Schallabsorber aus Reet

Reet kennt man als traditionelles Naturmaterial fürs Dach oder wieder als Putzträger und Dämmstoff. Dass man es zur Absorption von Schall nun auch unter die Decke hängt, ist allerdings neu.

Hiss Reet ­präsentiert mit seinen Schallabsorbern aus Reet daher eine echte Weltneuheit.

Moderne Architektur besticht durch harte Materialien wie Stahl, Glas und Beton. Deren meist glatte Oberflächen bedürfen bei der Planung aus akustischer Sicht besonderer Aufmerksamkeit. Werden nämlich raumakustische Aspekte bei der Gestaltung nicht ausreichend berücksichtigt, reflektieren nackte Wände, Decken und Fußböden den Schall oft sehr hart. Die Folgen sind ein langer Nachhall, reduzierte Sprachverständlichkeit und ein insgesamt störender Schallpegel.

In solchen Räumen spricht man automatisch lauter, was die Geräuschbelastung noch mehr ansteigen lässt. Im Fachjargon nennt man das den „Lombardeffekt“ – eine nachteilige Selbstverstärkung des Schallpegels. Im Innenausbau kennt man dieses Phänomen seit langem und versucht ihm mit Akustikdecken, Schallsegeln unter der Decke und Schallabsorbern an der Wand Herr zu werden.

Vom Ufer übers Dach ins Haus

Einen vollkommen anderen Weg – zumindest was das zum Einsatz kommende Material anbelangt – geht die Firma Hiss Reet. Das Traditionsunternehmen vertreibt seit dem frühen 19. Jahrhundert Reet, das als Schilfrohr am Ufer flacher Gewässer wächst, als Deckmaterial für Dächer. Im Innenausbau fand Reet auch schon früher als Putzträgermatte Verwendung und wird in dieser Funktion und als Dämmstoff auch heute wieder im bio-ökologischen Bauen eingesetzt. Der Anwendung von Reet im Raum fügt Hiss Reet nun dekorative Akustikabsorber hinzu. Die Idee, mit dem Naturbaustoff vom Dach in den Innenraum zu gehen und Reet als sichtbares Wand- und Deckenpaneel zu verbauen, ist damit eine Weltneuheit.

Schallschutz ist Schutz der Gesundheit

Gerade im überwiegend puristisch schlichten Trockenbau mit seinen meist strahlend weißen Oberflächen setzen Elemente aus dem Naturbaustoff Reet gestalterische Akzente. Die Schallabsorber sind aber mehr als nur ein ästhetisches Gestaltungselement: Reet schluckt Lärm, der die Lebensqualität einschränkt und krank machen kann, denn ein übermäßiger Schallpegel ist ein erheblicher Stressfaktor. Was sich im privaten Haushalt vielleicht noch mit Teppichen, Raumteilern und Wandbehängen akustisch bedingt ausbalancieren lässt, wird in öffentlichen Gebäuden wie Kundenzentren, Restaurants, Verkaufs- und Veranstaltungsräumen schnell zum Problem, denn schlechte Raumakustik beeinflusst das Wohlfühlbefinden.

Montage wie man sie aus dem Trockenbau kennt

Messungen an der Universität Lübeck belegen die Wirksamkeit der Reet-Module als Schallschlucker: Gemessen wurde nach DIN EN ISO 11 654 die „Schallabsorberklasse C“, was für hochabsorbierend steht (die Skala reicht von A bis E).

Geliefert werden die Schallabsorber, die ähnlich robuste Oberflächen wie eine Holzvertäfelung haben, in 50 x 50 cm großen Modulen als Decken- oder Wandverkleidung. Die 18 cm dicken Module bestehen aus 168 mm hohen Schilfrohrhalmen, die mit einem Spezialschaum aufrecht stehend auf eine 12,5 mm dicke Gipskartonplatte geklebt sind. Daher geht die Montage auch so schnell und reibungslos, wie man es vom Trockenbau einer abgehängten Gipskartondecke her kennt: Die Module werden an CD-Deckenprofilen befestigt mit Direkt- oder Noniusabhängern von der Rohbaudecke abgehängt. Stumpf gestoßen ergeben die Reet-Module in der Untersicht ein gleichermaßen homogenes wie beeindruckendes Deckenbild.

„Die Haltbarkeit von Reet im Raum ist mit Holz zu vergleichen“, sagt Tom Hiss, Inhaber der Firma Hiss Reet. Ihm ist vor allem wichtig zu betonen, dass Reet nicht nur Schall absorbiert, sondern eben auch für ein gesundes Raumklima sorgt.

Weitere Informationen finden Sie im Internet unter www.reet-im-raum.de

Autor

Dipl.-Ing. Thomas Wieckhorst ist Chefredakteur der Zeitschriften bauhandwerk und dach+holzbau.
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