Bausatz für die „Kletterbar“

Mit mehr als 2000 m2 Kletterwandfläche im Innen- und Außenbereich ist die nach rund dreimonatiger Rohbauzeit im Mai 2015 eröffnete „KletterBar“ in Offenbach am Main die größte Kletterhalle im Rhein-Main-Gebiet.

Die Halle in Ingenieurholz­bauweise besticht durch ihre schlichte, funktionale Architektur. Technisch wurde eine Lösung entwickelt, bei der keine biegesteifen Rahmenecken oder Stahleinspannstützen notwendig waren. Stattdessen besteht die Tragkonstruktion aus je zwei Holzfachwerkträgern pro Wand. Diese Stützen wiegen mit 2,6 t lediglich ein Fünftel einer vergleichbaren Stahlbetonstütze, haben aber durch ihren größeren, inneren Hebelarm eine höhere Steifigkeit und sind unabhängiger von Bodenverhältnissen.

Für die knapp 18 m hohe Pultdachhalle auf einer Grundfläche von 22 auf 26 Meter kamen rund 150 m3 Brettschichtholz zum Einsatz. Um für eine kurze Bauzeit und termingerechte Fertigstellung zu sorgen, lieferte die FH Finnholz ihren typischen Hallenbausatz: Alle Bauteile montagefertig abgebunden, mit sämtlichen Bohrungen, Positionsnummern, Verbindungsmitteln und Ausführungsplänen.

Die Kletterhalle erfüllt höchste statische Anforderungen. An ihrer Pultseite hat sie knapp 500 m2 Angriffsfläche für Wind. Zusammen mit der Windsogseite kommt der Lastfall „Wind auf Pult“ auf etwa 800 m2 Fläche, die die Halle wie ein Segel horizontal belasten. Das „Becks Schiff“ hat vergleichsweise etwa 1000 Quadratmeter Segelfläche bei vollen Segeln. 40 Tonnen horizontale Last und Lasten aus 2000 m2 Kletterwand wirken hier auf 9 m Höhe ein und werden über das Fachwerk in den Boden geleitet. Zu Baubeginn im November 2014 erfolgte die Fundamentierung als Flächengründung, die der Nutzung angepasst wurde und von der geschickten Lastabtragung profitiert. 

Trotz der gewaltigen Lasten waren keine zusätzlichen Einzelfundamente nötig, und die Bodenplatte konnte schrittweise erstellt werden. Vom Einmessen über die Erdarbeiten und das Schalen mit Dämmung und Einlegen der Bewehrungsmatten bis zum Gießen des Betons vergingen nur wenige Tage. Ab Anfang Dezember begann daraufhin der Aufbau des vorgefertigten Holzskeletts. Für den freien Fassadenbereich wurden kostengünstige Sandwichelemente gewählt. Dies war im Bereich der Außenkletterwände nicht möglich. Die Fassade dort wurde letztlich durch vorelementierte, gedämmte Holzrahmenbauelemente gelöst, welche zwischen den Stielen montiert wurden.

Ursprünglich war dieses Konzept für eine Konstruktion ohne Brandschutzvorgaben gedacht, was sich im Rahmen des Bauantrags in R30 änderte. Statt einer aufwendigen Verkleidung der Tragkonstruktion wurde durch eine Abbrandbetrachtung der Holzquerschnitte nachgewiesen, dass diese Konstruktion ohne Mehrkosten die Anforderung R30 erfüllt.

Der Leistungsumfang der FH Finnholz umfasste die statische Berechung und Ausführungsplanung, sowie  die Produktion und Lieferung der Holzkonstruktion. Die Montage erfolgte durch einen regionalen Partnerbetrieb.