Kleine Lecks mit schweren Folgen

Die Luft- und Winddichtigkeit ist eine entscheidende Größe für eine funktionierende Wärmedämmung. Durch Undichtheiten in der Gebäudehülle – so genannte Leckagen – strömt warme Raumluft unkontrolliert ins Freie und wird durch kalte Außenluft ersetzt. Diese kalte Luft muss durch die Heizungsanlage wieder erwärmt werden.

Eine Studie hat ergeben, dass selbst bei gut gedämmten Häusern der Anteil der Wärmeverluste über Luftundichtheiten und Wärmebrücken bis zu 60 Prozent der Gesamtverluste ausmachen kann. Bauschäden durch Tauwasser, verminderte Schalldämmung, trockene Raumluft bis hin zu kalten Fußböden im Erdgeschoß sind unmittelbare Folgen von Leckagen in der Gebäudehülle.

Wie sehr sich die Dämmwirkung eines Bauteiles bei Undichtheiten verschlechtert, wurde am Institut für Bauphysik in Stuttgart gemessen: Ein (für den Fertigteilhausbereich typischer) Bauteil mit den Ausmaßen von 1 m x 1 m und 14 cm Dicke besitzt im dichten Zustand einen U-Wert von 0,3 W/m2K. Tritt eine durchgehende Fuge von nur 1 mm Stärke auf, so vermindert sich der U-Wert auf 1,44 W/m2K.

 

Klebebänder und Dichtmassen

Die steigenden Anforderungen an immer dichtere Gebäudehüllen im Niedrigenergie- und Passivhausbereich erfordern komplexe Lösungen, wie sie etwa das Unternehmen Isocell in intensiver Zusammenarbeit mit dem verarbeitenden Gewerbe entwickelt. Neue Produkte werden vor der Markteinführung in Labortests und durch Partnerfirmen in der Praxis und im Freilandversuch auf ihre Eignung getestet und bewertet, zum Beispiel Dichtbänder für die Abdichtung im Schwellenbereich oder Manschetten für Rohr- und Kabeldurchdringungen. Bei der Erzeugung von Klebebändern werden Reinacrylat-Klebstoffe ohne Zusätze von Harzen verwendet, die 30 Jahre garantiert alterungsbeständig sind.

Für den Fenster- und Fassadenbau wurden überputz- und überstreichbare Fensterbänder entwickelt, die sowohl im Holz- als auch im Massivbau eingesetzt werden. Die Bänder mit Acryl- und oder Butylklebestreifen, einseitig oder wechselseitig klebend, werden in jeder gewünschten Breite geliefert werden. Das Programm wird durch die patentierten T-Fal Dichtleisten ergänzt, Diese Leisten sind ausgestattet mit einer Dichtlippe, die eine Sonneneinstrahlung auf das Schaumklebeband verhindert, was die geforderte Dauerhaftigkeit garantiert. Ein zusätzliches Abfugen mit Dichtstoff ist nicht mehr notwendig

 

Aufschlussreich: Blower-Door-Messungen

Mit der Blower-Door-Messung steht ein standardisiertes Messmittel zur Verfügung, um die Luftdichtheit eines Gebäudes quantitativ zu erfassen. Es wird dabei ermittelt, wie oft das Luftvolumen des Gebäudes bei einer bestimmten Druckdifferenz zur Außenluft pro Stunde ausgetauscht wird. Um diesen Differenzdruck aufzubauen, wird in eine offene Außentür (Eingangs- oder Balkontür) ein Rahmen eingesetzt, der mit einer Folie bespannt ist. In einer Öffnung der Folie befindet sich ein Ventilator, dessen Drehzahl so geregelt wird, dass sich ein definierter Druck zwischen Außen- und Innenraum einstellt. Um diesen Druck aufrechtzuerhalten, muss der Ventilator einen so hohen Volumenstrom fördern wie Luft durch etwaige Leckstellen des Gebäudes entweicht. Um zu einer aussagekräftigen Kenngröße (n50) der Luftdichtheit zu kommen, wird der gemessene Volumenstrom durch das Volumen des Gebäudes geteilt.

Während die Druckdifferenz aufgebaut ist (Unterdruck im Haus) können Leckstellen in der Gebäudehülle leicht gefunden werden. Schon mit der bloßen Hand lassen sich die Leckstellen ertasten. Es zieht sozusagen aus allen Ritzen. Weitere Hilfsmittel zum Orten der Leckstellen sind Rauchspender, Luftgeschwindigkeitsmesser und die Thermografie. Die aufgebaute Druckdifferenz ist übrigens so klein, dass sie vom Menschen außer durch die Zugerscheinungen nicht fühlbar ist. Sie entspricht dem Druck einer 5 mm hohen Wassersäule.

Die Blower-Door-Messung sollte bei allen Gebäuden durchgeführt werden, da sie wichtige Aufschlüsse über die Bauqualität gibt. In den unterschiedlichen Bauordnungen der Länder ist vorgesehen, dass Häuser mit einer luftundurchlässigen Schicht versehen sein müssen. Das schreibt die Energieeinsparverordnung vor. Für den Grad der Luftdichtheit gelten vorgegebene, verbindliche Grenzwerte, die mit dem Isocell-Komplettsystem sichergestellt werden können.

Luftundichtheiten und Wärmebrücken können bis zu 60 Prozent der Wärmeverluste ausmachen

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