Erweiterungsbau fürs GFZ in Potsdam

Der Telegrafenberg im Süden von Potsdam ist ein traditionsreicher Standort der Wissenschaft, denn auf ihm wurden seit 1874 mehrere wissenschaftliche Observatorien errichtet. Das Astrophysikalische Observatorium, das Geodätische Institut, das Geodätisch-Astronomische Observatorium, das Magnetische und das Meteorologische Observatorium und der Große Refraktor entstanden allesamt kurz vor der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert nach Plänen des Architekten Paul Spieker. Das bekannteste Gebäude in diesem Ensemble ist sicherlich der Einsteinturm nach Plänen von Erich Mendelsohn.

Seit Beginn der 1990er Jahre entstanden auf dem Telegrafenberg weitere Institute. Das jüngste Projekt ist ein nach Plänen des Potsdamer Architekturbüros Reiner Becker errichteter Erweiterungsbau für das Deutsche Geoforschungszentrum (GFZ). Dieser steht mitten zwischen den klinkerverkleideten historischen Großbauten, passt sich trotz seiner modernen Formensprache jedoch in die landschaftliche und bauliche Situation gut ein. Dies liegt sicher vor allem daran, dass der Neubau gewissermaßen expressionistische Baukunst interpretiert. Wie die Bauten der frühen Zwanziger Jahre gewinnt auch er seine Spannung aus der Gegenüberstellung gegensätzlicher Ma­terialien: Glas, Beton und natürlich Klinker. Das Thema „Tragen und Lasten“ ist durch den weit auskragenden Büroriegel inszeniert. Die farbigen Fensterahmen treten scheinbar hinter die Glasflächen, die dadurch wie ein Band erscheint. Die langen Brüstungsflächen sind mit beige, gelb und rötlich changierenden Klinkern spannungsreich verkleidet.

Die Architekten haben den Bau aus der Lage am Hang entwickelt. Um Raum für die Werkstätten und den Gerätepool zu gewinnen, haben sie einen großen Teil des Gebäudes in den Hang eingebettet. Er reicht unterirdisch fast bis an den Großen Refraktor heran und tritt nur mit einer langen Fensterfront unter der begrünten Bodenwelle in Erscheinung.

Pläne

Hier finden Sie die Pläne (Grundrisse und Ansichten) als PDF.

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Hier finden Sie weitere Fotos und die Pläne.

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