Nachträgliche Innenabdichtung von Kellerwänden und Böden

Bauwerksabdichtungen im Bestand sollten grundsätzlich von der erdberührten Seite als Außenabdichtung angestrebt werden. Ist das nicht möglich, stellt die mineralische Flächenabdichtung der Kellerwände und Böden von der Raumseite eine langjährig erprobte und praxisbewährte Alternative dar.

Die DIN 18 533 regelt die Abdichtung erdberührter Bauteile gegen die Einwirkungen aus Bodenfeuchte und drückendes Wasser und deren Ausführung auf der wasserzugewandten Seite des Bauteils. Die DIN 18 533 gilt nicht für nachträgliche Abdichtungen in der Bauwerkserhaltung oder in der Baudenkmalpflege. Nachträgliche Bauwerksabdichtungen werden seit Jahrzehnten erfolgreich angewendet. Daher war es für das Bauen im Bestand notwendig, nachträgliche Abdichtungen zu regeln, was mit der Veröffentlichung des WTA Merkblattes 4-6 „Nachträgliches Abdichten erdberührter Bauteile“ 1998 geschah . Ausgehend von der jeweiligen Wassereinwirkung, Nutzung und Beanspruchung werden in diesem Regelwerk unterschiedliche Abdichtungskonzepte auf der erdberührten Kellerwand von der Raumseite ausgeführte Innenabdichtungen oder mit abdichtenden Injektionen aufgezeigt. Es wendet sich an die Planer, an Sachverständige und Ausführungsunternehmen. Ausgehend von den baukonstruktiven Gegebenheiten werden die Varianten beschrieben, um eine optimale Nutzung zu ermöglichen und die geschädigte Bausubstanz zu erhalten. Mit der Einführung des Merkblattes 4-6 wurde die Abdichtungsbauart der Innenabdichtung erstmals in ihrer Anwendung und Ausführung definiert sowie praxisgerecht detaillierte Planungs- und Ausführungshinweise gegeben.

Das WTA-Merkblatt 4-6 wurde im Jahre 2014 überarbeitet. Dünnschichtige Innenabdichtungen aus Mineralischen Dichtungsschlämmen (MDS) oder auch dickschichtig, aus wasserundurchlässigen Werktrockenmörtel (Sperrputz) sind seit dem auf dem Prüfstand. Durch die WTA wurden Prüfungsanforderungen festgelegt, und unabhängige Materialprüfämter können mineralische Innenabdichtungen mit rückseitiger Wasserbelastung auf ihre Funktion prüfen. Nach erfolgreicher Prüfung können Materialhersteller ihre Produkte durch den unabhängigen Prüfungsausschuss der WTA zertifizieren lassen. Seit Einführung der DIN 18 533 im Juli 2017, befindet sich das WTA Merkblatt in der Überarbeitung, um an die normativen Anforderungen angepasst und weiterhin den neuesten technischen Erkenntnissen gerecht zu werden.

Abdichtungsvarianten

Die Konstruktion des Bauteils und die geplante Nutzung entscheiden über die Art und Ausführung der Innenabdichtung im Bestand. Unterschiedliche Varianten können einzeln oder auch in Kombination zur Ausführung kommen. In der Praxis haben sich Verbundabdichtungen mit Mineralischer Dichtungsschlämmen (MDS) oder wasserundurchlässige Werktrockenmörtel als Sperrputzsysteme bewährt. Weitere Hinweise für die Planung, Bemessung, detaillierte Ausführungs-, Kontroll- und Prüfhinweise für Innenabdichtungen sind dem WTA Merkblatt 4-6  und der Fachliteratur zu entnehmen.

Allgemeine Vorarbeiten

Der Untergrund muss zur Schaffung eines dauerhaften Verbundes tragfähig, sauber und staubfrei sein. Putze, Anstriche und Beschichtungen werden mindestens 80 cm über die sichtbare Schadenszone hinaus entfernt. Geschädigte Fugen werden mindestens  2 cm tief ausgekratzt und der Schutt entfernt. Vor dem nächsten Arbeitsschrit muss der Untergrund mattfeucht vorgenässt werden.

Nutzungsart entscheidet über Abdichtungssystem

[basic]-System: Für die Abdichtung von Nutzräumen mit normaler Feuchtelast wie Garagen, Abstellräume, Heizungskeller, hat sich das [basic]-System bewährt. Der mineralische wasserundurchlässige Dichtputz „Remmers WP Top [basic]“ ist faserverstärkt und WTA-zertifiziert und bis zu 2,5 bar negativen Wasserdrücken dicht. Dieses dickschichtige Sperrputzsystem wird in Kombination mit dem kapillaraktiven Dünnschichtoberputz „SP-Top SL [basic]“ eingesetzt. Die nach WTA geforderte Mindesttrockenschichtdicke des Sperrputzes beträgt je nach Wasserbelastung Bodenfeuchte/drückendes Wasser 20 beziehungsweise 30 mm. Zur Feuchtesorption wird als Kondensatpuffer ein dünnschichtige Oberputz aufgetragen, der ebenso die Schutzschicht des Systems darstellt.

classic-System: Die dünnschichtige Innenabdichtung mit sulfatbeständiger mineralischer Dichtungsschlämme, das „Kiesol classic-System“, wurde vor über 40 Jahren entwickelt. Seitdem wurde diese Innenabdichtung 100 000-fach erfolgreich für Kellerräume aller Art sowie hochwertig genutzte Keller und Souterrainwohnungen eingesetzt. Das verfestigende Verkieselungskonzentrat „Kiesol“, als Grundierung eingesetzt, stabilisiert und verdichtet  hydrophobierend die Wandoberfläche. Hierdurch werden die Belastungen in der Kontaktzone zwischen Wand und Dichtungsschlämme reduziert. Die „frisch in frisch“ auf die grundierte Oberfläche aufgebrachte Dichtungsschlämme „WP Sulfatex“ ist hoch salzresistent eingestellt.

Die Abdichtung wird in zwei Lagen mit einer Mindesttrockenschichtdicke von 2 beziehungsweise 3 mm ausgeführt. Nach Fertigstellung der Abdichtungslagen, die geschlämmt, gespachtelt oder gespritzt appliziert werden können, wird die mineralische Schutzschicht aufgebracht. Die dauerhafte Nutzung ehemals nur eingeschränkt nutzbarer erdberührter Räumlichkeiten ist nicht nur von dem gewählten Abdichtungssystem und der sach- und fachgerechten Ausführung, sondern auch von den Schutz-/ Nutzschichten und flankierenden Maßnahmen abhängig.  Hierfür wird eine weitere Schlämmschicht aus „WP Sulfatex“ als Kontaktbrücke aufgetragen und der Spritzbewurf „SP Prep“ „frisch in frisch“ volldeckend eingeworfen. Nach Durchtrocknung dieser Zwischenschicht wird die Schutz- und Nutzschicht aufgebracht. Der weiße Sanierputz „SP Top white“ kann manuell oder mit Maschinentechnik entsprechend der üblichen Putztechnik aufgebracht werden. Der Sanierputz „SP Top white“ ist ein wirksamer Kondensatpuffer, der für alle Feuchtigkeitslevel ausreichend Speicherkapazität zur Verfügung stellt.

flex-System: Für hochwertig genutzte Kellerräume ist das flex-System eine technische Kombination. Sie besteht aus einer 4 mm dicken, radondichten und rissüberbrückenden Schicht der geprüften Dichtungsschlämme „MB 2K“ und dem mit dem blauen Engel ausgezeichneten „Power Protect [eco]-System“, ein ökologisch und ökonomisch nachhaltiges Sanier- und Dämmsystem. Auf die flexible, nach WTA-zertifizierte Innenabdichtung „MB 2K“ werden die  „Power Protect [eco]“ Platten im Floating-Verfahren als Schutz- und Nutzschicht aufgeklebt und überspachtelt. Diese Schutzschicht ist gleichzeitig eine Innendämmung und besteht hauptsächlich aus wärmedämmender, mineralischer Perlite und recycelter Cellulose. Diese Variante ist ein erprobtes System für beheizte Kellerräume aller Art mit hochwertiger Nutzung bei normaler bis hoher Feuchtelast. Die Feuchtesorption erfolgt durch das „Power Protect [eco]-System“. Das flex-System zeichnet sich durch folgende Eigenschaften aus:

druckwasserdicht

rissüberbrückend

wärmedämmend

radondicht

sehr gute Haftung zum Untergrund

WTA-zertifiziert bis 0,75 bar negativen Wasserdruck (entspricht 7,5 m Wassersäule)

Flankierende Maßnahmen

Die Dauerhaftigkeit der Maßnahme wird von der Nutzung und den flankierenden Maßnahmen bestimmt. Der maßgebliche Unterschied einer Innenabdichtung zur nachträglichen Außenabdichtung besteht darin, dass der Wandbildner im Querschnitt feucht bleibt. Die Konstruktion nimmt die Feuchte und Temperatur des umgebenden Erdreichs an, und auf der Bauteiloberfläche findet erhöht Verdunstung statt. Dies führt zu hygrischen und thermischen Veränderungen mit Erhöhung des Durchfeuchtungsgrades bis hin zur Sättigung im Bauteil und zusätzlich zum Verlust der Wärmedämmeigenschaft des Kellerbauteils.  Im oberen Bereich von Innenabdichtung müssen waagerechte Sperrschichten vorhanden sein oder geplant und eingebaut werden, um dem kapillaren Aufsteigen von Feuchtigkeit im Wandbildner entgegenzuwirken. Hierfür haben sich Mauerwerksinjektionen mit WTA zertifizierten Injektionsstoffen bewährt. Schutzschichten sind vorzusehen und können die Anforderungen als Nutzschichten erfüllen. Es liegt in der Natur der Dinge, dass Innenabdichtungen zwecks Funktionalität nicht durch Folgegewerke beschädigt, mechanisch bearbeitet oder durchbohrt werden dürfen. Die Gefahr der Tauwasser- und Schimmelpilzbildung muss durch geeignete Maßnahmen, wie beispielsweise durch eine kontrollierte Lüftung reduziert werden. Nutzungsempfehlungen sollten dem Nutzer übergeben und von diesem beachtet werden.

Autor

Rainer Spirgatis ist Bereichsleiter RTS Remmers Technik Service Geschäftsbereich Bautenschutz bei der Remmers GmbH in Löningen.

Quellen

(1) DIN 18533 in den Teilen 1-3:2017-07, Deutsches Institut für Normung e.V. Berlin

(2) ISBN: 978-3-8167-8971-0, WTA Publications; Tel. +49-89-578 697 27, Fax +49-89-578 697 29, email: wta@wta.de

(3) Fraunhofer IRB Verlag ISBN 978-3-8167-9484-4 Buchreihe Bauen im Bestand: Innenabdichtungen

(4) siehe zuvor

Werksliteratur der Remmers GmbH „Trocken und Dicht mit System, Abdichtung erdberührter Altbauten“

x

Thematisch passende Artikel:

Ausgabe 2015-11

Schnell von innen abdichten

Ist aufgrund von Überbauungen eine Außenabdichtung nicht möglich, muss von innen abgedichtet werden. Remmers empfiehlt für diesen Bereich die 2-in-1-Abdichtung „Sulfatexspachtel schnell“. Das...

mehr
Ausgabe 2015-06

Mehr als eine Sonderlösung

Es ist ein alltägliches Problem: Ein Kunde möchte seinen Keller trockenlegen lassen. Im Keller, genauer gesagt in einem erdberührten Bauteil, zeigen sich Durchfeuchtungen, der Putz blättert...

mehr
Ausgabe 2016-12

5 Komponenten gegen 3 Probleme

Schätzungsweise 60 Prozent der Keller älterer Gebäude haben ein Feuchtigkeitsproblem. Schuld sind meistens fehlende oder marode Abdichtungen. Das Abdichtungssystem von Rajasil besteht aus fünf...

mehr

Neue Richtlinie mineralische Dichtungsschlämmen erschienen

Anlass für die Erarbeitung der Publikation waren die Neustrukturierung und umfangreiche Neufassung der nationalen Normung zur „Abdichtung von Bauwerken“. Die rissüberbrückenden bzw. nicht...

mehr
Ausgabe 2017-04

Neue Normen zur Bauwerksabdichtung

Die Überarbeitung einer so umfangreichen Norm wie der DIN 18?195 ist ein langwieriges Unterfangen. Doch sie war notwendig, denn die Norm stammt aus dem Jahr 2000 und entsprach inhaltlich schon lange...

mehr