Wittelsbacher Wasserspiel wieder dicht

Der Wittelsbacher Brunnen und die dahinter liegende Stadtmauer in Bayreuth, gegenüber dem Weltkulturerbe Markgräfliches Opernhaus, erstrahlen wieder in altem Glanz. Die alters- und witterungsbedingten Schäden des historischen Bauwerks wurden mit Remmers-Produktsystemen restauriert.

Tausende prominenter Gäste aus aller Welt besuchen jährlich die Bayreuther Festspiele, um die Werke Richard Wagners am Originalschauplatz zu erleben. Das Markgräfliche Opernhaus hat kürzlich den Titel Weltkulturerbestätte erhalten. Ein Teil dieses Ensembles ist der gegenüberliegende Wittelsbacher Brunnen am Opernplatz. Alle Naturwerksteinbauteile des etwa 100 m² großen Brunnenbeckens sind aus massiven Muschelkalksteinen, eine vierteilige Figurengruppe im Zentrum der Brunnenanlage enthält die Fontänenvorrichtung.

Das Baudenkmal ist von besonderer städtebaulicher Bedeutung und hat eine lange Geschichte. Schon 1908 beschloss der Stadtrat, aus Anlass der hundertjährigen Zugehörigkeit zum Königreich Bayern, einen „Kunstbrunnen“ zu Ehren des Hauses Wittelsbach zu errichten.

Zudem sollte der Brunnen auch die Fertigstellung der neuen Fichtelgebirgswasser­leitung würdigen. Das liefert den Kunsthistorikern heute eine Erklärung für den Symbolgehalt der Skulpturen. Gestaltet hat das Denkmal der Münchner Bildhauer Friedrich Lommel, das als „Abglanz bayrischen Kunstschaffens” in Bayreuth gewürdigt wurde. Fertig wurde der Brunnen 1914. Für die Einweihung hatte man schon lange vorher den 31. Juli festgelegt, ohne ahnen zu können, dass dies der letzte Friedenstag sein würde. Am 1. August 1914 hielt Kaiser Wilhelm der II. seine berühmte Balkonrede – das war der Beginn des Ersten Weltkrieges. Die Festlichkeit tags zuvor, zur Einweihung des neuen Brunnens, wurde eine glanzvolle Selbstdarstellung der zu Ende gehenden Epoche. Es war eine fröhliche Feier, niemand hatte eine Ahnung von dem nahenden Unheil. Die Bayreuther erfuhren erst aus den Zeitungen von der Verhängung des Kriegszustandes und die Festspiele, die gerade erst begonnen hatten, wurden vorzeitig abgebrochen.

2015 – nach hundert Jahren Standzeit – wurde die historische Brunnenanlage restauriert. Der Auftrag ging an Nüthen Restaurierungen aus Erfurt.

Vorarbeiten

Efeu, Wurzelwerk und Schmutz hatten den Brunnen bereits erobert. Einige bauzeitliche Vierungen waren verloren gegangen und am Balustradenabschnitt aus Betonstein gab es defekte Altergänzungen. Viele Fugen der Anlage waren tief ausgewittert. Eine Vielzahl von Bohrungen, Dübeln und Schrauben verursachten weitere Schäden. Starker Wurzeldruck durch nahe stehende Bäume hatten die Bauteile in einigen Bereichen erheblich verschoben. Einige Treppenstufen waren abgesackt. Die betreffenden Werksteine wurden mit einem Hebekran abgebaut und bauseits gelagert. Der Wiederaufbau erfolgte lotrecht, alle Werksteine wurden neu versetzt und gesichert.

Natursteinrestaurierung

Schmutz, Algen, Flechten und Moose wurden untergrundschonend durch Nassreinigung mit Heißwasser entfernt. Für die bildhauerischen Bauteile verwendeten die Handwerker ein kleines Heißdampfstrahlgerät mit einem Bürstenaufsatz. Starke Verschwärzungen wurden sandgestrahlt. Für das Schließen der Ausbrüche und Fehlstellen im Naturstein sowie die Erneuerung der Altergänzungen verwendeten die Mitarbeiter von Nüthen Restaurierungen „Grundiermörtel“ und „Restauriermörtel“ von Remmers.Durch die Formergänzungen wird ein geregelter Wasserablauf an den Bauteiloberflächen wieder gewährleistet und die gesamte Konstruktion ertüchtigt. Bei Bedarf mussten Armierungen mit V4A- oder GFK-Dübeln eingebracht werden, um eine bessere Stabilität zu erreichen. Die Fehlstellen wurden zunächst mit dem Grundiermörtel aufgebaut und etwa 1,5 cm unter Niveau zurückgekratzt. Danach trugen die Handwerker den mineralischen Restauriermörtel auf und passten ihn in Form, Farbe und Struktur an die umgebende Steinoberfläche an.

Risssanierung

Nach dem Entfernen loser Schalen böschten die Handwerker die Kanten mit einem kiesolgebundenen, mine­ra­lischen Mörtel an. Klaffende Risse wurden mit GFK-Dübeln gesichert  und kraftschlüssig mit „Remmers Injektionsharz 100“ gefüllt und geklebt. Die Abdichtungsarbeiten übernahm die ZG Meisterbetrieb GmbH aus Bamberg. „Die Wetterbedingungen waren jahreszeitbedingt durchaus problematisch. Deshalb haben wir zunächst die Baustelle für die Vorarbeiten wie Grundierung, Abdichtung von Detailanschlüssen und Einbettung von Fugendichtband VF 120 eingehaust“, berichtet Inhaber Christian Zabel.

Danach bauten seine Mitarbeiter die alte vorhandene Folienabdichtung mit der Metallkappleiste ab und reinigten den Boden des Beckens mit dem Heißdampfstrahlverfahren. Schadstellen im vorderen Bereich der Brunnenwand hinter der Folienabdichtung wurden mit einem Trasskalkmörtel ergänzt, Löcher im Beckenboden mit Ortbeton wieder geschlossen. Durch Verwitterungen am Beckenboden musste auf die gesamte Fläche eine Ausgleichsschicht mit Gefälle aus Ortbeton aufgetragen werden.

Abdichtung

Nach dem Anschleifen des Beckenbodens mit einer Bodenschleifmaschine grundierten die Handwerker die Fläche mit „Kiesol“. Das Produkt bewirkt durch Verkieselung und Kieselgelbildung eine hydrophobe Baustoffverfestigung. Dieser Prozess wird bei feuchtem Untergrund eher noch verstärkt – die Kapillarporen des mineralischen Untergrunds werden verengt und wasserabweisend ausgerüstet.

Nächster Arbeitsschritt war das Andichten der Einbauteile aus Edelstahl mit dem „Fugenband VF 120“. Zur Flächenabdichtung und sicheren Einbindung der Einbauteile wie LED-Leuchten und Wasserabläufe nutzten die Handwerker „MB 2K“. Die erste Schicht trugen sie zur Porenfüllung und Glättung der Rauhtiefen als Kratzspachtelung auf. Danach wurde es heikel, da die nachfolgenden Aufträge im Spritzverfahren durchgeführt werden sollten. Dafür musste die Einhausung der Baustelle mit Folie entfernt werden, um am selben Tag die Flächenabdichtung fertigstellen zu können. „Die Wetter-App meldete Regen, und dadurch hatten wir ein Zeitfenster von nur vier Stunden. Aber das reichte aus, alles klappte hervorragend. MB 2K ließ sich in zwei Lagen störungsfrei mit dem Spritzgerät Inobeam M8 verarbeiten und vor Einsetzen des Regens war die Abdichtung bereits trocken und regenfest”, erinnert sich Christian Zabel.

Autor

Jens Engel ist Produktmanager Bauten- und Fassadenschutz bei der Firma Remmers in Löningen.

Baubeteiligte (Auswahl)

Auftraggeber Stadt Bayreuth

Planung ProDenkmal, Bamberg,

www.prodenkmal.de

Ausführung Nüthen Restaurierungen, Erfurt,

www.nuethen.de; ZG Meisterbetrieb, Bamberg,

www.zg-meisterbetrieb.de

Produkte Grundier- und Restauriermörtel, Injektionsharz 100, Kiesol, MB 2K, Remmers Fugenband VF 120, Remmers, Löningen, www.remmers.de