Gemeinsam stark  Teil 2: Warum Verbundgruppen so erfolgreich sind

Was haben hagebau, Eurobaustoff, Intersport, Edeka, ElectronicPartner und Bäko gemeinsam? Zwar in unterschiedlichen Branchen tätig, so operieren sie doch alle als gewerbliche Verbundgruppen. Vor ihrem Zusammenschluss waren es einzelne Unternehmen, die in ihrer jeweiligen Branche regional tätig waren. Im Zuge der großunternehmerischen Expansionen in beinahe allen Wirtschaftszweigen hatten die meisten Unternehmen nur wenige Möglichkeiten, ihre Betriebe vor dem Zugriff der Filialisten und Großunternehmen zu bewahren. Die übrigen haben sich in funktionsfähigen Verbundgruppen-Systemen zusammengeschlossen. Die wirtschaftliche Bedeutung von Verbundgruppen wächst seitdem kontinuierlich. Sie ist für mittelständische Bauhandwerksunternehmen der sicherste Ausweg aus der wirtschaftlichen Sackgasse, um weiter erfolgreich am Markt bestehen zu können.

Was haben hagebau, Eurobaustoff, Intersport, Edeka, ElectronicPartner und die vielen anderen mit dem Bauhandwerk zu tun? Sehr viel – denn gewerbliche Verbundgruppen wurden von Kleinunternehmen gegründet. Sozioökonomisch waren sie zwar mittelständisch geprägt, aber rein volkswirtschaftlich betrachtet, wurden sie als Mikrounternehmen zumeist übergangen. Diese Bezeichnung klang nicht gerade nach einem Kompliment, doch sie entsprach den wirtschaftlichen Gegebenheiten, denen sich die Kleinstunternehmer stellen mussten. Diese hatten die begrenzte Auswahl zwischen einer wirtschaftlichen Sicherung oder einer hinausgezögerten Rückwärtsentwicklung. Letztlich entschieden sich die Überlebenswilligen für Ersteres und schlossen sich zu gewerblichen Verbundgruppen zusammen. Sie bündelten ihre Kräfte und stellten sich gemeinsam stärker auf dem Markt auf. Die Verbundgruppen expandierten, viele auch über die Landesgrenzen hinweg und wurden zu international bekannten Marken.

Gewerbliche Verbundgruppen wurden meist von engagierten mittelständisch geprägten Klein- und Kleinstunternehmern gegründet. Die gefürchteten Großkonzerne waren fortan keine Gefahr mehr, sondern gleichstarke Konkurrenten. Obwohl hagebau, Eurobaustoff, Intersport, Edeka, ElectronicPartner und viele andere jedem ein Begriff sind, wissen die wenigsten, dass sie gewerbliche Verbundgruppen sind und ihren Erfolg im Wesentlichen dieser Organisationsform zu verdanken haben. Gewerbliche Verbundgruppen sind weder mit losen Kooperationen zu verwechseln, noch mit strengen Franchisestrukturen oder gar Filialunternehmen.

 

Wie funktionieren gewerbliche Verbundgruppen?

 

Eine gewerbliche Verbundgruppe gründet sich üblicherweise aus wirtschaftlich gleichstarken Betrieben. Der strukturelle Rahmen wird von einer Systemzentrale gebildet, welche die einzelnen Handwerksbetriebe unterstützt. Sie steht ihnen bei unternehmerischen und betriebswirtschaftlichen Problemen mit Lösungen zur Seite und analysiert gleichzeitig den gesamten bauwirtschaftlichen Markt, funktioniert sozusagen auch als wirtschaftliches Frühwarnsystem. Die Systemzentrale bietet den einzelnen Unternehmen wirtschaftliche Sicherheit und Stabilität. Diese haben in der Verbundgruppe die Möglichkeit, ihre Betriebe zu sichern und zu erweitern. Sie müssen sich nicht mehr alleine mit den unternehmerischen Fragen und Problemen befassen.

 

Chancen fürs Bauhandwerk durch Verbundgruppen

 

Obwohl das Bauhandwerk ein heterogenes Wirtschaftsfeld ist, bietet dieses immense Chancen und Möglichkeiten für ein Verbundgruppen-System. Die aus der Gewerkeaufteilung resultierende Unterschiedlichkeit setzt im Bauhandwerk eine dreistufige Verbundgruppen-Struktur voraus. Das bedeutet, dass in der ersten Ebene die Systemzentrale ein umsetzbares und Nutzen stiftendes Konzept entwickelt hat. In diesem müssen alle Faktoren systemisch berücksichtigt sein, die das komplexe Bauhandwerk erfolgreich machen. In der Systemzentrale werden sowohl Handlungsgrundlagen für moderne und erfolgreiche Unternehmensführung im Handwerk erarbeitet, Schu­lungen für Mitarbeiter der angeschlossenen Unternehmen organisiert, als auch wichtige Unternehmenswerkzeuge wie professionelle IT-Strukturen, Customer-Relationship-Management -Systeme oder moderne Marketingtools (vom Flyer bis zum Kinowerbespot) zur Verfügung gestellt. In der zweiten Ebene gründen regional führende Bauhandwerksunternehmen in ihrer Stadt oder Region Partnergenossen­schaften, in denen das Verbundgruppen-System konsequent umgesetzt wird. In der dritten Ebene werden in diesen Partnergenossenschaften mittelständisch geprägte Hand-werksunter­nehmen und Dienst­leister als Gesellschafter zusammengefasst. Die Partnergenossenschaf­ten werden von kaufmännisch und fachlich qualifi­zierten Geschäftsführern geführt, die von der Systemzentrale unterstützt werden.

Täglich wird irgendwo in Deutschland feierlich eine gängige Handwerkerkooperation gegründet – und nach spätestens fünf Jahren stillschweigend wieder aufgelöst. Im Gegensatz dazu ist ein Verbundgruppen-System durch eine straffe, verbindliche und zielorientierte Vorgehensweise gekennzeichnet. Denn nur ein solcher unternehmerischer Ehrgeiz, der mit disziplinierter Selbstorganisation und überschaubaren Investitionen einhergeht, stellt wirkli­che Aussichten auf Erfolg dar. Das Verbundgruppen-System schafft im weiteren Zeitablauf eine überregionale Organisation bauhandwerklicher Betriebe. Sie vereint deren wirtschaftliche Kraft und festigt die Strukturen. Die Gefahr, von Konzernen und großen Systemanbietern vom Markt verdrängt zu werden oder wegen Dumping-Preisen wirtschaftlich zu stagnieren, werden so deutlich reduziert.

 

ZGV – Zentralverband Gewerblicher Verbundgruppen

 

Der Zentralverband Gewerblicher Verbundgruppen e.V. (ZGV) als größte und effektivste Interessenvertretung mittelständischer Unternehmen, unterstützt mehr als 300 gewerbliche Verbundgruppen. Als Spitzenverband der Deutschen Wirtschaft leistet er hoch effektive, aber bewusst stille Lobbyarbeit in Berlin und Brüssel. Gerade in Zeiten der Finanzkrise und des damit einhergehenden Vertrauensverlustes wird es immer wichtiger, dass die gemeinsamen mittelständischen Interessen professionell un­terstützt werden. Neben hagebau, Eurobaustoff, Intersport, Edeka und ElectronicPartner sind Rewe, Euronics, Vedes, Bäko und viele andere ebenfalls Mitgliedsunternehmen im ZGV.

 

Handwerkerkooperationen sind Auslaufmodelle

 

Die Gründung von Handwer­ker­kooperationen ist zum Scheitern verurteilt – spätestens nach fünf Jahren. Dies bestätigt ein von 2000 bis 2004 durchgeführtes, vom BMBF gefördertes Forschungsprojekt. Leider wird dies regelmäßig ignoriert und weiterhin wird die Gründung dieser zum Scheitern verurteilten Kooperationen im Handwerk be­trieben. Fehlentscheidungen, Perso­nalprobleme, rechtliche Schwierigkeiten, unvollständi­ge Vertragswerke, ungenaue Planungsunterlagen, fehlerhaf­te Kalkulation der Bauvorhaben, Unwille bei der Mängelbe­sei­­tigung, Umsetzungsprobleme auf den Kooperationsbaustellen und damit verbundene Zahlungsausfälle durch Schlech­ter­füllung sind die wesentli­chen Gründe, warum Handwerker­kooperationen nicht funktionieren. In einer systemisch geregelten Verbundgruppe tauchen solche Probleme erst gar nicht auf. Wo klare Regeln herrschen, gibt es die wenigsten Probleme – vor allem in wirtschaftlichen Organisationen.

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