Renovierung der „Regierungsvilla“ Stiassni in Brünn

Nur neun Jahre (1929 bis 1938) konnte das Industriellen-Ehepaar Alfred und Hermine Stiassni ihre Villa im tschechischen Brno (ehemals Brünn) nutzen. Dann siedelten die beiden Textilfabrikanten aus Furcht vor den Nazis zunächst nach London und später in die USA um. In der Folgezeit richtete die Gestapo in dem repräsentativen Gebäude ihr „Offizierskasino“ ein, später bot das Haus unter anderem Unterkunft für russische Kosaken. Die Zeit, in der das Haus vom Mitbegründer, späteren Ministerpräsidenten und Staatspräsidenten der Tschechoslowakei, Edvard Beneš, genutzt  wurde, brachte ihm den Beinamen „Regierungsvilla“ ein.

Drei Jahre dauerte die Renovierung der luxuriösen Villa Stiassni. Das 560 m2 Wohnfläche umfassende Gebäude, das zwischen 1927 und 1929 nach Plänen des bekannten tschechischen Architekten Ernst Wiesner (1890 bis 1971) entstand, gilt heute mit seiner pu­ris­tischen Architektur als be­deu­tendes Bauwerk des Funk­tionalismus. Entsprechend auch seine künftige Bestimmung: Es wird als Sitz des tschechischen Zentrums für die Erhaltung der Architekturdenkmäler des 20. Jahrhunderts (COPA) unter anderem für Studien- und Forschungszwecke sowie für öffentliche Führungen genutzt.

Die schlicht gehaltenen Fasssaden der Villa sind ein frühes Bekenntnis Wiesners zur modernen Architektur. Im krassen Widerspruch dazu stand allerdings die ursprüngliche Inneneinrichtung. Marmor und Stuck, Antiquitäten oder auch pseu­dohistorische Möbel entsprachen dem Geschmack der Bewohner und bildeten einen verblüffenden Kontrast zur Außen­ansicht.

Die Besonderheiten der Villa detailgenau wiederherzustellen erwies sich bei der Sanierung als große Herausforderung. Auch Fliesenhersteller Rako sah sich hier vor schwierige Aufgaben gestellt: Alle Bäder waren einschließlich der keramischen Wand- und Bodenbeläge in den 1980er Jahren komplett erneuert worden. Aber man konnte sich noch an Fotografien und Zeichnungen der Eheleute Stiassni orientieren. Darüber hinaus ließen sich – teilweise innerhalb der alten Mörtelschichten des Mauerwerks – noch Bruchstücke der ur­sprüng­lichen Fliesen ent­decken. Sie dienten letztlich als Vorlage für die Farben und Glasur-Zusammenstellungen der nachgebildeten Fliesen und Formteile.

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