Klinker-Solitär
Neubau des Restaurants "Zauberlehrling" in Hannover

Mit dem Restaurant „Zauberlehrling“ verwirklichte sich der Hannoveraner Gastronom Roderick von Berlepsch einen Traum: Ein Ort, der sich auf Tradition beruft ohne zu historisieren. Der Klinker verweist auf die Vergangenheit des Viertels, die Fenster und Türen passen mit Messingblech und bronzefarbenem Aluminium gut dazu.

Worauf es ihm bei seinem Restaurant ankommt, wusste der Gastronom genau: Gutes Essen und guter Wein in einer Atmosphäre der Gastfreundschaft. Für die Verwirklichung seines Traums entschied sich von Berlepsch für das ortsansässige Architekturbüro Römeth Architekten. Als Standort hatte er ein Eckgrundstück an einer Kreuzung im Hannoveraner Viertel Südstadt ausgewählt. Die Architekten sahen diese Lage für ein Restaurant zunächst kritisch, da der Stadtteil nicht über ausgeprägte urbane Qualitäten verfügt und zudem keine eigenen Parkplätze vorhanden sind.

Klinker und Kupferblech

Im Dialog mit dem Bauherrn entwarfen die Architekten einen sechsgeschossigen Baukörper, der in seiner Grundform vorhandene städtebauliche Linien und Bezüge aufgreift, sich aber mit einer zeitgemäßen Architektursprache klar als Solitär von der Umgebung abhebt. Weithin sichtbar ist das goldfarbene Stehfalz-Kupferdach. „Der wiederkehrende Einsatz von Klinker, Kupferblech und Holz im Innen- und Außenraum rundet das Gestaltungskonzept ab“, erläutert der projektverantwortliche Architekt Jörg Sulies die Materialienwahl. „Der Kontrast zwischen harten, geradlinigen Formen und haptisch-rustikalen Materialien zieht sich als Thema durch das ganze Gebäude.“ Obwohl die Nachbargebäude aus der Nachkriegszeit Putzfassaden haben, waren der Bauherr und die Architekten sich schnell einig, dass der Neubau eine Klinkerfassade erhalten sollte. „Die klassische Backsteinarchitektur ist ein Markenzeichen des Stadtteils. Klinker ist das Material der Hannoveraner Südstadt“, so Andreas Römeth. In der Fassade setzten die Architekten mit dem Kupferblech Akzente; dieses Material wurde ebenfalls für die große Fenstereinfassung in der Nordostfassade sowie den Unterschnitt im Erdgeschoss mit einer Unterdecken-Laibung verwendet.

Schlanke Fenster

Passend zum Material- und Farbkonzept fiel die Wahl auf Holz-Aluminium-Fenster mit einer Deckschale in bronzefarben eloxiertem Aluminium. Die Innenseiten sind in klarlackiertem Eichenholz ausgeführt. „Entscheidend bei den Fensterformaten, die wir uns für die Fassade vorstellten, war, dass wir eine schlanke und schmale Anmutung bei größtmöglicher Glasfläche und besten U-Werten erhalten wollten“, erklärt Andreas Römeth. „Hintereinander angeordnete Rahmen waren die Lösung. Daher entschieden sich die Architekten für Holz-Aluminium-Fenster aus der Serie Slimline der Firma Holzbau Becker & Sohn. Durch schmale Blendrahmen und Integralverbundflügel konnte die gewünschte Optik erzielt werden. Während in der Nordostfassade zur Alten Döhrener Straße Holz-Aluminium-Fenster mit Integralflügel des Typs Slimline Ci-79 eingebaut wurden, kam in der Südwestfassade zur Geibelstraße Slimeline Cv-79 zum Einsatz. Die Besonderheit des Typs Cv-79 liegt in dem zwischen der Isolierglasscheibe und der Verbundscheibe angeordneten Sonnenschutz, der sich elektronisch regeln lässt. Da zudem eine Absturzsicherung bei den bodentiefen Fenstern in den Obergeschossen vorhanden sein musste, erhielten alle Fenster rahmenintegrierte, kaum sichtbare Ganzglasbrüstungen.

Messing und Glas

Die Eingänge vom Restaurant und von den Wohneinheiten in den Obergeschossen wurden auf verschiedenen Gebäudeseiten angeordnet. Beide Eingangstüren mit einer Höhe von 2,96 m lieferte ebenfalls Holzbau Becker & Sohn. Die Außenseiten wurden von einem ortsansässigen Unternehmen mit Messing passend zum Farbton des verwendeten Kupferblechs bezogen. „Der Zauberlehrling“ erstreckt sich mit Restaurant, Raucherklub und Weinkeller über drei Etagen. Im Weinkeller trennten die Architekten den Veranstaltungsraum für Verkostungen von den zwei Kühlkammern durch raumhohe Glasscheiben, so dass der Blick auf das imposante Weinlager erhalten bleibt. Mittelpunkt des Raumes ist eine skulpturale Tafel, gefertigt aus einem Baustamm durch den Boots- und Schiffbaumeister Christoph Barz aus Hamburg. Für das Restaurant im Erdgeschoss fertigte Barz ebenfalls den hölzernen Tresen im Gastraum sowie die Schrankwand aus Robinie für den im ersten Obergeschoss gelegenen Raucherklub. Das Herzstück des „Zauberlehrlings“ ist das Restaurant im Erdgeschoss mit offener Küche und Kamin. In den Sommermonaten verschmilzt der Innenraum über die dreiteilige Hebe-Schiebe-Türanlage Slimline Ci-79.HS von Holzbau Becker & Sohn mit der Terrasse.

Wohnen im „Zauberlehrling“

Im zweiten und dritten Obergeschoss befinden sich Wohneinheiten zur Vermietung. Durch die Entscheidung den Baukörper ab dem ersten Obergeschoss nicht an die Brandwand der Nachbarbebauung in der Alten Döhrener Straße anzulehnen, ist trotz Ecklage eine Belichtung der Geschosse über die zusätzliche Außenwand möglich. Die knapp 270 m² große Maisonettewohnung in den beiden obersten Geschossen bewohnt der Bauherr mit seiner Familie. Eine skulptural anmutende Galerietreppe mit eingeschlitzter Glasbrüstung verbindet die offen gestalteten Geschosse miteinander. Insgesamt geben vier Dachterrassen auf  zwei Geschossen den Blick über Hannovers Dächer frei.

Autorin

Dipl.-Ing. Architektin Katharina Ricklefs ist freie Journalistin in den Fachbereichen Architektur, Design und Bauwesen.

Im Internet finden Sie weitere Fotos des Wohn- und Geschäftshauses „Zauberlehrling“ in Hannover. Geben Sie dazu bitte den Webcode in die Suchleiste ein.

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