Fassadensanierung im Südostviertel Essen

Mit einer Fassadendämmung auf Mineralwolle-Basis und zahlreichen weiteren Maßnahmen zur Quartiersaufwertung modernisiert die Allbau GmbH zurzeit das zentral gelegene Südostviertel in Essen. Um den engen Zeitplan einzuhalten, arbeiten dabei mehrere Handwerksbetriebe parallel.

Der Dämmstoff Mineralwolle erlebt zurzeit einen Aufschwung. Immer häufiger werden Wohngebäude mit Mineralwolle statt EPS gedämmt. Dies hat verschiedene Ursachen: Zum einen hat sich der Kostenunterschied zu einem WDVS auf Basis von EPS durch die inzwischen notwendigen Zusatzmaßnahmen beim Einsatz von Polystyrol-Dämmungen deutlich verringert. Gleichzeitig steigt das Bewusstsein für die Wertigkeit der Lösung bei vielen Entscheidern. Mit einem WDVS auf Basis von Mineralwolle gehen sie beim Brandschutz auf Nummer sicher, gewährleisten den Werterhalt ihrer Immobilie und steigern gleichzeitig die Vermietbarkeit. Für Handwerksbetriebe bietet sich somit die Chance auf ein lukratives Geschäft mit den hochwertigen Systemen.

Quartiersaufwertung im großen Stil

Auch bei der Sanierung der SüdOstHöfe in Essen kam ein WDVS auf Basis von Mineralwolle zum Einsatz. Bei den 93 Gebäuden, 595 Mietwohnungen und drei Gewerbeeinheiten handelt es sich um das größte zusammenhängende Quartier der kommunalen Wohnungsbaugesellschaft Allbau. Es liegt im Südostviertel der Ruhrmetropole und weist – an die Autobahn A40 angrenzend – eine enge Bebauung auf. Da die Gebäude, die größtenteils aus den 1950er Jahren stammen, bereits länger nicht mehr dem aktuellen energetischen Standard entsprachen, investierte die Allbau rund 26 Millionen Euro in eine optische und energetische Aufwertung seines Quartiers. Die Arbeiten begannen im Juni 2016 und sollen bis Mitte 2019 abgeschlossen sein.

Energetische Optimierung mit Mineralwoll-WDVS

„Die Allbau GmbH setzt seit etwa zwei Jahren bei
Fassadensanierungen ausschließlich mineralische Dämmlösungen ein“, erläutert Frank Czarnecki, Projektleiter bei der Allbau GmbH. „Im Südostviertel kam das WDVS ,weber.therm A‘ 200 zum Einsatz. Bei einem Wärmeleitwert von 0,35 W/mK bietet es maximalen Brand- und Schallschutz. Letzterer ist insbesondere aufgrund der Lage direkt an der Autobahn ein wichtiger Faktor.“ Das mehrfach ausgezeichnete WDV-System „weber.therm A 200“ besteht aus einer Mineralwoll-Dämmplatte, einem Klebe- und Armierungsmörtel, einem Armierungsgewebe sowie einem hydrophilen, pastösen Oberputz.

Da die Objekte in den SüdOstHöfen von Essen über keinerlei Wärmedämmung verfügten, konnten die Handwerker die 140 mm dicken Mineralwoll-Dämmplatten direkt auf den tragfähigen Altputz aufbringen und verdübeln.

Angesichts des Umfangs des Bauvorhabens erforderte dies dennoch eine enge Abstimmung aller Beteiligten. Um die Bauzeit von drei Jahren nicht zu überschreiten, wurden einzelne Bauabschnitte an verschiedene Handwerksbetriebe vergeben. So war auch bei Verzögerungen sichergestellt, dass die anderen Bauabschnitte nach Plan ausgeführt wurden. Insgesamt bearbeiteten die vier beauftragten Fachbetriebe Fischbach, Lückheide, Schlicht und der Generalunternehmer Heinrich Schmid in fünf Bauabschnitten so eine Fassadenfläche von mehr als 32 000 Quadratmeter.

Biozidfreier Algenschutz

Als Oberflächen-Finish wählte der Bauherr einen Oberputz mit der umweltfreundlichen „AquaBalance-Technologie“. Die vom Baustoffhersteller Saint-Gobain Weber entwickelte Putztechnologie, die sowohl für mineralische als auch pastöse Oberputze verfügbar ist, greift das hydrophile Prinzip mineralischer Putze auf und verstärkt es. Dabei werden stehende Tropfen durch eine Art Löschblatteffekt auf der Fassadenoberfläche gespreizt und somit ihre Verdunstungsfläche erhöht. Gleichzeitig verfügen die Putze über eine ausgeprägte Kapillaraktivität, wodurch das Wasser von der obersten Putzlage gezogen und während der nächsten Trockenphase wieder abgegeben wird. Algen und Pilzen wird auf natürliche Weise das Wasser und damit die Lebensgrundlage entzogen.

In den SüdOstHöfen kam der Silikonharz-Scheibenputz „weber.pas 481 pas AquaBalance“ zum Einsatz. „Die Entscheidung für einen pastösen Oberputz begründet sich vor allem in dem Wunsch, die ursprüngliche Struktur der Fassaden zu bewahren“, erläutert Frank Czarnecki. So wurden die alten Putz-Profile zwar abgebrochen, aber nach Fertigstellung der Dämmmarbeiten in ähnlicher Form wieder angebracht. Dies erforderte glatte Putzoberflächen. Gleichzeitig sah das Farbkonzept teils kräftige Farben vor, die so nur mit organischen Putzen umsetzbar waren.

Farbkonzept schafft Viertelgefühl

„Ziel der Gestaltung war es, den Straßenzügen ein einheitliches, harmonisches Flair zu verleihen und so den Wohlfühlfaktor für die Bewohner zu erhöhen“, sagt Béatrice Engel, Architekt-Colorist und Leiterin des Farbplanungsbüros ColorPlan, die das Konzept für das Quartier entwarf. „Mit unserem Farbkonzept heben wir die bestehende Architektur mit ihren neoklassizistischen Elementen, Profilen und Verzierungen hervor und werten das Viertel optisch auf. Auch die Bewohner zeigten hier bereits im Vorfeld einige begrüßenswerte Initiativen. Liebevoll gepflegte Vorgärten, Pergolas und Lattenzäune mit Weinreben weisen darauf hin, dass die Mieter durchaus sensibel für ihre Umgebung sind.“

Eine Besonderheit an dem „Viertel der 3 Plätze“, wie Béatrice Engel das Quartier bezeichnet, ist der hohe Grünanteil, durch den das Areal im Sommer ein gänzlich anderes Erscheinungsbild aufweist als im Winter. Das Farbkonzept von Béatrice Engel bewegt sich in einem gelblichen bis rötlichen Farbspektrum. Durch Abstufungen der Farbtöne wird die Zusammengehörigkeit der Häuser hervorgehoben. Eckhäuser werden mit gesättigten Tönen betont und setzen somit Akzente. „Die Farbe unterstützt die Lektüre der Architektur und hebt gleichzeitig die zahlreichen Gliederungen und Verzierungen an den Fassaden hervor“, sagt Béatrice Engel. „Somit werden Symmetrien im einzelnen Bau ebenso erkennbar wie theatralische Perspektiven im gesamten Straßenzug.“

Autor

Dipl.-Ing. Georg J. Kolbe ist Leiter des Produktmarketings Putz- und Fassadensysteme bei der Saint-Gobain Weber GmbH in Düsseldorf.

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