Einkaufsriese, Teil 2: Elliptisch

Eine dank Lichteffekt optisch rotierende Flugzeugturbine, so genannte Himmelsaugen, die gebogenen Projektionsflächen der großen Ellipsen und die Zylinderoberlichter sind eindrucksvolle Zeugnisse der anspruchsvollen Trockenbauarbeiten im Einkaufszentrum LOOP 5 in Weiterstadt.

Architektonisches Ziel war es, beim Bau des LOOP 5 in Weiterstadt den Eindruck eines Himmels zu erwecken, obwohl die Mall durch eine Decke horizontal abgeschlossen ist. Das Sierra Design Department des Betreibers und Investors Sonae Sierra und die deutschen Architekten vom Düsseldorfer Büro HPP Hentrich-Petschnigg & Partner haben deshalb das Motiv des Himmelsauges als wiederkehrendes Element im Mallverlauf gewählt. Dabei wurde nichts dem Zufall überlassen: Form und Farben wurden im Zusammenhang mit Position und Art der Beleuchtung entworfen und vorab in 1:1-Modellen getestet.

 

Augen in den künstlichen Himmel

Die so genannten Himmelsaugen gibt es im LOOP 5 in drei Ausführungen: Von der 5 x 10 m großen Form gibt es vier Stück, die 4 x 8 m Variante kommt dreimal vor und die 6,35 x 5,10 m Version mit umlaufendem Lichtband gibt es gleich zwölfmal. Die Grundform besteht jeweils aus Gipskarton (LaForm), der innere Radius ist mit glasfaserverstärkten LaArt Elementen ausgekleidet. Der Viertelschalenring ist in Auswölbung und Grundriss gebogen, also dreidimensional. Das ist nur mit glasfaserverstärkten Elementen machbar, die in einer Negativform gegossen werden. Die bereits in die Elemente integrierte Unterkonstruktion erleichtert die Montage erheblich: Es reicht aus, die Teile an zwei Noniusabhängern zu befestigen. Aufgrund des glatten, glasfaserverstärkten Materials braucht man nur die Stöße zu verspachteln.

Ellipsen mit Projektionsflächen aus biegsamen Platten

Die Gestaltung der Seitenkorridore orientiert sich thematisch an den Pionieren der Luftfahrt und dem Düsenzeitalter. Die zwei großen Ellipsen fassen den Luftraum unter der Verglasung ein und lenken das Tageslicht gezielt auf kunstvoll gestaltete Terrazzoböden. Sie bilden zugleich die Projektionsfläche für grafische Elemente.

Die identischen Ellipsen sind bemerkenswerte 42 m lang und 11 m breit. Interessant an dieser Konstruktion: Die gebogene Innenwandfläche ist etwa 4,50 m hoch und besteht aus besonders biegsamen LaCurve Platten von Lafarge. Diese flexiblen, nur 6,5 mm dicken Gipsplatten eignen sich insbesondere für gebogene Wand- und Deckenkonstruktionen. Die Ellipsen sind teilweise mit Formteilen bestückt – genauer gesagt mit 38 Formteilen für die integrierte Lichtvoute, weil deren Aufkantung geneigt und dreidimensional ausgebildet ist. Die elliptische Grundform läuft spitz nach oben zu. Auch die spitz zulaufenden Bereiche sind geneigt. Deshalb hat Lafarge Gips hierfür konische Zuschnitte vorgefertigt.

 

Montage einer großen Turbine in Trockenbauweise

Eine der bemerkenswertesten Interpretationen des zentralen Mottos Luftfahrt und ein optisches Highlight gleichermaßen ist die etwa 11,5 m x 17 m große elliptische „Turbine“ über dem Boulevard. Die Lichtdesigner haben dafür ein spezielles LED Beleuchtungskonzept mit ständig wechselnden Farben kreiert. Das Spektrum reicht von blau und orange über rot, braun und violett. Durch das Wechselspiel der Farben scheint sich die Turbine zu drehen.

Dahinter steckt eine Kombination unterschiedlicher Formteile: So besteht die individuell gefertigte kegelförmige Spitze aus einem glasfaserverstärkten LaArt Element. „Bei diesem exponierten Teil war absolute Top-Qualität wichtig“, betont Michael Schlicher, im Lafarge Werk Hartershofen verantwortlich für die Arbeitsvorbereitung. Daran schließen sich strahlenförmig U-Formteile aus Gipskarton an, die der Neigung des Elements entsprechen (die Mitte liegt höher, der Rand tiefer). Zwischen diesen „Strahlen“ befinden sich Beleuchtungskörper, die nacheinander aufleuchten, wodurch die Illusion einer sich drehenden Turbine entsteht. Auch der elliptische Innenkreis besteht aus LaForm Teilen. Er integriert eine Sprinkleranlage und ist ebenso wie die äußere Ellipse mit einer Lichtvoute hinterlegt. Den Abschluss bildet ein elliptischer Außenkreis mit gerundeten Viertelschalen aus LaArt.

Wie bei allen Ellipsen, hat die Lindner AG bei der Montage zunächst ein Metallskelett statisch berechnet und als erweiterte Unterkonstruktion eingezogen, um das Oval auszubilden. „Schwierig war vor allem, die Messpunkte zu ermitteln und das Einmessen selbst. Der große Vorteil von Formteilen ist, dass sie in sich steif sind und sich selbst tragen. Dadurch braucht man die Form nur grob nachzuziehen und muss sie nicht komplett ausbilden. Ohne Vorfertigung wäre ein solches Element unmöglich: Diese Maß- und Oberflächengenauigkeit erreicht man nicht von Hand“, erläutert Klaus Heldmann von der Lindner AG.

 

Zylinderoberlichter als „Tageslichtquelle“

Dieser Mallabschnitt ist mehr als nur ein Brückengang und wurde schon früh von den Architekten als urbaner Boulevard interpretiert. Die Zylinder in der Boulevardmall sind Lichtkuppeln. Sie erwecken den Eindruck, dass dadurch Tageslicht in die Mall gelenkt wird. Tatsächlich entsteht dieser Effekt durch indirekte Beleuchtung, versteckt in zwei umlaufenden Lichtvouten. Im Zentrum dieser Lichtkuppeln fällt zusätzlich Tageslicht in die Mall.

Die 14 identischen Zylinder links und rechts der „Turbine“ haben einen Durchmesser von 5,60 m beziehungsweise 4,55 m. Die Elemente bestehen aus einer elliptischen Außenkontur, einem kreisförmigen Lichtausschnitt und einer konischen inneren Abschottung. Überwiegend kamen LaForm Teile zum Einsatz. Nur der äußere, dreidimensionale Lichtkranz ist aus LaArt. „Hier war passgenaue Fertigung besonders wichtig, weil beide Komponenten miteinander verbunden sind: Die glasfaserverstärkten Elemente integrieren Verbindungsstücke, in die man die Gipskartonteile einschiebt“, beschreibt Simone Steinmetz vom Technischen Service Formteile der Lafarge Gips GmbH. Für die Mitarbeiter der Lindner AG lag die Herausforderung darin, die Zylinder auf die Decke auszurichten: Die dreidimensional geformte Decke und mehrere Lichtvouten in verschiedenen Höhen machten die Montage im Detail anspruchsvoll.

In bauhandwerk 7-8/2010 berichten wir über den luxuriösen Trockenbau der Sanitärräume, die Trockenbaukuppeln und die in Trockenbauweise hergestellten Lichtteller unter der Decke des LOOP 5.

 

Autor


Jörg Kletzien ist Objektkoordinator bei der Lafarge Gips GmbH in Oberursel.

Der große Vorteil von Formteilen ist, dass sie in sich steif sind und sich selbst tragen

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