Liebe Leserinnen, liebe Leser,

reduce, reuse, recycle – Verringern, Wiederverwenden und Wiederaufbereiten, so lautet das Motto der 13. Architektur-Biennale im Deutschen Pavillon in Venedig. Was dort noch bis Ende November zu sehen ist, hat jedoch wenig mit Abfallwirtschaft zu tun. Es geht um Architektur. Kurator Muck Petzet stellt mit den im Deutschen Pavillon gezeigten Arbeiten direkt die Frage nach dem Umgang mit Ressourcen. Aus fast allem kann man noch etwas machen. Muck Petzet meint jedoch: „Der geringste Eingriff ist manchmal der beste. Und gar keine Veränderung kann die allerbeste sein.“ Das klingt konservativ, also durchaus im Sinne der Denkmalpflege. Die Arbeiten im Deutschen Pavillon zeigen jedoch, wie mutig und durchaus kontrovers man dem Bestand begegnen kann.

Eines dieser Projekte ist die ab Seite 8 in dieser Ausgabe der bauhandwerk vorgestellte Wohnhauserweiterung in Aachen. Björn Martenson vom Büro amunt Architekten ließ die irritierten Handwerker ein Siedlerhaus aus den 1920er Jahren mit einer an dieser Zeit orientierten kostengünstigen Bauweise erweitern – und zeigt dieses auch ganz unverblümt beziehungsweise unverputzt. Die Bauherrin wurde bereits häufiger gefragt, ob das so bleiben solle, oder ob der „Rohbau“ noch verputzt werde. Was so aussieht wie eine unprofessionelle Bastelei hat jedoch Prinzip: Die Naht, die sich am Westgiebel wie ein Schmiss durch die Fassade zieht, entsteht durch die Weiterführung der Ziegelwand mit großformatigeren Leichtbetonsteinen. Dass die Handwerker den Mörtel mit Cola färbten, um wenigstens in den Fugen einen harmonischen Übergang zu schaffen, ist eine Anekdote am Rande.

Mindestens ebenso provokativ ging Daniel Libeskind in Dresden mit einem sogar historischen Gebäude um: Bei der Erweiterung des Militärhistorischen Museums der Bundeswehr setzte er vor die historische Fassade einen stählernen Keil, dessen Spitze auf die im Zweiten Weltkrieg zerstörte Stadt zeigt. Wie ab Seite 16 in diesem Heft zu sehen, erweist sich im Inneren der scharfkantige Trockenbau als Fortführung dieser zerstörerischen Geste und als handwerkliche Spitzenleistung, mit der die Baierl & Demmelhuber Innenausbau GmbH als Sieger aus der Rigips Trophy ‘11 hervorging.

Und auch die Umnutzung einer Kirche ist für so manchen schon eine Provokation, auf jeden Fall jedoch ein Beitrag zum Motto der diesjährigen Architektur-Biennale. Wie ab Seite 52 gezeigt, wurde die St. Franziskuskirche in Nürnberg zu einem kulturellen Treffpunkt. Dass die Handwerker die Kirche im Zuge der Umnutzung ganz im Sinne einer Verringerung des Energieverbrauchs von innen gedämmt haben, versteht sich fast schon von selbst.

 

Viel Erfolg bei der Arbeit wünscht Ihnen

„Der geringste Eingriff ist manchmal der beste. Und gar keine Veränderung kann die allerbeste sein.“

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