Raus auf die Baustelle Zu Besuch in der Bauhütte Knepper in Dortmund

Der typische Arbeitstag von Maurermeister Wilfried Knepper wird morgens um fünf eingeläutet, denn dann klingelt beim Chef der Bauhütte Knepper GmbH in Dortmund der Wecker. Früh aufstehen und lange arbeiten gehört zum Erfolgsrezept seines seit 17 Jahren gut laufenden Handwerksunternehmens.

Knepper beweist, dass geschäftlicher Erfolg nicht zwingend mit Wachstum in Verbindung stehen muss. 1996 startete er mit vier Mitarbeitern seinen eigenen Betrieb mit Schwerpunkten in der Fachwerkrestaurierung und dem ökologischen Bauen. Daran hat sich nicht allzu viel geändert. Das Arbeitsfeld ist dasselbe geblieben, und die Zahl der Mitarbeiter im Wesentlichen auch, denn sie ist lediglich auf fünf gestiegen. Knepper beschäftigt einen Zimmerer in Teilzeit, zwei Maurergesellen, einen Lehrling und eine Büroangestellte. Mit dieser Besetzung arbeitet der Maurermeister volle Auftragsbücher ab und erwirtschaftet kontinuierliche Umsatzsteigerungen von drei bis vier Prozent pro Jahr.

Klein aber fein

In einem bauhandwerk-Interview vor fünf Jahren hatte Wilfried Knepper schon einmal erklärt, dass er seinen Betrieb lieber in einer handhabbaren, übersichtlichen Größe belasse, anstatt auf Expansion zu setzen. Damals wie heute ist die Begründung dieselbe: Der Chef will sich nicht ausschließlich auf die Schreibtischtätigkeiten von Akquise, Planung und Organisation beschränken. „Wenn der Betrieb zu groß wird, sitze ich am Ende nur noch im Büro; das ist ja jetzt schon eine Schwierigkeit. Zwei- bis dreimal die Woche will ich aber auf der Baustelle arbeiten“, so Knepper 2008. Dieser Arbeitsplan funktioniert auch 2013 noch sehr gut – jedenfalls so lange der Wecker um fünf Uhr früh klingelt.

„Ich will mich gar nicht weiter vergrößern, auch wenn die Auftragslage das durchaus zulassen würde“, bekräftigt Knepper seinen Entschluss. „Am besten ist, wenn ich maximal zwei Baustellen habe, um die ich mich gleichzeitig aktiv kümmern kann, und das immer noch zwei- bis dreimal die Woche.“ Maurermeister Knepper will vor allem eines: Raus auf die Baustelle und bei den interessanten und anspruchsvollen Sanierungsaufgaben, die seine Firma zu bewältigen hat, selbst mit anpacken.

Lieber Handwerk als Schreibtisch

Obwohl er zusätzlich nach wie vor als Gutachter und als Dozent an der Akademie des Handwerks Schloss Raesfeld tätig ist, muss einfach noch Zeit bleiben, sich auf der Baustelle zwischen Holz, Lehm und Steinen die Hände schmutzig zu machen. „Zum einen mache ich die Arbeit mit den traditionellen Werkstoffen an den historischen Gebäuden immer noch sehr gerne, und zum anderen ist es meiner Meinung nach wichtig, vor Ort jeden Arbeitsschritt nachzuvollziehen und zu kontrollieren und damit eine hohe Qualität zu gewährleisten“, erklärt der 52-Jährige. „Meine Arbeit macht mir dort am meisten Spaß, wo ich mit Kreativität und handwerklichen Fertigkeiten Lösungen schaffen kann.“ Es gibt natürlich auch weniger erfreuliche Aufgaben im Arbeitsalltag, und die finden sich, wie erwartet, am Schreibtisch: „Da muss ich mich immer wieder mit zeitaufwendiger und zum Teil auch überflüssiger Bürokratie befassen. Und mit einer wahren Flut von Mails.“

80 Prozent öffentliche Aufträge

Die Bauhütte übernimmt hauptsächlich Fachwerksanierungen im Sinne der Denkmalpflege, mittlerweile in einem Aktionsradius von etwa 70 Kilometern rund um den Dortmunder Firmensitz. Die fachspezifisch sehr qualifizierten und erfahrenen Mitarbeiter führen dabei alle Maurer-, Putz- und Zimmererarbeiten aus. Die Aufträge kommen zu 80 Prozent von öffentlichen Institutionen, Kirchen und Städten. Die restlichen 20 Prozent sind private Auftraggeber, die meist durch Weiterempfehlung auf Knepper aufmerksam werden. Aktives Marketing betreibt die Bauhütte nicht: „Weitestgehend ist unsere Arbeit unsere Werbung“, sagt Wilfried Knepper. „Neue Auftraggeber überzeugen wir mit mehr als 100 Fachwerkhäusern, die wir inzwischen als Referenz vorweisen können. Und durch meine Bestellung als Gutachter haben sich auch neue Geschäftsfelder ergeben. Das hat den Bekanntheitsgrad der Bauhütte erhöht, was wiederum zu neuen Aufträgen und Anfragen führt.“

Stampflehmboden und Fachwerksanierungen

Die Liste de Referenzobjekte wächst stetig, weil auch 2013 kein Mangel an neuen Aufträgen zu beklagen war. Dabei muss es nicht immer ausschließlich ums Fachwerk gehen, wenn die Belegschaft der Bauhütte sich an die Arbeit macht. Für die Deutsche Arbeitsschutzausstellung (DASA) in Dortmund-Dorstfeld brachten die Altbau-Sanierungsspezialisten in diesem Jahr zum Beispiel auf einer Fläche von 120 m² einen nur 4 cm dicken Stampflehmboden auf, der nun den Belastungen des regelmäßigen Ausstellungsbetriebes standhält. Der historische Baustoff wurde auf eine Grundfläche aus OSB-Bodenplatten aufgetragen, die wiederum von einer Stahlunterkonstruktion gehalten wird.

In der Gemeinde Herscheid übernahm die Bauhütte die Fassadensanierung eines 280 Jahre alten, einsturzgefährdeten Fachwerkhauses mitten im Ortskern, in dem heute unter anderem das Standesamt untergebracht ist. „Wir haben die stark beschädigten Hölzer saniert, die Wände mit Lehmziegeln ausgefacht und einen passenden Außenputz aufgetragen. Vorher stimmte eine ganze Menge nicht: Falsche Ausfachungen, falscher Ziegel, falscher Mörtel, falsche Innendämmung ...“

Seit Juni 2013 ist Knepper zudem mit dem Umbau und der Sanierung der ehemaligen Gaststätte Westfalenhof in Dortmund-Mengede beschäftigt. Das große denkmalgeschützte Fachwerkgebäude auf einem Grundriss von 19 x 14 m soll künftig als Wohnhaus genutzt werden. Dafür musste unter anderem eine neue Tondachziegeldeckung gelegt werden, und eine Innendämmung aus Holzweichfaserplatten mit Lehminnenputz steht ebenfalls auf dem Sanierungsplan. Zuvor mussten die Handwerker unter anderem die marode Schwelle und das Ständerwerk bis in eine Höhe von 1,5 m rundum komplett austauschen.

Aufbauen, einlagern, abbauen

Eine der spannendsten aktuellen Aufgaben der Bauhütte Knepper war die Translozierung einer Remise auf dem Gelände der Burg Altena. „Obwohl die Vorgehensweise dieselbe war, stimmt die Bezeichnung Translozierung nicht ganz“, erklärt Knepper. „Wir haben das Gebäude abgebaut, kartiert, einen Schadensbefund erstellt, das Ganze über Winter eingelagert und schließlich exakt an derselben Stelle inklusive Sanierung wieder aufgebaut.“ Die Remise der mittelalterlichen Burganlage musste vorübergehend weichen für einen 90 m tiefen Schachtbau im Fels, der für eine Aufzugverbindung zwischen der hochgelegenen Burganlage und einem ehemaligen Luftschutzbunker unten angelegt wurde, damit Besucher die Burg besser erreichen können. Da das gesamte Ensemble unter Denkmalschutz steht, musste die Remise – obwohl erst in den 1940er Jahren errichtet – wieder originalgetreu an ihrem ursprünglichen Standort aufgebaut werden.

Und in Zukunft?

Große Veränderungen stehen bei der Bauhütte Knepper auch künftig nicht an: „Angesichts der zufriedenstellenden Auftragslage gibt es im Augenblick keinen Anlass für grundlegende Umstrukturierungen“, findet Wilfried Knepper. „Ich bin mit der kleinen Betriebsgröße sehr gut gefahren, besonders weil ich so selbst auf der Baustelle aktiv sein kann. Das ist optimal. Aber auch wenn ich jetzt noch gut mit den Kollegen mithalten kann – mit 65 stehe ich nicht mehr auf der Baustelle. Soviel ist sicher.“

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