Liebe Leserinnen, liebe Leser,

wussten Sie, das Holz und Dämmbeton sehr ähnliche bauphysikalische Eigenschaften haben was den Wärmedurchgangskoeffizienten und Elastizitätsmodul anbelangt? Sonst wäre der Umbau eines zur Ruine verfallenen Bauernhofs in Arnbruck nach Plänen des Architekten Peter Haimerl so gar nicht möglich gewesen. Mit der von Haimerl ins Leben gerufenen Initiative Haus.Paten Bayerwald legt er auf der einen Seite ein klares Bekenntnis zur Baukultur und zur Rettung historischer Bausubstanz der Region ab. Auf der anderen Seite überschreitet er „die Grenzen konventioneller Architektur auf wunderbare Weise“, wie unsere Autorin Nina Greve in ihrem Beitrag über „Haus Schedlberg“ ab Seite 16 in dieser Ausgabe der bauhandwerk schreibt. Diese Überschreitung materialisiert sich in einem Gesicht aus Beton und Glas, mit dem das Haus den Hügel hinaufblickt, während es auf der gegenüberliegenden Seite anscheinend fast unverändert mit einem schwarz geärgerten Gesicht aus Holz ins Tal hinunterschaut. Schwierig war für die Handwerker hierbei nicht nur das Schalen und Gießen der Balken aus Dämmbeton, die sich mit dem Holz nur wegen der eingangs beschriebenen ähnlichen bauphysikalischen Eigenschaften miteinander vertragen, sondern auch das Einpassen der Fenster dazwischen.

Die Fenster sind es auch, die einem ehemaligen Stall in Tschagguns nach Plänen von Bernhard Breuer zu einem neuen Leben als Wohnhaus verhalfen. Wie ab Seite 28 zu sehen, gehören die neuen Fenster in Dach und Wand in ihrer Größe und Präzision eindeutig der heutigen Zeit an, bewahren aber die handwerkliche Klarheit des historischen Gebäudes.

Radikaler behandelten die Gütersloher Architekten Lisa und Thomas Spooren eine Durchfahrtsscheune in Bielefeld, um Tageslicht in das vormals dunkle Gebäude zu bekommen. Die beiden Scheunentore boten sich mit einer Pfosten-Riegel-Konstruktion verglast für die natürliche Belichtung an. Wie ab Seite 21 beschrieben, kommen noch mehrere schmale vertikale und zwei geschossübergreifende Maueröffnungen hinzu, durch die gemeinsam mit zwei Feldern aus je sechs Dachfenstern reichlich Tageslicht ins Wohnhaus gelangt. Trotz des Umbaus bleibt der Charakter der Scheune erhalten – nur, dass sich heute auch Menschen darin sehr wohl fühlen können. Drei sehr unterschiedliche Beispiele für den Umbau einst landwirtschaftlich genutzter Gebäude zu Wohnhäusern, die Alt und Neu miteinander verbinden.

Viel Erfolg bei der Arbeit wünscht

Durch den Umbau zu Wohnhäusern ist auch landwirtschaftlichen Gebäuden eine Zukunft gewiss

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