Ortswechsel in Dachau

Außen stemmen graue Kanthölzer vor raumhoch verglasten Fassaden ein Flachdach aus Beton empor, innen wurde widerstandfähig mit Gipsfaserplatten und zementgebundenen Bauplatten ausgebaut. So erwartet das Ende April vergangenen Jahres eröffnete Besucherzentrum der KZ-Gedenkstätte Dachau seine Besucher.

Dachau gilt, wie die Namen vieler anderer Konzen-
trationslager, als Synonym für die dunkelsten Teile der deutschen Geschichte. Heute befindet sich auf dem Gelände in Dachau eine Gedenkstätte, die von Menschen aus aller Welt besucht wird. Das hohe Besucheraufkommen und die Notwendigkeit, Informationen zeitgemäß zu präsentieren, waren Anlässe für eine Neukonzeption der Gedenkstätte. Mit einem neuen Besucherzentrum nach Plänen des Architekten Florian Nagler reagiert man auf diese Anforderungen.

Das neue Besucherzentrum setzt sich architektonisch von den vorhandenen historischen Bauten ab. Ziel war, einen Funktionsbau zu schaffen, der sich gestalterisch zurücknimmt und dennoch den speziellen Anforderungen des Besucherverkehrs der Gedenkstätte gerecht wird. „Kein Haus“, so die Erläuterungen des Münchener Architekturbüros Florian Nagler Architekten, das nach einer Ausschreibung mit der Rea-
lisierung des Projektes beauftragt wurde, „sondern einen Ort zu bauen, schien uns die richtige Heran-
gehensweise an die schwierige Aufgabe, ein Besu-
chergebäude für die KZ-Gedenkstätte in Dachau zu entwerfen.“

Bewusst verzichteten die Architekten daher darauf, einen Bezug auf die umliegende Bebauung zu nehmen. Mit Stützen aus weißlich grau lasiertem, sägerauhem Kantholz (Robinie), die in unterschiedlichen Neigungen zwischen den beiden 40 x 40 m großen Quadra-
ten der Bodenplatte und der Dachplatte eingestellt sind, fügt sich das Gebäude in seine Umgebung ein. Für die Stützenkonstruktion wurde ein spezieller Kugelkopf entwickelt, der sowohl für vertikale als auch für unterschiedlich geneigte Stützen verwendet werden kann. Er ermöglicht außerdem bei Bedarf das spätere Auswechseln.

Die gesamte Anlage ist durchdrungen von mehreren kleinen Innenhöfen, die für eine natürliche Belichtung des mit großflächigen Verglasungen ausgestatteten Gebäudes im Zentrum sorgen. Der matt glänzende Sichtbeton der Decken und Böden innen steht in Bezug zu den silbrig grau schimmernden Holzstützen außen.

Trockener Innenausbau mit Gipsfaserplatten

Der Innenausbau erfolgte in Trockenbauweise. Dabei kam im Bereich der Küchen mit Powerpanel H2O eine zementgebundene und hoch-feuchtigkeitsbeständige Platte zum Einsatz, die Sanitärräume wurden mit konventionellen Gipsfaser-Platten ausgeführt. So konnte der Innenausbau schnell vonstatten gehen und außerdem können später Änderungen im Gebäude leicht ausgeführt werden. Vor allem dort, wo mit grossen Besucherströmen zu rechnen ist, bieten sich Gipsfaserplatten an, denn sie widerstehen den mechanischen, oft stoßweisen Belastungen.

Hinzu kommt, dass die Gipsfaserplatten auf Grund ihrer werkseitigen Imprägnierung auch gut für Räume mit geringfügiger oder mäßiger Feuchtebeanspruchung (0 und A01) geeignet sind. Daher verwendeten die Trockenbauer für die nichttragenden Montagewände der Sanitärräume imprägnierte 12,5 mm dicke Gipsfaserplatten. Die Unterkonstruktion besteht aus einem Ständerwerk aus C-Wandprofilen. Diese montierten die Handwerker im Abstand von 62,5 cm, um sie anschließend mit einer einlagigen Beplankung aus Gipsfaserplatten zu versehen. Der Boden- und Deckenanschluss erfolgte jeweils über das U-Wandprofil. Der Wandhohlraum diente zur Aufnahme von Installationen und wurde mit 60 mm Mineralwolle (Rohdichte 30 kg/m³) gedämmt.

Die Befestigung der Platten erfolgte im Abstand von ≤ 25 cm mit den Schnellbauschrauben 3,9 x 30 mm des Herstellers. Die Fugen wurden als Klebefugen ausgeführt. Fugen sowie Befestigungsmittel wurden abschließend mit Feinspachtel abgespachtelt. Unmittelbar nach der Montage und dem Austrocknen der Spachtelmasse konnte die Oberflächengestaltung erfolgen.

 

Besondere Anforderungen für den Bau von Großküchen

Für den Innenausbau der Großküchen fiel die Wahl auf die zementgebundene Bauplatten Powerpanel H2O von Fermacell, weil sie vor allem widerstandsfähig gegen Wasser sind. Ein weiteres Kriterium war die hohe Stabilität von Konstruktionen aus zementgebundenen Platten.

Im Besucherzentrum in Dachau verwendeten die Trockenbauer raumhohe Plattenformate. Die Montage erfolgte wie bei konventionellen Gipsfaserplatten auf einer Unterkonstruktion aus CW-Ständerprofilen und UW-Anschlussprofilen mit speziell für die zementgebundenen Platten geeigneten Schrauben im Abstand von ≤ 250 mm ohne Vorbohren. Der Achsabstand betrug maximal 62,5 cm.

Die Verarbeitung erfolgte auf Profilen mit Feuchtraum geeignetem Korrosionsschutz nach DIN EN 13964 sowie mit Befestigungsmitteln, die ebenfalls den Anforderungen an den Korrosionsschutz entsprachen. Der Plattenhersteller hat hier spezielle Schrauben mit einer entsprechenden Spezialbeschichtung entwickelt, die sich ohne Vorbohren leicht eindrehen lassen. Der Schraubenkopf lässt sich zudem gut in der Platte versenken.

Die Verbindung der Platten untereinander erfolgte ebenfalls durch die Klebefugentechnik. Sie gewährleistet eine hohe Fugenstabilität und wurde sowohl für vertikale als auch für horizontale Stöße eingesetzt.

 

Oberflächenbearbeitung zementgebundener Bauplatten

Da die zementgebundenen Bauplatten schon werkseitig über eine glatte Oberfläche verfügen, brauchten die Trockenbauer nur die Schraubenköpfe und Stoßfugen verspachteln. Größere Unebenheiten wurden mit einem Kunststoff vergüteten zementären Fein-
spachtel geglättet.

Zur sicheren Abdichtung der Flächen mit Gipsfaserplatten trugen die Handwerker eine spezielle systemkompatible Flüssigfolie vollflächig mit einer kurzflorigen Lammfellrolle in zwei Schichten auf die gesamte Konstruktion auf. Die weichmacher- und lösemittelfreie Kunstharz-Dispersion war für sie einfach zu verarbeiten.

Ecken und Durchdringungen wurden mit dem zum System gehörenden Dichtband geschlossen. Das gewebeverstärkte Spezialelastomerband drückten die Handwerker einfach nach dem ersten Auftrag der Flüssigfolie in den noch feuchten Untergrund und beschichteten es anschließend im zweiten Arbeitsgang. Das Dichtband entspricht den Feuchtigkeitsbeanspruchungen der Klassen I/II/III//V nach ZDB und abP A1, A2, B, C und kann mit allen handelsüblichen Fliesenklebern, lösemittelfreien Beschichtungen und Silikondichtstoffen kombiniert werden. Rohrdurchführungen wurden mit Wanddichtmanschetten wasserfest abgeschlossen. Sie mussten nur über die Rohrenden gestülpt und vollflächig in die erste Schicht der frisch aufgetragenen Flüssigfolie gedrückt werden. Im zweiten Arbeitsgang wurden sie dann komplett mit beschichtet.

Nach dem Austrocknen der Beschichtung (Trocknungszeit etwa zwei Stunden) konnte verfliest werden. Dafür verwendeten die Handwerker den so genannten Fermacell Flexkleber, ein mineralischer, polymervergüteter Fliesenkleber.

Da die Bauplatten über eine glatte Oberfläche verfügen, brauchten die Trocken­bauer nur die Schraubenköpfe und Stoßfugen verspachteln

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