiche Schadstellen, die saniert werden mussten.

Zum Einsatz gelangte das BASt gelistete „Betofix“ PCC-Betoninstandsetzungssystem. Es ist ideal geeignet für die erforderlichen Querschnittsergänzungen und -verstärkungen sowie die Erhöhung der Bewehrungsüberdeckung und als Ersatz von carbonatisiertem Beton. Da es sich um tragende Bauteile handelte war die Verwendung eines statisch anrechenbaren PCC-Systems zwingend erforderlich.

Hauptprodukt ist der 1-komponentige Trockenmörtel „Betofix R4“. Er ist faserverstärkt und erfüllt die Anforderungen der Klasse R4 nach EN 1504-3 sowie M3 nach der RL-SIB. Der werkgemischte, mineralische Trockenmörtel härtet hydraulisch und schwindarm aus. Möglich sind einlagige Auftragsdicken bis 80 mm in einem Arbeitsgang.

Durch die Reprofilierung von Stahlbetonteilen mit „Betofix R4“ wird die statische Belastbarkeit und die Passivierung des Stahls wieder hergestellt. Lediglich bei einer Betondeckung unter 10 mm ist gemäß RL-SIB ein zusätzlicher Korrosionsschutz erforderlich. Der Mörtel vereint Grob- und Feinmörtel in einem Produkt. Optional kann er mit oder ohne Haftbrücke verarbeitet werden.

Einweihung am „Tag des offenen Denkmals“

Nach einer mehr als dreijährigen Planungs- und Umsetzungsphase wurde das sanierte Stellwerk am „Tag des offenen Denkmals“, am 11. September 2016, der Öffentlichkeit vorgestellt. In dem Gebäude hat der Monumentendienst sechs Arbeitsplätze und ein Archiv eingerichtet. Auch der Wasserturm wird wieder genutzt. Er dient jetzt als Wärmespeicher.

Autor

Jens Engel ist Produktmanager Bauten- und Fassadenschutz bei der Firma Remmers in Löningen.

Baubeteiligte (Auswahl)

Bauherr Verein zur Bewahrung, Instandsetzung und Nutzung des denkmalgeschützten Stellwerkgebäudes in Ahlhorn e.V.

Planung Dipl.-Ing. Berd Eckhold, Großenkneten

Bauzustandsanalyse und Beratung

Remmers Fachplanung

Bauwerksabdichtung Bögershausen Bau,

Goldenstedt, www.boegershausen-bau.de

Innendämmung Bernhard Schwarting,

Ganderkesee

Produktsysteme iQ-ThermInnendämmung, Kiesol Bauwerksabdichtung, Betofix Betonsanierung,
Kellerinnenabdichtung & Sanierputzsystem,

Remmers, Löningen, www.remmers.de

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