Echter Fuffziger Moderniserung der Kasseler Bank

Das in den 1950er Jahren in Kassel erbaute Bankgebäude entsprach längst nicht mehr den heutigen Anforderungen an einen zeitgemäßen Kundenservice. Nach Entkernung baute es die Okel GmbH nach Plänen des Büros ERA+MD um und wurde dafür auf der 9. Rigips Trophy ausgezeichnet.

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Die Kasseler Bank eG feierte im vergangenen Jahr ihr 150-jähriges Jubiläum. Pünktlich zu diesem runden Geburtstag wurde das zur Zentrale des Finanzinstituts in der Kasseler Innenstadt erweiterte Bankgebäude umfassend sanierte. Einige Gebäudeteile des in den 1950er Jahren erbaute Hauses waren bereits deutlich „in die Jahre“ gekommen, und so wurde die anstehende Sanierung dazu genutzt, sowohl die Beratungsatmosphäre für die Kunden als auch die Arbeitsumgebung für die Mitarbeiter zu verbessern. Für die erfolgreiche Umsetzung der Modernisierungspläne wurde die für den kompletten Innenausbau verantwortliche Firma Okel aus Diemelstadt mit der bronzenen Trophäe der 9. Rigips Trophy 2013/2014 ausgezeichnet.

Entkernung und Rückbau auf die 1950er Jahre

„Bei dem rund zwei Jahre dauernden Umbau der Hauptstelle der Kasseler Bank hatten wir es mit einem besonders umfangreichen und vor allem detailreichen Projekt zu tun“, erinnert sich Geschäftsführer Burkhard Okel. „Das Innere des fünfgeschossigen Hauses wurde komplett entkernt. Alle Verkabelungen und Rohrleitungen wurden ausgetauscht, Wände eingerissen oder versetzt. Hinzu kam die harmonische Einbindung eines über die volle Gebäudehöhe gehenden neuen Anbaus, der die Büro- und Nutzfläche um gut 1000 m2 auf dann insgesamt rund 7300 m2 erweitern sollte“, so Okel. Für diesen Anbau wurde zunächst ein 1980 errichteter, zweigeschossiger Gebäudeteil an der Nordwest-Seite des Hauptgebäudes demontiert und der Haupteingang an seinen ursprünglichen Platz zurück an die Gebäudevorderseite verlegt. Diese Arbeiten waren Teil des architektonischen Konzeptes, das das unter Denkmalschutz stehende, 1957 errichtete Hauptgebäude mit seiner repräsentativen Fensterteilung und Natursteinfassade wieder als Solitärkörper hervorheben sollte.

Durchgängig hohe Brandschutzqualität in F 90 

„Eine unserer ersten Aufgaben bestand in der brandschutztechnischen Ertüchtigung der neu eingebrachten Stahlstützen und Unterzüge, also auf der Kapselung der Brandlasten. Sie wurden größtenteils zweilagig mit der speziellen Brandschutzplatte ,Glasroc F (Ridurit)’ in F 90-Qualität bekleidet. Bereits hier zeigte sich eine der Herausforderungen, die uns während des gesamten Bauvorhabens begleiten sollten: Für viele Details konnte nicht auf Standardkonstruktionen zurückgegriffen werden. Vielmehr haben wir zahlreiche technische Lösungen für den Einzelfall entwickelt. Da aufgrund der F 90-Ummantelung der Stahlträger keine Durchbrüche für die vielen Lüftungs-, Elektro-, Sanitär- und Heizungsleitungen möglich waren, mussten diese unterhalb der Träger geführt werden. Gleichzeitig konnten wir die Decken aufgrund der relativ geringen Geschosshöhen nicht beliebig tief abhängen. Lüftungskanäle, Kabel- und Installationstrassen mit teilweise sehr komplexen Anschlüssen wurden ebenfalls durch eine Bekleidung mit 15 mm dicken Brandschutzplatten gegen Brandeinwirkung geschützt. Darüber hinaus haben wir noch rund vierzig Schottungen in verschiedenen Ausmaßen im gesamten Bankhaus installiert. Hier war eine intensive Abstimmung mit dem Architektenteam notwendig“, erzählt Burkhard Okel.

Angenehme Raumakustik

Für Kunden ebenso wie für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Kasseler Bank werden die Leistungen des Okel-Ausbau-Teams durch die vielfältigen Gestaltungslösungen sowohl in den Büroräumen und -fluren als auch in der zentralen, glasüberdachten Kundenhalle nicht nur ersichtlich, sondern auch hörbar: Gerade in der stark frequentierten Kundenhalle sah das Innenraumkonzept unterschiedlich ausgebildete Wand- und Deckenflächen zur gezielten Schallabsorption und -reflexion vor. So sorgen rund 2200 m2 „Rigiton“-Akustikdecken (Rundlochung 8/18) und 2200 m2 glatte „Rigips Bauplatten RB“ im ausgewogenen Zusammenspiel dafür, dass der Lärmpegel gesenkt und die Nachhallzeiten reduziert werden. Alle Sichtdecken entstanden mit perfekt ausgeführten Q 3-Oberflächen. Rund 3000 laufende Meter exakt ausgebildeter Schattenfugen umrahmen heute die Decken im gesamten Gebäude.

Vorgefertigte Falt- und Biegeelemente

„Zur spannenden Herausforderung wurde auch die Integration flächenbündiger Ausbauelemente wie Beleuchtungskörper, Lautsprecher, Meldeanlagen und Sensorik. Selbst scheinbar rein funktionale Bauteile wie nicht tragende Trennwände, Unterdeckensysteme, Hohlraumbodensysteme oder Brandschutzbekleidungen haben mehr als die bezeichnete Aufgabe zu erfüllen. Sie stehen stets in Wechselwirkung mit allen anderen raumbildenden Konstruktionen – gestalterisch und technisch“, erläutert Burkhard Okel. Gemeinsam mit dem Architekturbüro ERA+MD empfahl er deshalb zahlreiche Falt- und Biegeelemente, die eine außergewöhnliche Lichtführung und Beleuchtung erlaubten. In vielen Bereichen etwa erhielten die Decken ausgeführte Randfriese und Aufkantungen aus Faltelementen, die in der Werkstatt der Firma Okel in Diemelstadt exakt vorgefertigt wurden und hinter denen die moderne, indirekte LED-Beleuchtung verborgen ist. Durch das Zusammenspiel der künstlichen Beleuchtung mit dem großzügigen natürlichen Lichteinfall durch die Fensterflächen und die große Glasüberdachung der Kundenhalle wird der besondere Stolz von Burkhard Okel sichtbar: die Oberflächen. „Auf der einen Seite waren viele technische Detaillösungen gefragt, auf der anderen Seite mussten alle modernisierten und neu entstandenen Räume dieselbe Wertigkeit ausstrahlen. Unser im Durchschnitt 25-köpfiges Ausbauteam hat hierzu mehr als 6000 m2 verspachtelte Fläche und rund 8 Kilometer verspachtelte Anschlüsse bearbeitet. Und alles in Qualitätsstufe 3, um für die geplanten Endbeschichtungen wie Lackierungen, nicht strukturierte Kreativtechniken oder hochwertige Tapeten optimale Untergründe zu schaffen.“

Unter anderem dieser Liebe zum Detail verdankt die Okel GmbH & Co. KG den Erfolg bei der 9. Rigips Trophy. Ausdruck der Professionalität und der handwerklichen Erfahrung von Okel sei es, dass sich die neue Innengestaltung der Hauptstelle stimmig in die klare, transparente Ästhetik eines Bürogebäudes aus den 1950er-Jahren einfügt, so die Jury.

Autoren

Martin Büsch ist Leiter Kommunikation und Marketing, Karin Melder Projektmanagerin für Messen, Events und Promotion bei der Saint-Gobain Rigips GmbH in Düsseldorf.

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