CityCube Berlin

Der neue CityCube auf dem Gelände der Messe Berlin besticht durch seine Fassade: Aufgebaut aus einem Beton-Werkstein-Sockel, einer zurückspringenden „Glasfuge“ für das umlaufende Foyer und einem darüber auskragenden Kubus für die obere große Halle.

Anfang 2012 musste die am Südende des Areals der Messe Berlin stehende, baufällige Deutschlandhalle abgerissen werden. Ein zeitgemäßer Ersatz für den stetig steigenden Raumbedarf begann zu wachsen. Der in diesem Zusammenhang entstandene CityCube bildet ein neues Entree im Süden des Messeareals. Der Bauherr Messe Berlin beauftragte mit Entwurf und Realisierung des CityCube das Architekturbüro Code Unique aus Dresden. Besonderes Augenwerk galt der Fassade, für deren Planung Architekt Henrik Wiedemann zuständig war. Die Außenhülle besteht nämlich aus einem Beton-Werkstein-Sockel, einer zurückspringenden „Glasfuge“ für das umlaufende Foyer und einem darüber auskragenden Kubus für die obere große Halle. Von außen ist dieser mit Sandwichpaneelen als thermische Hülle verkleidet, vor die eine textile Membran als zweite Haut gespannt ist. „Das Material ist ein silbrig-weiß-grau glänzendes gewebtes Tuch, das einen homogenisierenden Effekt hat “, so Wiedemann. „Die Herausforderungen bei dieser eigentlich unprätenziösen Fassade lagen im Detail“. So galt es, 6 m breite Lkw-Tore möglichst nahtlos und unauffällig in die Glaskonstruktion der Pfosten-Riegel-Fassade einzufügen sowie im Sockel eine Vielzahl von Sonderelementen aus Werkstein, etwa rund um die Rampen und Treppen, zu koordinieren.

36 000 Abhänger – ein Material

Generalunternehmer für die Ausführung der gesamten Fassade war die Metallbau Windeck GmbH aus Kloster Lehnin. „Der obere Fassadenteil kragt an den Längsseiten 4 m, und an den Stirnseiten 6 beziehungsweise 10 m weit aus“, sagt deren Projektleiter Rainer Thoran. „Diesen Teil zwischen der Sandwichfassade des oberen Gebäudeteils und der Pfosten-Riegel-Fassade unten haben wir mit einer Abhangdecke geschlossen.“ Eine Gesamtfläche von rund 2300 m2 wurde mit den zementgebundenen Bauplatten „Aquapanel Cement Board Outdoor“ verkleidet – die einzige Zementbauplatte, die vom Deutschen Institut für Bautechnik (DIBt) eine allgemeine bauaufsichtliche Zulassung für Unterdecken und Deckenbekleidungen im Außenbereich erhalten hat. Die Anforderungen: Hohe Witterungsbeständigkeit und physische Belastbarkeit, hatte doch der Statiker für die Außendecke um das Fünffache erhöhte Windlasten im Vergleich zu einer Innendecke berechnet. Um diesen Anforderungen zu genügen, mussten Abhänger in einem Raster von 230 mm gesetzt werden. Für die Gesamtfläche bedeutete das: 36 000 Stück. „Bei Abhanghöhen zwischen 1,1 und 1,3 m war das Ergebnis ein sehr imposanter Abhängerwald“, berichtet Thoran. An den Stangen wurden korrosionsgeschützte Grund- und Tragprofile aus Metall verschraubt, an die wiederum – nach Verlegeplan – die Zementbauplatten geschraubt wurden. Eine zusätzliche logistische Herausforderung war die Montagehöhe. Zum Teil befindet sich die Außendecke 10 m über dem Boden. Außerdem gab es für die Außendecke noch weitere Anforderungen: Da sie potenzielle Fluchtwege überdacht, verlangte der Brandschutz den Einbau von mehr als 200 Sprinklern. Auch sollten ebenso viele Auslässe für Beleuchtung berücksichtigt werden. Zusätzlich rundeten 24 Revisionsklappen die nötigen Einbauten ab.

Einfaches Handling: Ritzen und Brechen

Für die Umsetzung der Decke sorgte als Subunternehmer die Firma Ruff Innenausbau. Mit bis zu zehn Monteuren war das Unternehmen vor Ort, um die große Fläche zu bearbeiten. „Nach dem Setzen der Abhänger und dem Befestigen der Grund- und Tragprofile wurde zuerst einmal Dämmmaterial eingebracht“, erzählt Oliver Ruff. Dafür kamen Zwischensparren-Dämmrollen „Unifit TI 135 U“ von Knauf Insulation in einer Dicke von 160 mm zum Einsatz. Anschließend montierten die Trockenbauer die Zementbauplatten mit den zum System gehörenden Maxi Schrauben. Dank des relativ leichten Gewichts lassen sich die Platten gut über Kopf montieren. Auch der Zuschnitt ist problemlos. „Es reicht, mit einem Cutter auf der einen Seite das Gewebe zu ritzen“, erklärt Oliver Ruff, „dann lassen sich die Platten einfach auf die gewünschte Größe ablängen.“ Für die benötigten Sprinkler- und Lichtauslässe und die Revisionsklappen wurden die montierten Platten später – je nach erforderlicher Öffnungsgröße – mit der Stichsäge oder einem passenden Bohraufsatz eingeschnitten.

Danach wurden die Fugen verspachtelt, inklusive eingelegtem Armierungsgewebe und die ganze Fläche mit Klebe- und Armiermörtel vollflächig erneut gespachtelt und geglättet. Die Anschlüsse an die Pfosten-Riegel-Fassade innen und die Sandwich-Fassade an der Außenkante der Decke wurden mit VKP-Quellband abgedichtet.

Anstrich auch ohne Oberputz

Eine Besonderheit dieser Außendecke ist die Möglichkeit, auf einen Oberputz zu verzichten. Denn die Zementbauplatten sind im System mit Klebe- und Armiermörtel und Gewebe auch diffusionsoffen und ermöglichen Konstruktionen, die höchste Wärme- und Schallschutzanforderungen erfüllen. So bewährt sich die Außendecke auch wirtschaftlich, da sie nach dem Spachteln, Glätten und Trocknen des Klebe- und Armiermörtels schon eine hochwertige Oberfläche bildet, die direkt mit einem Farbanstrich versehen werden kann. „Mit Blick auf Bauzeit und Kosten hat sich der Bauherr hierfür entschieden“, sagt Oliver Ruff.

Autor

Siegmar Grabowski ist Fertigungstechniker / technischer Betriebswirt WA und arbeitet in der Anwendungstechnik der Firma Knauf Aquapanel in Dortmund.

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