Neubau einer kleinen Stadtvilla in Berlin mit Holzfaserdämmung

Die Stadtvilla des Büros Dreier Frenzel Architecture + Communication im Berliner Ortsteil Blankenburg erinnert mit ihrer horizontalen Gliederung durch die dünnen Betondeckenscheiben an Bauten der Moderne. Dafür, dass auch die Ziegelwände filigran wirken können, sorgt eine Dämmung mit Holzfaserplatten.

Das L-förmige Gebäude gliedert das schmale rechteckige Grundstück in zwei Zonen: Während sich zum Vorgarten und zur Straße der eingeschossige Flügel mit offener Küche, Wohn- und Essbereich befindet, schiebt sich der zweigeschossige Gebäudeflügel in den baumbestandenen Garten hinein. Hier sind das Elternschlafzimmer im Erdgeschoss sowie zwei Kinderzimmer und das Familienbad im Obergeschoss untergebracht. Über die zum Teil 4 m breiten, geschosshohen Fensteröffnungen stellt die 140 m2 große Wohnfläche einen unmittelbaren Bezug zum parkähnlichen Außenraum her. Gekonnt gesetzte Einschnitte in der Gebäudekubatur bilden zum einen den geschützten Eingangsbereich und zum anderen zwei überdachte Terrassen.

Mit seiner eher flachen, liegenden Proportion – verstärkt durch die zusätzliche Betonung der Horizon-talen durch die Deckenscheiben – erinnert das moderne Wohngebäude an die typischen Bungalows der 1960er Jahre. Der Berliner Bauherr und das Büro Dreier Frenzel Architecture + Communication aus Lausanne entschieden sich bei diesem Neubau für viel Glas und gemauerte Außenwände aus Ziegelsteinen. Mit nur knapp 23 cm Wanddicke wirken die in die Räume hinein- und aus der Fassade herausgeschobenen Wandscheiben an den Stirnseiten äußerst filigran. Eine Gestaltungsvorgabe, die sich mit den heute gängigen zweischaligen Konstruktionen aus Kalksandstein, Dämmung und Verblendmauerwerk nicht realisieren ließe. Stattdessen schichten sich Stein auf Stein ehrlich aufeinander.

Natürliche Materialien

Da bei aller Liebe zu ehrlichem Baumaterial auch die gültigen energetischen Verordnungen eingehalten werden mussten, wurden die Außenwände und Decken mit ebenso ehrli­chen wie natürlichen Materialien von innen gedämmt. Während auf den kalten Betondecken insgesamt 370 m2 flexible „holzFlex standard“ Holz­faserdämmmatten von Homatherm zum Einsatz kamen, sind die massiven Wände mit 230 m2 „ID-Q11 standard“ druckfesten Dämmplatten des gleichen Herstellers gedämmt – eine Wahl, die Architekt und Bauherr insbeson­dere wegen der guten bauklimatischen Eigenschaften der Holz­faserdämmstoffe leicht fiel. Neben Wärmeverlus­ten und Schall­übertrag schützt die natürliche Dämmung dank Phasenverschiebung mehr als zehn Stunden vor Überhitzung der Innenräume. Durch ihre hohe Rohdichte und die hohe spezifische Wärmekapazität besitzen Holzfaserdämmstoffe ein ausgesprochen gutes Speichervermögen, das die Wärme lange im Bauteil hält und nur gebremst nach innen abgibt. Zusammen mit dem Ziegelmauerwerk, das sich durch seine Eigenmasse ähnlich verhält, sorgt der Wandaufbau für angenehm natürlich klimatisierte Räume.

Für die Bauausführung engagierten die Architekten mit der Brunzel Bau GmbH aus Velten einen erfahrenen Spezialisten im Einfamilienhaus- und Objektbau. Obwohl heutzutage nur noch selten kleinteilig mit Klinkersteinen gearbeitet wird, war das Hochziehen der Wände für die Maurer von Bunzel Bau kein Pro­blem. Die Ziegel im dänischen Normalformat von 228 x 108 x 54 mm wurden im klassischen Blockverband verlegt – danach wechseln sich Binder- und Läuferschichten ab, wobei die Läufer gegenüber den Bindern um einen halben Kopf versetzt sind und an den Enden jeweils von Dreiviertel-Steinen ergänzt werden. Nach 35 Schichten je Geschoss waren die Wände erstellt und die Elementdecken aus Stahlbetonfertigteilen und Ortbeton mit Ringanker konnten gefertigt werden.

Kapillaraktive Dämmung mit Holzfaserplatten

Nach Abschluss der Rohbauarbeiten wurden die Wände von innen verputzt und so für das Verkleben der 80 mm dicken Innendämmung vorbereitet. Auf die Wand brachten die Handwerker anschließend eine 12 mm dicke Schicht Klebemörtel auf und klebten die druckfesten Dämmplatten fugenfrei und vollflächig auf die Wand. Dabei mussten sie beachten, dass die vertikalen Fugen jeweils 30 cm versetzt angeordnet werden. Nach der genauen Positionierung befestigten die Handwerker die Platten zusätzlich mit je vier Dämmstoffdübeln. Durch die so garantierte kapillare Anbindung können die Holzfaserdämmstoffe eventuell auftretende Feuchtigkeit aufnehmen und geregelt wieder abgeben. Zudem wird die heute durch die Ener­gie­einsparverordnung geforderte Luftdichtheit erzeugt.

Im letzten Schritt frästen die Monteure von Brunzel Bau die benötigten Installationskanäle in die Dämmplatten ein und arbeiteten einen Grundputz auf. Zusätzlich spachtelten sie im oberen Drittel der Putzschichtdicke ein Armierungsgewebe ein und brachten nach dem trocknen abschließend einen weißen Oberputz auf. Um Wärmebrücken an den Übergängen zur Betondecke zu vermeiden, wurde eine 20 mm dicke Innendämmplatte 300 mm um die Kante geführt.

Autor

Imed Bouslah ist Marketing- und Vertriebsdirektor bei Homatherm in Berg.

Mit nur knapp 23 cm Wanddicke wirken die Wandscheiben an den Stirnseiten äußerst filigran

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