Liebe Leserinnen, liebe Leser,

im Umgang mit Baudenkmalen steht hierzulande der Substanzerhalt im Vordergrund. Von so manchem Denkmal-Eigentümer wird dies als Last und Kostentreiber empfunden. Dies führt bei der Denkmalpflege zu einer gewissen Verunsicherung darüber, ob ihr Auftrag von der Gesellschaft überhaupt noch gewünscht ist. Die Denkmalpflege und die damit verbundenen Gesetze sind dazu da, baugeschichtlich bedeutsame Bauten für die Gesellschaft als Zeitdokumente zu erhalten. Doch wenn in der Bevölkerung kein Wissen mehr über den Wert solcher Bauten vorhanden ist, geht der Denkmalpflege der gesellschaftliche Rückhalt verloren.

Schaut man zu unseren europäischen Nachbarn, sieht die Geschichte dort etwas anders aus. In den Niederlanden finden zum Beispiel viele Kirchen und Klöster eine neue Funktion. Um die zum Teil historischen Gebäude an die neue Nutzung anzupassen, werden auch erhebliche Eingriffe in die Substanz akzeptiert. In der niederländischen Stadt Breda eröffnete zum Beispiel 2016 in einem zuvor als Kloster genutzten Ensemble aus drei historischen Häusern aus dem 16. Jahrhundert und einer 1903 erbauten Kirche das Hotel Nassau. Um das von den Nonnen zurückgelassene Labyrinth aus Räumen für ein Luxushotel nutzbar zu machen, waren neben Eingriffen in die Substanz auch Ergänzungsbauten erforderlich, die sich unmittelbar an den Bestand anschließen, davon aber in Material und Form deutlich unterscheiden. Wie es Bauherr, Betreiber, Architekten und Handwerker gemeinsam geschafft haben, auch die hohen Brandschutzanforderungen für das Hotel zu erfüllen, lesen Sie hier.

Aber auch hierzulande ist ein „radikaler Umgang“ mit denkmalgeschützter Bausubstanz nicht unbekannt. So wurde in Nordrhein-Westfalen für zahlreiche Relikte der Industrialisierung seinerzeit im Rahmen der IBA Emscher Park eine neue Nutzung gefunden.

In Stuttgart hatten es Architekten und Handwerker aktuell gleich mit zwei Baudenkmalen in einem Gebäude zu tun: der historischen Hülle des 1834 erbauten Wilhelmspalais und der 1961 darin errichteten, ebenfalls mittlerweile denkmalgeschützten Stadtbücherei. Wie die Handwerker nach Plänen des Büros Lederer Ragnasdóttir Oei Architekten erst die Stadtbücherei zurückbauten und dann darin das im April dieses Jahres eröffnete Stadtmuseum errichteten, lesen Sie hier.

Viel Erfolg bei der Arbeit wünscht

Ist der Auftrag der Denkmalpflege von der Gesellschaft hierzulande überhaupt noch gewünscht?

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