Liebe Leserinnen, liebe Leser,

Fachwerk ist hierzulande eine der ältesten Bauarten überhaupt – und eine Handwerkskunst noch dazu, die gestalterisch regional ganz eigene Formen gefunden hat. Während für den Norden Deutschlands die mit Ziegeln ausgefachte und mit Reet gedeckte Kate typisch ist, deren Sanierung wir ab Seite 16 in dieser Ausgabe der bauhandwerk unter die Lupe nehmen, so sind es in mitteldeutschen Städten die mit Schnitzereien verzierten und zum Teil bunt bemalten Fachwerke, die weiße Putzfassaden rastern. So sieht es in Hannoversch Münden aus, der Stadt, in der in diesem Jahr die zweite Fachwerktriennale eröffnet wurde (Seite 5). Manfred Gerner, selbst Zimmermann, Architekt, Denkmalpfleger und Vorstand der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Fachwerkstädte, sagte dort Mitte April, dass die Probleme der rund 130 Städte, die der Arbeitsgemeinschaft angehören, im Vergleich zu vor drei Jahren, nicht kleiner geworden seien. Im Gegenteil: Der Nachholbedarf sei bei technischen und energetischen Anforderungen und angemessenen Reaktionen auf den demografischen Wandel nach wie vor sogar sehr groß. So macht es Sinn, dass sich 24 deutsche Fachwerkstädte – von A wie Alsfeld bis W wie Wolfhagen – dieser Themen im Laufe des Jahres annehmen. Auch wir tun es in dieser Ausgabe der bauhandwerk. Zum Beispiel mit der räumlichen Umsetzung (Translozierung) eines Fachwerkhauses in Rietberg ab Seite 6 und ab Seite 36 mit der Innendämmung des so genannten Schlössels in Weinsberg, die messtechnisch unter Beobachtung des Instituts für Bauklimatik der TU Dresden steht. Auch die Möglichkeit der Temperierung einer Fachwerkkonstruktion mit einer Wandflächenheizung wollen wir Ihnen nicht vorenthalten. Wie ab Seite 64 in diesem Heft zu sehen, betteten die Handwerker die Heizungsrohre bei der Sanierung der Domkurie in Havelberg auf der Innenseite der Fachwerkaußenwände in eine dicke Schicht Lehmputz ein. Überhaupt ist Lehm ein Baustoff, der nicht nur traditionell ausgesprochen gut zum Fachwerk passt, wie die energetische Sanierung eines der wenigen Fachwerkhäuser Hannovers ab Seite 40 zeigt: „Das kapillare Feuchtetransportvermögen von Lehmmörtel wirkt mit seiner sehr geringen Ausgleichsfeuchte konservierend auf die umschlossenen Hölzer“, erläutert Georgios Schade, Geschäftsführer der SMB Baugestaltungs-GmbH aus Seelze, deren Mitarbeiter in Hannover mit Lehm Mineraldämmplatten auf die Innenseite der Fachwerkaußenwände klebten.

 

Viel Erfolg bei der Arbeit wünscht

Der Nachholbedarf ist bei technischen und energetischen Anforderungen in deutschen Fachwerkstädten nach wie vor sehr groß

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