Holzrahmenbau schafft Platz für Kultur

Das Kulturquartier in Münster bietet neue Räume für Kulturschaffende. Das erste Gebäude auf dem Gelände ist ein Holzrahmenbau, die Holzelemente für das Haus fertigte die FH Finnholz in ihrem Werk in Lienen. Das Haus errichteten die Bauherren in Eigenleistung mit einem Zimmerer an ihrer Seite.

Räume für Kulturschaffende sind in Münster knapp. Aus diesem Grund hat sich eine Gruppe zusammengeschlossen, um neue Räume für Künstler in der Stadt zu schaffen: Die Kulturquartier GmbH, eine Gruppe aus acht Gesellschaftern, darunter Musiker, Möbeldesigner, Unternehmensbegleiter und Grafikdesigner. In einem Gewerbegebiet an der Rudolf-Diesel-Straße in Münster planen sie den Bau von zwei Gebäuden, das erste wird in diesem Jahr fertig. Dabei kommen die Bauherren ohne öffentliche Fördergelder aus, der Bau wird allein durch private Spenden finanziert. Das erste Gebäude auf dem Gelände ist ein S-förmiger Holzrahmenbau mit flach geneigtem Pultdach. Künstler und Kulturschaffende können in dem Haus ab sofort Räume mieten.

 

Ein Zimmermann und viele Selbstbauer

Die Werk- und Montageplanung des Hauses und den Abbund der Holzkonstruktion erledigte die FH Finnholz aus Lienen. Der Schwerpunkt des Betriebs liegt auf dem Bau von Holzhallen und Holzrahmenbauten mit „Kerto“-Furnierschichtholz und Brettsperrholz von Metsä Wood. Die Holzrahmenbauteile für das Kulturquartier lieferte die Firma mit einer detaillierten Montageanleitung auf die Baustelle. Ein erfahrener Zimmermann stand den Bauherrn der Kulturquartier GmbH 32 Stunden lang zur Seite. Die restliche Zeit bauten die Bauherren das Gebäude in Eigenleistung.

 

Unebenheiten des Betons ausgeglichen

Das Haus steht auf Streifenfundamenten. Auf den Betonstreifen sind Holzleisten mit „Multi-Monti“-Schrauben montiert. Zwischen Fundamenten und Holzleisten stecken 15 mm dicke, witterungsbeständige Plättchen aus zementgebundenen Spanplatten. Sie dienen dazu, die Unebenheiten des Betons auszugleichen. Die Hohlräume zwischen Leisten und Beton verfüllten die Bauherren mit Mörtel, um eine vollflächige Lastabtragung in die Fundamente zu gewährleisten. Dann wurden per Kran die Bodenelemente aus Holz auf die Leisten gelegt. Für den Fußboden kamen 245 m² Bodenelemente aus Holz zum Einsatz, so konnte auf eine Betonsohle verzichtet werden. Die Elemente sind als Holzrahmenkonstruktionen mit „Finnjoist“-Trägern gebaut. Von oben sind sie beplankt mit 24 mm dicken OSB-3-Platten. Die Bodenelemente sind mit „Assy Plus“-Zylinderkopf-Vollgewindeschrauben in den Holzleisten verschraubt. Um die Bodenelemente untereinander zu verbinden, nagelte man an den Stoßstellen seitlich Rispenbänder an. Als abschließenden Boden verlegte man massive Eichenholzdielen auf den Bodenelementen.

 

Wände über Beplankung befestigt

Auf den Bodenelementen montierten die Handwerker Richtschwellen und verankerten sie mit 500 mm langen Gewindestangen in den Streifenfundamenten. Die Holzrahmenbauwände setzte man anschließend auf die Montageschwellen. Werkseitig waren die Holzrahmenwände bereits von außen mit diffusionsoffenen, feuchtebeständigen Holzfaserplattten (Egger „DHF“) beplankt, bei denen auf eine gute Sichtqualität geachtet wurde. Die Wände befestigte man durch die Beplankung mit Q44-Klammern an den Bodenschwellen. Die Außenwände sind von innen mit Fichtesperrholzplatten beplankt und mit Zellulosedämmstoff gefüllt.

 

Wie Doppel-T-Stahlträger, nur aus Holz

Das Pultdach des Holzrahmenbaus hat durch die geschwungene Form viele Grat- und Kehllinien. Sowohl das Dach als auch die Wände und Böden bestehen aus Holzrahmenelementen. Während in den Wänden KVH-Ständer als Stützen eingebaut sind, werden Decken und Böden von „Finnjoist“ -Trägern („FJI“) getragen. Die „FJI“-Träger sind aufgebaut wie Doppel-T-Stahlträger, bestehen aber aus Holz: Die Ober- und Untergurte der Träger bestehen aus „Kerto“-Furnierschichtholz, der Steg dazwischen aus einer OSB-Platte.

Die Träger des Daches werden nach außen durch die Verwendung von KVH-Sparren auf 14 cm „verjüngt‟. Dadurch entsteht ein umlaufender, 80 cm breiter Dachüberstand. Gedämmt sind die Hohlräume der Dachelemente mit einer Zelluloseeinblasdämmung. Die Dämmung wurde mit einer Großballen-Einblasmaschine von Isofloc im Werk eingefüllt. Der Dämmstoff passt sich dabei genau an die Konturen der Träger und der Grat- und Kehlschmiegen an. Lediglich die Elementstöße wurden mit Mineralwolle gedämmt.

 

Elementlieferung in kurzen Abständen

Der Rohbau des Gebäudes dauerte nur 30 Tage: Davon waren 21 Tage   Vorfertigung im Werk, neun Tage dauerte das Aufrichten vor Ort. In der Holzrahmenproduktion der FH Finnholz in Lienen wurden die einzelnen Elemente mit einer maximalen Elementgröße von 3 x 12 m hergestellt und per Tieflader zur Baustelle nach Münster transportiert. Insgesamt 10 Lkw-Ladungen mit Dach- und Bodenelementen waren dafür nötig. Seitens der Bauherren wurde die Elementlieferung in kurzen Abständen gefordert. So sollten die bereits aufgestellten Boden- und Wandelemente durch die schnelle Abdeckung mit den Deckenelementen geschützt werden.

 

Brand- und Schallschutzanforderungen

Das Gebäude mit der Brandschutzklassifizierung F30 (feuerhemmend) hat vier brandschutztechnische Einheiten: Den Veranstaltungsbereich, Bewegungsraum, Werkstätten- und Unterrichtsräume und ein Büro. Nur die Außenwand, die an das noch zu errichtende zweite Quartiergebäude angrenzen wird, ist eine F90-Brandschutzwand. Diese Holzrahmenwand ist daher auf der Innenseite mit mehreren Lagen Gipsfaserplatten beplankt.

 

Schallschutz für den Musikraum

Alle Zwischenwände des Gebäudes beplankten die Zimmerer im Werk mit Gipsfaserplatten. Die Bodenelemente im raumübergreifenden Bereich zwischen Musikraum und den angrenzenden Räumen wurden aus schallschutztechnischen Gründen entkoppelt, was die Schallübertragung über die Bodenelemente verhindert. Eine zweischalige Wandausführung nach DIN 4109 gewährleistet die Schallentkopplung der Wandelemente. Die Holzrahmenwände des Musikraums erhielten dafür raumseitig eine zweilagige Beplankung mit Gipsfaserplatten, eine Dämmung aus Steinwolle und eine abschließende Gipsfaserplatte. Die Wände zwischen Musikraum und angrenzenden Räumen sind, aus Gründen des Schallschutzes, durch einen 4 cm dicken Hohlraum getrennt. Der Hohlraum ist ebenfalls mit Steinwolle gedämmt.

 

Douglasie, Weißtanne und Lärche

Über der Fassade ist eine Unterspannbahn verlegt, darüber eine Lattung montiert. Die Fassade soll durch den Einsatz vieler verschiedener Hölzer abwechslungsreich gestaltet werden. Der Hauptanteil

wird aus Lärche bestehen, aber auch Douglasie, Weißtanne und Fichte kommen bei der Fassadenverkleidung zum Einsatz. Das Holz für die Fassade ist zum großen Teil schon fertig lasiert und soll im Februar dieses Jahres montiert werden. Auf dem Dach des Hauses ist ein Gründach geplant, zurzeit ist hier übergangsweise eine Klebebitumenbahn verlegt.

Wenn Sie sich über den aktuellen Stand der Bauarbeiten informieren möchten, besuchen Sie die Website des Kulturquartiers unter www.kulturquartier-muenster.de.

 

Autoren

 

Elena Seliger arbeitet im Marketing und der Öffentlichkeitsarbeit der FH Finnholz Handelsgesellschaft in Lienen. Stephan Thomas ist verantwortlicher Redakteur der Zeitschrift dach+holzbau.

Bautafel (Auswahl)

 

Projekt Bau des Hauses „Gisèle“ in Holzrahmenbauweise mit 220 m² Größe auf dem Kulturquartier-Gelände, Rudolf-Diesel-Straße, Münster

Bauherr Kulturquartier Münster GmbH, www.kulturquartier-muenster.de

Holzbau FH Finnholz Handelsgesellschaft mbH, Lienen, www.fh-finnholz.com

 

Produkte (Auswahl)

 

Dachträger „Finnjoist“ („FJI“)-Träger, Metsä Wood, www.metsawood.com/de

Gipsfaserplatten Fermacell GmbH, Duisburg, www.fermacell.de

Steinwolldämmung Deutsche Rockwool GmbH & Co. KG, Gladbeck, www.rockwool.com

Zellulosedämmstoff Isocell GmbH, Neumarkt am Wallersee, www.isocell.com

Holzfaserplatten „DHF“, Egger Holzwerkstoffe, Brilon, www.egger.com

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