Liebe Leserinnen, liebe Leser,

den Gebäudebestand als Ressource anzusehen, ist sicher ein zukunftsorientierter Blick auf das Bauen. Denn Ressourcen werden knapp. Auch am Bau. Selbst Sand wird knapp. Da liegt es nahe, Abbruchmaterial aufzubereiten. In der Regel werden die daraus gewonnenen mineralischen Baustoffe gemahlen und einem neuen Produktionsprozess zugeführt. Nicht selten handelt es sich dabei um ein Downcycling, also eine Verwendung auf einem niedrigeren Qualitätsniveau. Anders sieht dies beim Recycling von Bauholz aus. Die Wiederverwendung von Fachwerkkonstruktionen hat im Zimmererhandwerk eine lange Tradition. Aber auch aus dem Holz alter Scheunen und Stadeln lassen sich zum Beispiel neue Türen herstellen. Ein Beispiel hierfür finden Sie in unserer Produktauswahl auf Seite 54.

Noch besser ist es, das Bauteil als solches zu recyceln. Dies ist der Fall, wenn zum Beispiel alte Türen und Fenster aufgearbeitet und den heutigen Nutzungsanforderungen angepasst im Neubau wieder montiert werden. Oder wenn alte Backsteine gesäubert und von Mörtelresten befreit neu vermauert werden.

Der Königsweg und ein echtes Upcycling findet dann statt, wenn ein bestehendes Gebäude für eine neue Funktion umgebaut werden kann. Dies war zum Beispiel beim Roggkaffol in Tangermünde der Fall. Um das alte Industriegebäude zum Wohnen nutzen zu können, musste es allerdings von innen gedämmt werden, um an einen zeitgemäßen Energiestandard angepasst zu werden. Wie die Handwerker die kapillaraktiven mineralischen Innendämmplatten an die alten Backsteinwände brachten und das Oberflächenfinish im industriellen Betonlook mit „Glasputz“ gestalteten, zeigen wir ab Seite 16 in dieser Ausgabe der bauhandwerk.

Und wenn man schon einmal dabei ist, ein altes Industriegebäude für eine neue Funktion umzunutzen, so kann man dieses natürlich auch als „Sockel“ für einen Neubau ansehen. Dies war bei der Aufstockung eines Kontorhauses in Leipzig der Fall. Wie ab Seite 10 zu sehen, mauerten die Handwerker auf das Flachdach des alten Industriegebäudes ein neues Staffelgeschoss und gestalteten die Fassade mit Kammzugputz. So lässt sich der Bestand alter Industriebauten für neue Funktionen upcyceln.

Viel Erfolg bei der Arbeit wünscht

Ein echtes Upcycling findet dann statt, wenn ein bestehendes Gebäude für eine neue Funktion umgenutzt werden kann
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