Restaurierung der historischen Holzfenster der ehemaligen Feuerwache Recklinghausen

Viele Jahrzehnte war die Feuerwache in Recklinghausen Sinnbild für Sicherheit, dann stand sie lange leer. Jetzt soll nach der Sanierung ein Veranstaltungszentrum aus ihr werden. Das Unternehmen Kramp & Kramp aus Lemgo hat die Fenster restauriert.

„Der aktuelle Bestand zu Beginn der Sanierung war für uns eine typische Situation“, sagt Guido Kramp, der zusammen mit seinem Bruder Andreas den Restaurierungsbetrieb Kramp & Kramp in Lemgo leitet: „Unterschiedliche Gläser, dicke Lackschichten auf dem Holz, einige Fenster waren mal ersetzt worden und die Originale natürlich längst entsorgt“, erzählt Guido Kramp. Dennoch seien die Bestandsfenster trotz des langen Leerstands in einem vergleichsweise guten Zustand gewesen. Ein Umstand, den der Restaurator in erster Linie auf die Verwendung des sehr robusten Pitchpineholzes zurückführt. Seine erste Bestandsaufnahme: Die Fenster auf der Hauptwetterseite hatten naturgemäß am meisten gelitten, exponierte Holzteile wie die Wetterschenkel waren stärker beschädigt – aber dennoch war es möglich, den Großteil der historischen Substanz zu erhalten.

Der typische Stil der Kaiserzeit

Die alte Feuerwache in Recklinghausen wurde 1909 erbaut. Sie sollte – wie viele öffentliche Gebäude aus der Kaiserzeit – nicht nur einfach ihren Zweck erfüllen, sondern auch repräsentieren. Das spiegelt sich auch in den vielfältigen und aufwendigen Fenstern wider: Im Hauptgebäude befinden sich im Erdgeschoss sowie in den Obergeschossen zweiflügelige Wolfsrachenfenster, wobei die Fenster im Erdgeschoss und dem ersten Obergeschoss mit feinsprossig verglasten Oberlichtern ausgestattet sind. Im ehemaligen Schlauchturm – hier wurden nach einem Einsatz die Schläuche zum Trocknen aufgehängt – unterscheiden sich die Fenster des Treppenhauses von denen der Turmstube: Während im Treppenhaus einflügelige Stulpfenster verbaut sind, zieren den Turm ovale Ochsenaugenfenster. „Weitere Merkmale, wie das kunstvolle Schlagleistenkapitell an den Fenstern der ersten beiden Geschosse des Hauptgebäudes verdeutlichen den repräsentativen Charakter im Vergleich zur schlichteren Ausführung am Mansardengeschoss oder dem Turmtreppenhaus“, sagt Guido Kramp.

Am schlimmsten erwischt hatte es im Laufe der vergangenen 100 Jahre die Fenster des Mansardengeschosses. Hier hatten lediglich zwei das vorige Jahrhundert überlebt. Die Handwerker arbeiteten die beiden verbliebenen Exemplare auf und nutzten sie als Muster für die zu ersetzenden Fenster. Sehr gelitten hatten auch die Ochsenaugenfenster der Turmstube. Hier waren sowohl an den Flügeln als auch an den Blendrahmen umfangreiche Ausbesserungsarbeiten notwendig, die nur komplett ausgebaut in der Werkstatt möglich waren. Die geringsten Beschädigungen in der Holzstruktur hatten die Fenster des Erdgeschosses und des ersten Obergeschosses davongetragen: Bei diesen zweiflügeligen Typen konnte die Firma Kramp & Kramp die gesamte historische Substanz erhalten, es reichten kleine Ausbesserungen.

Die Flügel machen die meiste Arbeit

Außer bei den Ochsenaugenfenstern haben die Restauratoren die Blendrahmen in ihren Öffnungen gelassen und lediglich die Fensterflügel in der Werkstatt aufbereitet. „Wir haben die Flügel zunächst per Hand bis auf den Grund entlackt, die Kittfälze mit Infrarotlicht aufgeweicht und ausgekratzt und die vorhandenen Scheiben ausgebaut und zunächst eingelagert“, erklärt Guido Kramp. Morsche Bereiche in den Fensterflügeln wurden herausgeschnitten und durch neue Holzpassstücke ersetzt. Diese Holzstücke sind an den Enden abgeschrägt und werden mit dem Bestandsholz verleimt. Eines hatten alle Flügel gemeinsam: Die Wetterschenkel waren am stärksten beschädigt. Für die Tischler kein Problem: sie fertigten neue Schenkel nach dem historischen Vorbild und leimten sie an. Als letzte Herausforderung blieben die aktuellen Wärmedämmanforderungen, die die Glasscheiben aus der Bauzeit nicht erfüllen können. Um 12 mm dickes Isolierglas einsetzen zu können, wurde mit der Oberfräse der Glasfalz tiefer gefräst. „So viel Glück haben wir nicht immer, oft gibt die Materialdicke des Rahmens das nicht her“, sagt Guido Kramp. Wie beispielsweise bei den feinsprossigen Oberlichtern: Hier mussten die Restauratoren den Wärmedämmschutz mit angesetzten Energievorsatzscheiben sicherstellen. Beschädigtes Bestandsglas haben die Experten aus Lemgo durch Maschinenglas ersetzt, das in seiner Lichtbrechung den bauzeitlich verwendeten Glasscheiben entspricht. Danach folgte Routine:  Abschleifen, Grundierungsanstrich, Einsetzen der Fenster in ein neues Leinöl-Kittbett, Aufziehen der Kittfase, Zwischen- und Schlussanstrich – damit waren die Fensterflügel wieder einbaufertig.

Am Ende passt alles zusammen

„In der Zwischenzeit haben wir die Blendrahmen vor Ort thermisch bis auf den Grund entlackt“, berichtet Guido Kramp vom Fortschritt der Arbeiten. Seine Kollegen haben die Rahmen tischlermäßig überarbeitet, Fehlstellen sowie Rahmenecken ausgeleimt und alles abgeschliffen. Für Wetterschutz sorgen zwei Zwischen- und ein Schlussanstrich mit Leinöl-Standölfarbe. Damit die Zugluft draußen bleibt, frästen die Handwerker nach dem Einbau der Fensterflügel eine Zugluftdichtungsnut in den Blendrahmen und zogen eine Silikondichtung ein. „Parallel dazu haben wir die Getriebestangen aufbereitet“, sagt Kramp. Er entschied sich für das Abstrahlen mit Wallnussschalen, die das Bauteil schonend reinigen und entrosten, aber die Patina erhalten. „Während des Einbaus haben wir lediglich den einen oder anderen Falz nachgehobelt und die Beschläge justiert“, berichtet Kramp über das Ende des Projekts. „Meine Leute haben gut gearbeitet und die Fenster können wieder 100 Jahre halten.“

Autor

Thomas Vahle ist freier Journalist und unterstützt die Lemgoer Firma Kramp & Kramp bei der Pressearbeit.

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