Farbe und Putz in der Fachwerksanierung

Die Sanierung von Fachwerkgebäuden stellt besondere Anforderungen an das Handwerk. Besonders herausfordernd ist der Umgang mit dem Putz und der Farbe in den Gefachen. Die Propstei Johannesberg bietet hierzu eine Reihe von Seminaren an.

Soll ein altes Fachwerkhaus saniert werden, so müssen im ersten Schritt die historischen Materialien und Konstruktionen erkannt, analysiert und beurteilt werden. Außerdem müssen neue Materialien und Techniken auf ihre Eignung überprüft und Anforderungen der Nutzer, der Anwender und gegebenenfalls der Denkmalpfleger abgestimmt werden. Dies sollte unter den Gesichtspunkten der Nachhaltigkeit und des möglichst wirtschaftlichen Sanierens geschehen. In dem Seminar „Anstrich auf Fachwerk“ werden am 26. April in Fulda Erfahrungen aus Projekten mitgeteilt und exemplarische Wege des richtigen Handelns vorgestellt. Die Gebühr beträgt 95 Euro. Das Seminar leitet Melanie Nüsch. Sie ist Malermeisterin und geprüfte Restauratorin im Maler- und Lackiererhandwerk.

Restaurierung historischer Gefacheputze

Die Gefache der Fachwerkfassaden sind durch Witterungseinflüsse und Materialwechsel von Holz und Putz besonderen Beanspruch­ungen ausgesetzt. Diese Beanspruchungen sowie ­regelmäßig stattfindende Sanierungen an Fachwerkgebäuden haben bis heute zu einem erheblichen Verlust an historischen Putzen geführt. Aus diesem Grund besteht seitens der Denkmalpflege ein großes Interesse, die noch vorhandenen Putzbestände zu sichern und zu erhalten.

Im Rahmen eines dreitägigen Praxisseminars werden vom 18. bis 20. Mai deshalb die Möglichkeiten der ­Sicherung und Restaurierung von gefährdeten Putzflächen an Fachwerkgebäuden behandelt. Zur Erörterung praktischer Problem- und Fragestellungen und zur Einübung von Restaurierungstechniken wurde als Objekt eine Fachwerkscheune im Vogelsberg mit regionaltypischen Kratzputzausführungen ausgewählt. Als Besonderheit weisen die vermutlich bauzeitlichen Putze eine Vielzahl von Gestaltungen an der Oberfläche auf, die mit Stempeln und unterschiedlichen Werkzeugen ausgeführt worden sind. Auf Grund dieser besonderen Befundsituation wird sich das Seminar nicht nur mit der Erhaltung des Putzbestandes, sondern auch mit der Nachstellung der vorgefundenen gestalteten Putzoberflächen befassen. Die Seminarleitung haben der Restaurator im Maurerhandwerk Kay Neuling, der Tischlermeister Rainer Scherb und Dipl.-Ing. Gerwin Stein von der Beratungsstelle für Handwerk und Denkmalpflege in Fulda. Die Seminargebühr beträgt 390 Euro. Der Seminarort ist Teufelsmühle in 36355 Grebenhain-Ilbeshausen.

Historische Putze und Putztechniken

Ein weiteres Seminar findet zum Thema „Historische Putze und Putztechniken“ vom 9. bis 11. Juni in Fulda statt. In diesem werden Kenntnisse und Fertigkeiten zum Thema Konservierung, Restaurierung und Rekonstruktion historischer Putze vermittelt. Im Zentrum stehen die besonderen Anforderungen, die an Verputze an historischen Gebäuden aus technischer und gestalterischer Sicht gestellt werden. Diese unterscheiden sich zum Teil gravierend von modernen Putzsystemen durch die Wirkungsweisen mit den unterschiedlichen Wandbeständen, durch die verwendeten Materialien und Techniken sowie durch die Putzaufbauten. Das Seminar kostet 260 Euro und wird vom Restaurator im Maurerhandwerk Kay Neuling geleitet.

Informationen und Anmeldung

Die Anmeldung zu den vorgestellten Seminaren erfolgt bei der Propstei Johannesberg gGmbH Fortbildung in Denkmalpflege und Altbauerneuerung, 36041 Fulda, unter Tel.: 0661/941813-0, Fax: -15, E-Mail: oder im Internet unter: www.propstei-johannesberg.de

Autorin

Annette Kreß ist neben der Seminarorganisation unter anderem für die Öffentlichkeitsarbeit bei der Propstei Johannesberg gGmbH in Fulda tätig.

Hessischer Kratzputz ist immaterielles Kulturerbe

Ende vergangenen Jahres nahm die deutsche UNESCO-Kommission den hessischen Kratzputz in die Liste des immateriellen Kulturerbes auf. Der Kratzputz geht auf eine historische Putzweise in der ländlichen Bautradition zurück, die es bereits seit dem 17. Jahrhundert gibt. Diese handwerkliche und gestalterische Technik beschreibt die Verzierung von Fachwerkfassaden mit ornamentierten Putzen, die insbesondere in Hessen bis heute lebendig praktiziert wird. Die Gefacheputze sind dabei durch Figuren, Blumen, Symbole und einfache grafische Formen gestaltet. Die Darstellungen werden entweder eingeritzt, durch Stempel, Nagelbretter oder Reisigbündel in den vorher geglätteten, frischen Putzgrund eingeprägt, oder mit glättenden Werkzeugen aus Holz oder Eisen einmodelliert. Träger ist ein auf das Lehmgefach aufgetragener Kalkputz, dem Tierhaare oder pflanzliche Fasern beigemengt wurden. Die Putzoberflächen weisen dadurch eine reliefartige, flächige Struktur auf. Heutzutage widmen sich nur noch vereinzelte Handwerksbetriebe der Technik des Kratzputzes. In Praxisseminaren soll daher die Technik des hessischen Kratzputzes vermittelt und die Bedeutung sowie die Möglichkeiten der Konservierung und Restaurierung gefährdeter historischer Putzbestände aufgezeigt werden. Auch Einrichtungen wie das Landesamt für Denkmalpflege Hessen und das Freilichtmuseum Hessepark engagieren sich für die Erhaltung dieser Handwerkstechnik.

Im Internet finden Sie einen Film, den Rainer Scherb und Gerwin Stein über die Entstehung, Konservierung und Ausführung Hessischen Kalkputzes gedreht haben.

Von Annette Kreß