Fein abgestimmt Fachgerechte Fugensanierung bei historischem Mauerwerk

Steht der Handwerker vor der Aufgabe, historisches Mauerwerk fachgerecht zu sanieren, muss er zunächst eine gründliche Analyse der Bausubstanz und die daran anschließende Abstimmung der Baustoffe vornehmen. So sollte beispielsweise die bei der Analyse gefundene historische Bindemittelart, die Festigkeit, der Kornaufbau und auch das Saugverhalten des alten Mörtels wie auch der alten Steine unbedingt berücksichtigt werden.

Für die Herstellung der dafür nötigen, individuell abgestimmten Restaurierungsmörtel werden heute sowohl altbewährte als auch neue Bindemittel eingesetzt. Ein Überblick gibt die Tabelle, in der die Vielfältigkeit der carbonatisch oder hydraulisch erhärtenden Bindemittel aufgezeigt wird. Bereits in der Antike wurden ähnliche Bindemittel für zahlreiche zum Teil heute noch erhaltene Bauwerke eingesetzt. Nicht nur die Mörtelfestigkeit, sondern viele weitere Mörteleigenschaften werden durch das eingesetzte Bindemittel gesteuert. Im erhärtenden Mörtel sind die Festigkeit, die Dehnbarkeit, die Wasserdampfdurchlässigkeit und die Wasseraufnahme stark bindemittelabhängig. Außerdem sind die Frischmörteleigenschaften und die Gebrauchseigenschaften durch das eingesetzte Bindemittel vorbestimmt. Hier sind im Wesentlichen die Geschmeidigkeit und Verarbeitbarkeit des Mörtels zu nennen oder die Abriebfestigkeit und die Oberflächenhärte. Auch diese Punkte sind von Bedeutung, weil dadurch Grundeigenschaften für den anschließenden Farbauftrag festgelegt werden.

Wer sich mit Sanierungs- und Restaurierungsarbeiten befasst, muss über das Wissen verfügen, mit welchen Baustoffen die Bauwerke seinerzeit errichtet wurden. Die ältesten, noch erhaltenen Bauwerke wurden mit Kalk als Bindemittel im Mörtel gebaut. Schon bald erkannte man jedoch die geringe Festigkeit der nur an der Luft erhärtenden, klassischen Kalkmörtel und suchte daher nach geeigneten Zuschlagstoffen, welche die Bauwerke fester, beständiger und widerstandsfähiger machten sowie Bauten unter Wasser ermöglichten. Ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde hierfür zunehmend Zement verwendet, der sich kostengünstig herstellen ließ.

 

Ausführung

 

Bevor nach der Analyse, Baustoffauswahl und Baustoffabstimmung die eigentlichen Arbeiten beginnen können, muss das alte Mauerwerk gründlich gereinigt werden, wobei der Handwerker auch eventuell vorhandenen Bewuchs und lose Mauerwerksteile entfernen sollte. Außerdem müssen schadhafte Fugen ausgeräumt werden, und zwar in einer Tiefe, die der doppelten Fugenbreite entspricht. Die entfernten Mauerwerksteile werden dann durch neues Mauerwerk ersetzt, wobei nach Möglichkeit gleichartiges Steinmaterial zum Einsatz kommen sollte. Bei den ausgeräumten Fugen werden im ersten Arbeitsgang die größeren Fehlstellen mit Steinbruch ausgezwickelt. Auch hier sollte nach Möglichkeit die gleiche Steinart verwendet werden. In vielen Fällen kann das erforderliche Bruchmaterial aus den entnommenen schadhaften Steinen gewonnen werden.

Für die anschließende Verfugung besteht die Wahl zwischen einer manuellen und einer maschinellen Ausführung. Bei der manuellen Verfugung wird der Mörtel mit einem Fugeisen eingebracht. Die Steinflanken müssen dem Saugverhalten des jeweiligen Mauerwerks entsprechend vorgenässt werden. Die maschinelle Variante basiert auf dem Trockenspritzverfahren: Der Mörtel wird hierbei ganzflächig aufgespritzt, wobei die Fugen komplett verfüllt werden und die Mauersteine einen dünnen Mörtelüberzug erhalten. Dieser Überzug wird anschließend durch Abstrahlen wieder abgetragen. Beim Abstrahlen muss allerdings unbedingt der Abbindeprozess des Mörtels berücksichtigt werden – erforderlich ist Strahlgut mit einem Härtegrad, der die Reinigung erlaubt, ohne dabei das Steinmaterial zu beschädigen.

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