Liebe Leserinnen, liebe Leser,

Holz ist nicht gleich Holz. Während sich der Laie an den verschiedenen Farben, Maserungen oder Gerüchen der Holzarten erfreut, weiß der Fachmann den zum Teil recht unterschiedlichen Charakter und die daraus abgeleiteten Verarbeitungseigenschaften zu schätzen. Hölzer, die wie Olive oder Bambus, Eibe, Robinie oder Esche sehr hart sind, erfordern Werkzeuge aus HSS (Hochschnellarbeitsstahl) oder HW (Hartmetall). Weiche Hölzer wie Balsa oder Paulownia sind sehr leicht und verlangen einen ganz anderen Umgang in der Bearbeitung. Vor allem letzteres verspricht für den Innenausbau Potential, da Paulownia im Vergleich zu Balsa deutlich stabiler ist. Das Holz des Blauglockenbaums (Paulownia) bringt derart viele Superlative mit sich, dass wir es als ersten Teil einer Serie über außergewöhnliche Holzarten in der Verarbeitung unbedingt einmal selbst ausprobieren wollten. Wie ab Seite 33 in dieser Ausgabe der bauhandwerk nachzulesen, ist der Blauglockenbaum nicht nur der am schnellsten wachsende Baum der Welt, mit einem Gewicht von nur 200 bis 300 kg/m³ könnte man sein Holz auch als das Aluminium unter den Hölzern bezeichnen. Es ist resistent gegenüber Feuchtigkeit, formstabil, verdreht nicht, neigt nicht zum Quellen und hält das Maß auch im verarbeiteten Zustand. Aber bruchanfällig ist es, wie der Sturz einer Leimholzplatte aus Paulownia von der Werkbank zeigte.

Holz ist jedoch nur schwer in runde Formen zu bringen. Entweder man formt es als dünnes Furnier mit Pressen. Wie ab Seite 40 zu sehen, hat die auf runde Formen spezialisierte Manufaktur Holz in Form Niedermeier für den Eingangsbereich der Brückner Group in Siegsdorf aus über 380 m2 Eichenfurnier eine Hohlkugel mit 2 m Durchmesser gebaut. Oder man greift auf thermisch formbare Polyurethanplatten zurück, die sich anschließend mit einem 3D-Echtholzfurnier beschichten lassen. Dass sich die PU-Platten tatsächlich noch besser als Holz bearbeiten lassen, erfahren Sie ab Seite 36 in diesem Heft.

Holz spielte auch beim Umbau und der Erweiterung einer Hofstelle zur Bücherei in Gundelsheim eine ganz besondere Rolle. Wie ab Seite 10 zu sehen, verwendeten die Tischler mit Fichte furnierte Holzwerkstoffplatten für die Beplankung der zum Teil als Haus im Haus konstruierten Bücherei. Die Klarheit der Innengestaltung war nur mit der astfreien Optik zu erreichen, die das Fichtenfurnier bietet. So zeigt auch diese Bücherei mit einer allseits bekannten Holzart die Vielfalt der Anwendung von Holz.

Viel Erfolg bei der Arbeit wünscht

Der Fachmann weiß den unterschiedlichen Charakter der Hölzer und die daraus abgeleiteten Verarbeitungseigenschaften zu schätzen
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