Kärcher reinigt das Hermannsdenkmal bei Detmold

Als man 1875 das Hermannsdenkmal nahe Detmold einweihte, war es die höchste Statue der Welt. Noch heute gilt es als bedeutendes Kulturdenkmal. Daher wird es auch regelmäßig gereinigt – zuletzt im September im Rahmen eines Kultursponsorings durch die Firma Kärcher.

Das Hermannsdenkmal südwestlich von Detmold erinnert an den Cheruskerfürsten Arminius (eingedeutscht: Hermann) und insbesondere an die so genannte Schlacht im Teutoburger Wald im Jahr 9 n. Chr. Die Kolossalstatue wurde zwischen 1838 und 1875 nach Entwürfen des Architekten, Bildhauers und Malers Ernst von Bandel erbaut und 1875 nach längeren Baustopps eingeweiht. Die 26,57 m hohe Figur steht auf einem beinahe gleich hohen Natursteinsockel, der 26,89 m hoch ist. Mit einer Gesamthöhe von annähernd 54 m ist das Hermannsdenkmal bis heute die höchste Statue Deutschlands; zu ihrer Einweihung war sie sogar die höchste der Welt. Erst die 1886 erbaute Freiheitsstatue in New York sollte sie mit 92,99 m deutlich übertreffen.

Ständig unter Aufsicht

Wegen seiner großen kulturhistorischen Bedeutung wurden am Hermannsdenkmal während seines über 140-jährigen Bestehens in regelmäßigen Abständen denkmalpflegerische Arbeiten und Untersuchungen durchgeführt. Zuletzt 1986, als die Festigkeit und Verformungsfähigkeit des Fugenmörtels und der Zustand des Teutoburger-Wald-Sandsteins des Statuensockels im großem Umfang untersucht wurde. Die Denkmalpfleger beurteilten die Bausubstanz damals als gut, so dass sich die Arbeiten zur Erhaltung in den folgenden Jahren auf routinemäßige Begutachtungen beschränkten.

Aktuelle Untersuchung des Sandsteinsockels

Letztes Jahr ist Kärcher auf den Fachbereich Planen + Bauen der Immobilienabteilung des Landesverbands Lippe zugegangen: Kärcher bot an, das Denkmal im Rahmen seines Kultursponsorings zu reinigen – denn zwischenzeitlich hatten sich verschiedenartige Verschmutzungen auf der Natursteinoberfläche des Sockels abgelagert und ausgebildet.

Bevor jedoch die Arbeiten im September 2016 beginnen konnten, musste eine umfangreiche Oberflächenuntersuchung der Bausubstanz des Sockels durchgeführt werden. Ziel war es, die verschiedenen Verunreinigungen, ihre Beschaffenheit und Zusammensetzung zu identifizieren, um die jeweils bestmögliche und schonendste Reinigungslösung für den Sockel festzulegen. Die Untersuchung zeigte, dass sich über die Jahrzehnte verschiedene Schmutzarten auf dem feinsandigen und -porigen Sandstein abgelagert hatten. Neben stark ausgebildeten Sinterablagerungen, fanden sich auf Flächen, die der Witterung unmittelbar ausgesetzt sind, zusätzlich Algen, Flechten und Moosen. Zudem fand man an einigen Stellen Ablagerungen von Stäuben und Kot.

Trotz dieser Verschmutzungen entspricht die Matrix des Sandsteins an vielen Stellen noch heute mit ihrer hellbräunlichen Farbe dem naturbelassenen, ursprünglichen Zustand. Unterbrochen wird die Färbung nur durch gelbliche, zum Teil hellbraune mineralische Adern. Diese sind, je nach Exposition des Mauerwerkes, stellenweise stark rückgewittert. Besonders auffällig sind großflächige schwarze Verfärbungen des Teutoburger-Wald-Sandsteins. Das sind jedoch keine Verschmutzungen im eigentlichen Sinne, sondern das Ergebnis chemischer Verwitterungsprozesse der Mineralien Goethit, Hämatit und Pyrit mit dem Luftsauerstoff an der Gesteinsoberfläche.

Vor allem dort, wo das Regenwasser abfließt, fand man zudem Kalkablagerungen. Sie haben ihren Ursprung in den Fugenbereichen zwischen dem Sandstein und rühren von Lösungsprozessen im kalkhalti­gen Mörtel her. Letztlich wurden auch im Bodenbereich des Rundgangs im Untergeschoss des Sockels Spuren von Vandalismus in Form von verschütteter Farbe festgestellt. Eine Analyse der Farbzusammensetzung erbrachte, dass es sich um Dispersionsfarbe handelt.

Reinigung mit 145 °C heißem Dampf

Auf Basis dieses ersten Befundes legte man noch im Oktober 2015 Musterflächen an, um die geeignetsten Reinigungsarten zu testen. Die beste und schonendste Methode zur Abnahme des Bewuchses, der Stäube und des Vogelkotes konnte mit dem Heißwasser-Hochdruckreiniger HDS 13/20 in der Dampfstufe bei halbierter Wasserleistung (etwa 650 l/h) erzielt werden. Zum Einsatz kam eine oberflächenschonende Dampfdüse, die bei einem Abstand zum Sandstein von etwa 10 bis 20 cm ungefähr 0,5 bar Oberflächendruck produziert. Die Dampftemperatur wurde bei 145 °C eingeregelt. Die hohe Temperatur stellt sicher, dass einerseits nach der Reinigung verbliebene biogene Restpartikel und Sporen auch in den Poren des Gesteins abgetötet werden und eine Wiederansiedlung mittelfristig verhindert wird. Andererseits kann so auch auf den Einsatz von Reinigungschemie verzichtet werden.

Test-Reinigung mit dem Niederdruck-Partikelstrahlverfahren

Um zu testen, ob sich die schwarzen Verfärbungen des Sandsteins entfernen lassen, wurden Versuche mit dem so genannten Niederdruck-Partikelstrahlverfahren unter Verwendung der Kärcher GS Strahlpistole durchgeführt. Hierzu legte man drei Musterflächen angelegt. Musterfläche 1 wurde mit ein bis zwei Strahlgängen, Musterfläche 2 mit drei bis vier, und Musterfläche 3 mit fünf bis sechs Strahlgängen bearbeitet. Als Strahlmittel kam Aluminiumsilikat „Mikrofein“ mit einer Mohs´schen Härte von 6 - 7 und einer Korngröße von 40 bis 80 μm zum Einsatz.

Die Behandlungen an allen drei Musterflächen erbrachte jedoch keine wesentliche Verbesserung des Ist-Zustandes. Der Grund hierfür liegt in der nicht nur oberflächlichen, sondern sehr tief in das Gesteinsgefüge reichenden natürlichen Verwitterung. Es konnte nur eine Aufhellung von Schwarz zu einem Hellgrau erzielt werden. Der Aufhellungsgrad war jedoch, unabhängig von der Intensität des Strahlmitteleinsatzes, auf allen drei Musterflächen nahezu gleich. Bei allen drei Musterflächen blieb, wie gewünscht, die ursprüngliche Oberflächenstruktur („Steinmetzhiebe“) völlig erhalten. Im Gegensatz ließen sich aber mit dem Niederdruck-Partikelstrahlverfahren die Kalkablagerungen unter gleichen Testbedingungen problemlos entfernen.

Entfernung von Farben mit Heißwasser-Hochdruckreiniger getestet

Zur Beseitigung der Farbreste im Rundgang des Unter­geschosses wurden Versuche mit einem Heißwasser-Hochdruckreiniger gefahren. Das beste Reinigungsergebnis konnte mit einer 25 Grad Flach­strahl­düse erzielt werden. Um einen besseren Schwemm­effekt zu erzielen, wurde die Wassermenge auf 1300 l/h eingestellt. Die Wassertemperatur lag bei fast 100 °C. So konnten sich die Farbreste schonender vom Gestein ablösen.

Reinigung im September 2016

Nachdem die Testergebnisse feststanden, fand eine enge Absprache mit dem Landesverband Lippe, der Unteren Denkmalbehörde der Stadt Detmold, der Oberen Denkmalbehörde des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe und Restauratoren statt. Dabei definierte man das gewünschte Reinigungsergebnis und wertete die Testergebnisse der Experten von Kärcher bezüglich der notwendigen Reinigungsmethoden aus. Ende März 2016 wurde schließlich von der Unteren Denkmalbehörde der Stadt Detmold, Kreis Lippe, die Genehmigung zur Reinigung mit dem Heißwasser-Hochdruckreiniger erteilt. Als primäres Ziel wurde die Entfernung von Bewuchs, Stäuben, Kot und Dispersionsfarbe festgelegt. Mit dem Auftrag zur Reinigung des Hermannsdenkmals ist es der Firma Kärcher gelungen, einen wichtigen Beitrag zum Erhalt eines der bedeutendsten deutschen Kulturdenkmäler leisten zu können.

Autor
Thorsten Möwes ist Fachwirt für Reinigungs- und Hygienetechnik. Er ist für das Kultursponsoring und restauratorische Reinigungsprojekte bei der Firma Kärcher in Winnenden zuständig.

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