Liebe Leserinnen, liebe Leser,

ein paar Jahre habe ich in einem umgebauten Gefängnis gewohnt – in einem alten, mitten in der Stadt. Da man das Gebäude 1830 in Landau erbaut hatte, stand es unter Denkmalschutz. Gewöhnungsbedürftig waren die Gitterstäbe vor den Fenstern, denn die gehören als typisches Merkmal zu einem Gefängnis nun einmal dazu. Mit ganz anderen Zeugnissen der Vergangenheit haben Eigentümer und Bewohner von Baudenkmalen sonst zu tun: Stuck an den Decken und Malereien an den Wänden, Kastenfenster und gestemmte Rahmentüren, knarzende Dielen oder Parkett. Die Zumutungen des Denkmals sind meist willkommen, ja sogar gewünscht. Sie erinnern den Bewohner auf Schritt und Tritt an vergangene Zeiten. In echten Baudenkmalen, also solchen, in denen auch die Raumschale unter Schutz gestellt ist, muss man sich nun einmal arrangieren.

In Berlin kann man als Gast in einem ganz besonderen Baudenkmal wohnen: Katrin Lesser und Ben Buschfeld haben ein Reihenendhaus des Architekten Bruno Taut (1880-1938) in der Hufeisensiedlung zusammen mit engagierten Handwerkern mit einer schier unglaublichen Liebe zum Detail denkmalgerecht restauriert. Alles stimmt bis ins Kleinste. Was die Denkmalpflege im Reihenendhaus der 2008 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärten Hufeisensiedlung besonders freuen dürfte, sind die Befundfenster an fast sämtlichen Bauteiloberflächen, in denen der Berlinbesucher die Geschichte der Farbaufträge verfolgen kann, denn das Reihenendhaus kann man seit Mai dieses Jahres als Ferienhaus mieten (www.tautes-heim.de). Und erfreuen kann man sich auch – wie in den meisten Baudenkmalen – an den in alten Handwerkstechniken ausgeführten Oberflächen. Für die Wiederherstellung des Steinholzbodens beispielsweise reiste eigens ein gestandener Handwerksmeister aus Ulm an. Handwerkskunst – die durchaus verloren gehen kann, wenn sie nicht weitergeben und praktiziert wird – lässt sich eben am besten in einem Baudenkmal zeigen.


Viel Erfolg bei der Arbeit wünscht






PS: Ein Hinweis in eigener Sache. Ende November/Anfang Dezember findet das bauhandwerk Fachforum „Energetische Sanierung“ statt. Von den Themen der Fachvorträge haben wir drei in dieser Ausgabe der bauhandwerk mit Beiträgen angerissen und mit dem Hinweis „Fachforum“ versehen. Wenn Sie mehr über diese Themen erfahren und weitere Vorträge hören möchten, so melden Sie sich bitte einfach im Internet an unter
www.bauverlag.de/fachforum

Alte Handwerkskunst kann durchaus verloren gehen,
wenn sie nicht weitergegeben und praktiziert wird