Schleiff verbindet Denkmalschutz mit Wirtschaftlichkeit

Die Unternehmensgruppe Schleiff aus Erkelenz hat sich von einem Hersteller bauchemischer Produkte zu einem Spezialbauunternehmen entwickelt, das Baudenkmäler, Parkhäuser sowie Wohn-und Gewerbeimmobilien nicht nur saniert, sondern auch plant, projektiert, entwickelt und betreibt.

Streng genommen ist die Firma Schleiff kein Handwerksbetrieb, so dass wir in dieser Rubrik normalerweise nicht darüber berichten würden. Gleichwohl haben wir in der bauhandwerk schon öfter über Objekte berichtet, die vom Erkelenzer Unternehmen ausgeführt wurden, zum Beispiel die Umnutzung der Herz-Jesu-Kirche in Mönchengladbach, (bauhandwerk 1-2.2014) und die nicht nur durch Planung und Konzeption, sondern auch und vor allem durch ihre herausragende handwerkliche Qualität so berichtenswert waren. Zuletzt wurde die Schleiff Bauflächentechnik für die Sanierung eines spätklassizistischen Bankgebäudes in Essen mit dem Bernhard-Remmers-Preis ausgezeichnet (bauhandwerk 4.2019), einem Preis, der ausdrücklich die Ausführung einer Denkmalsanierung würdigt. Grund genug der Frage nachzugehen, wie man es schafft, eines der besten und bekanntesten Spezialbauunternehmen des Landes zu werden.

Von Anfang an außergewöhnlich

Besonders oder ausgewöhnlich zu sein gehört von Anfang an quasi zur DNA des Unternehmens. Selbst im Jahr 2019 ist der Anteil von Frauen unter den Führungskräften oder gar den Gründern mittelständischer Unternehmen der Bauindustrie weit von 50 Prozent entfernt. Und wenn eine Frau ein neues Unternehmen zur Herstellung bauchemischer Produkte gründen würde, dann wäre ihr selbst heute noch die mediale Aufmerksamkeit schon allein wegen ihres Geschlechts sicher. Vor diesem Hintergrund erscheinen die Leistung und der Mut Friedel Schleiffs, die 1957 in Düsseldorf ihr eigenes bauchemisches Unternehmen gründete, noch beeindruckender.

Mit wenig mehr als einem Ordner voller Rezepturen, die sie von einem schweizer Geschäftspartner erhalten hatte, macht sie sich daran, Produkte wie Betonverflüssiger, Abdichtungsstoffe für Beton und Fassadenimprägnierungen herzustellen, die im Nachkriegsdeutschland beim Wideraufbau dringend gebraucht wurden. In den Folgejahren baut sie das Unternehmen kontinuierlich aus, knüpft Kooperationen – unter anderem mit einem Baustoff-Forschungsinstitut – und gründet eine Bürogemeinschaft mit der Vertriebsfirma Schreiner Baustoffvergütung. Schon früh etabliert Friedel Schleiff, die von Zeitgenossen als energische und ideenreiche, gleichzeitig auch sehr attraktive Frau beschrieben wird, ein weiteres Merkmal der Unternehmenskultur, das sich wie ein Leitmotiv bis in die heutige Zeit fortsetzt: kontinuierlicher Wandel.

Vom Hersteller zum Händler zum Bauunternehmen

Denn als sich herausstellt, dass während des Baubooms der Wirtschaftswunderjahre die Qualifikation vieler Arbeiter der Rohbau-Gewerke nicht mit den Anforderungen moderner Bauprodukte schritthalten kann, verlegt man sich bei Schleiff darauf, diese Produkte selbst zu verarbeiten. „Schleiff hat zu dieser Zeit Spezialprodukte hergestellt und vertrieben, bei denen Mischungsverhältnis, Quell-, Topf- und Verarbeitungszeiten genau eingehalten werden mussten und deren Verarbeitungstechniken nicht Bestandteil der Ausbildung war“, erklärt Ingo Reifgerste, Geschäftsführer der Schleiff Bauflächentechnik. So entwickelt sich das Unternehmen immer mehr zu einem Spezialunternehmen für Bausanierung und -restaurierung und gibt den Vertrieb der Bauprodukte schließlich ganz auf. Diese Entwicklung nimmt besonders mit dem Eintritt von Heinz-Peter Dahmen Fahrt auf. Unter der Regie des erfahrenen Maurermeisters wagt sich Schleiff an die Sanierung namhafter Objekte und erwirbt sich schnell einen ausgezeichneten Ruf als Spezialunternehmen der Denkmalsanierung. Angefangen mit dem Ständehaus in Düsseldorf über die Zitadelle in Jülich bis zur Krupp‘schen Villa Hügel und der Zeche Zollverein etabliert Schleiff die Planung und Ausführung von Sanierungsarbeiten – neben der Betoninstandsetzung und der Gebäudeabdichtung – als expandierendes Geschäftsfeld.

Bauflächentechnik, Denkmalentwicklung und Wertentwicklung

Aktuell gibt es das Unternehmen Schleiff gleich dreimal: Aus der früheren Schleiff KG wurde später die Schleiff Bauflächentechnik GmbH und in den späten 1990er Jahren die Schleiff Bauflächentechnik GmbH & Co. KG. Sie betreibt mit derzeit 88 Mitarbeitern (63 gewerbliche) das Kerngeschäft: Mauerwerkssanierung, Betoninstandsetzung, Kunstharzverarbeitung und Bauwerksabdichtung. Sechs Bauleiter betreuen hier rund 400 Projekte pro Jahr. Die Aufträge stammen zum größten Teil aus der Wohnungswirtschaft sowie aus Industrie und Gewerbe, Aufträge der öffentlichen Hand bilden wegen des starken Preisdrucks bei Ausschreibungen eher die Ausnahme.

Zum Anfang des neuen Jahrtausends zeichnet sich immer mehr ab, dass die Planungs- und Ausführungskompetenz des Unternehmens durch die Projektentwicklung ergänzt werden sollte. Besonders im Denkmalbereich sind die Anforderungen und die Erwartungen von Investoren und Kunden derart hoch, dass es sinnvoll erscheint, diese Leistungen mit eigenen Kräften anzubieten. Resultat ist die Gründung der Schleiff Denkmalentwicklung GmbH & Co. KG, die fortan Baudenkmäler nicht nur saniert, sondern sie auch einer wirtschaftlich sinnvollen Nutzung zuführt. „Man kann nicht aus jedem Denkmal ein Museum machen. Nur wenn ein denkmalgeschütztes Gebäude nachhaltig genutzt wird, ist sein Erhalt gesichert“, erklärt Geschäftsführer Georg Wilms. Für eines der ersten Projekte dieser Art, die Umnutzung des Widra-Areals in Aachen, bei der altengerechte Wohnungen sowie Wohngruppen für pflegebedürftige Menschen geschaffen wurden, wurde Schleiff  mit dem Preis vorbildliche Bauten des Landes NRW 2010 ausgezeichnet, sowie mit dem Deutscher Bauherrenpreis 2009. Auch mit der Umnutzung von Kirchen zu Wohnraum machte sich die Schleiff Denkmalentwicklung einen Namen. „Idealerweise steuert man die Projektentwicklung so, dass das Objekt ohne Fördermittel wirtschaftlich ist. Außerdem sollten alle Um- und Einbauten reversibel und klar als neue Elemente ablesbar sein“, beschreibt Wilms die Grundsätze der Projektentwicklung. Häufig werde ein Projekt erst als Ganzes dadurch wirtschaftlich, dass Neubauten hinzugefügt werden, die quasi die Erhaltung der Denkmalsubstanz querfinanzieren. So geschehen bei der Umnutzung der Kirche Herz Jesu in Mönchengladbach zu einem Mehrfamiliehaus mit 23 öffentlich geförderten Wohnungen.

Jüngstes Mitglied der Schleiff Unternehmensgruppe ist seit 2018 die Schleiff  Wertentwicklung GmbH. Sie erwirbt Wohn- und Geschäftsimmobilien, um sie weiterzuentwickeln und in den Eigenbestand zu übernehmen. Jüngstes Projekt ist ein 4700 m² großes Areal mit einer vermietbaren Fläche von etwa 10 500 m2, quasi vor der eigenen Haustür in der Innenstadt von Mönchengladbach. Dabei geht es darum, neue Konzepte zu entwicklen und Nutzungsmöglichkeiten zu eröffnen, wenn der stationäre Einzelhandel, zum Beispiel im Bereich Schuhe und Textil, immer mehr vom Onlinehandel verdrängt wird. Und da es durch die Niedrigzinspolitik der EZB immer schwieriger wird, Geld sicher und gewinnbringend zu investieren, lohnt es sich auch, solche Objekte zu behalten und selber zu betreiben und zu vermarkten.

Wirtschaftlichkeit im Blick behalten

„Sowohl die Schwesterfirma Denkmalentwicklung als auch die Wertentwicklung GmbH eröffnen uns die Möglichkeit, die Schleiff  Bauflächentechnik zusätzlich mit eigenen Projekten auszulasten und so unabhängiger von externen Aufträgen und Baukonjunktur zu sein“, erklärt Ingo Reifgerste. Zwar seien praktisch alle ausgeführten Objekte Unikate, so dass sich manche Prozesse nicht standardisieren lassen, doch wenn das Ziel der Projektentwicklung klar und die Planung abgeschlossen sei, gebe es keinen Grund, bei der Ausführung den Zeitplan, das Budget oder die Qualität nicht einzuhalten, ergänzt Georg Wilms, der 1998 von der Dresdener Bank zu Schleiff gewechselt war. Für den Geschäftsführerposten bei Schleiff ließ der gelernte Bankier sogar eine hochdotierte Stelle in der Pariser Niederlassung des Geldinstituts sausen. „Ich wollte immer selbständig sein und Dinge erschaffen, die Bestand haben“, erläutert er den eher ungewöhnlichen Karriereschritt. Mittlerweile hat er nicht nur das fehlende Fachwissen rund ums Bauen nachgeholt, von seinen Kenntnissen und Fähigkeiten aus dem erlernten Beruf profitiert das Unternehmen bis heute. „Gerade im Bereich alternativer Wohngruppenprojekte, sind viele hochengagierte Sozialromatiker unterwegs, die nicht richtig rechnen können. Ich finde es wichtig, dass man von Anfang an bei jedem Projekt die Wirtschaftlichkeit als Ziel im Blick behält“. Im privaten Bereich legt Wilms dagegen idealistischere Maßstäbe an. So war er vor 14 Jahren Mitinitiator für ein privates Hilfsprojekt in Uganda, dem er nicht nur einen Teil seines Geldes, sondern auch seiner Freizeit widmet. Mittlerweile nehmen dort 160 Kinder an einem Patenschaftsprogramm teil.

Starke Arbeitgebermarke

Geschäftsführer Ingo Reifgerste ist dagegen ein Schleiff-Eigengewächs. Direkt von der Uni weg holten ihn die damaligen Gesellschafter ins Unternehmen, wo der studierte Betriebswirt seine Diplomarbeit zum Thema „Kalkulation im Bauwesen“ schrieb. „Mein Professor sah mich eher in der Unternehmensberatung oder in der Industrie, aber mir hat es sofort bei Schleiff sehr gut gefallen“, erinnert sich Reifgerste. Hier hat er seit 2000 zunächst als Prokurist und später als Gesellschafter und Geschäftsführer unter anderem die Unternehmensentwicklung  des Unternehmens gesteuert und an der Marke Schleiff gefeilt. „Unser wichtigster Erfolgsfaktor sind unsere Mitarbeiter. Deshalb ist es von entscheidender Bedeutung für den Erfolg unseres Unternehmens, dass sie sich mit dem Unternehmen identifizieren und hochqualifiziert sind.“ Erstklassige Ausstattung wie moderne Arbeitskleidung und das beste Werkzeug sind dabei die Grundvoraussetzung, noch wichtiger ist jedoch eine Unternehmenskultur, die auf einen offenen Umgang, Vertrauen und Verbindlichkeit setzt. Das zahlt sich aus, denn während viele Unternehmen über Fachkräftemangel klagen, erhält Schleiff noch immer so viele Initiativbewerbungen, dass man sich die besten Leute aussuchen kann. Mitarbeiterfluktuation gibt es fast gar nicht. „Wenn man heute konkurrenzfähig bleiben will, muss man auch und vor allem als Arbeitgebermarke funktionieren“, bringt Ingo Reifgerste die Firmenphilosophie auf den Punkt. „Erstklassige Chefs haben erstklassige Mitarbeiter, zweitklassige Chefs haben drittklassige Mitarbeiter“, ergänzt Georg Wilms. Um auch langfristig über erstklassige Mitarbeiter verfügen zu können, bildet Schleiff nicht nur Bürokaufleute, sondern auch Fachhandwerker in den Berufsbildern Maurer und Holz- und Bautenschützer aus, die in der Regel nach der Abschlussprüfung übernommen werden.

Auf Langfristigkeit ausgelegt

Sowohl firmenintern als auch im Verhalten gegenüber Auftraggebern und Geschäftspartnern sei es von zentraler Bedeutung, alle Beziehungen auf Langfristigkeit auszulegen. „Auch wir können nicht alle Aufträge mit eigenen Kräften abwickeln und arbeiten daher mit Nachunternehmern zusammen. Das sind unsere Partner, und so behandeln wir sie auch“, betont Wilms. Indem man für solche Partner verlässlich agiere, bekomme man auch verlässlich eine gute Leistung von ihnen zurück. Das sei gerade auch vor dem Hintergrund steigender Grundstücks- und Baukosten sowie sich ständig verschärfender Vorschriften und Normen wichtig, um Bauprojekte gewinnbringend zu bearbeiten.

Beide Geschäftsführer, die Schleiff mit Hilfe der Wachstumsstrategie „Bambus Code“ analysiert und fit gemacht haben, sehen die Zukunft ihres Unternehmens optimistisch. Kein Wunder, schließlich gehört es für Schleiff seit 72 Jahren zur DNA, sich flexibel und proaktiv an neue oder sich ändernde Anforderungen anzupassen und auf Erfolgs- und Wachstumskurs zu steuern.

Autor

Thomas Schwarzmann ist Redakteur der Zeitschriften bauhandwerk und dach+holzbau.

Schleiff Bauflächentechnik GmbH & Co. KG

Brüsseler Allee 15

41812 Erkelenz

Tel.: 02431/9641-0

www.schleiff.de

Betriebsgründung 1957 in Düsseldorf durch die Unternehmerin Friedel Schleiff, die zunächst bauchemische Produkte und später Spezialprodukte für den Bau herstellt und vertreibt. In den 1970er Jahren beginnt der Wandel hin zu einem Spezialbauunternehmen. Zur Unternehmensgruppe gehören heute noch die Schleiff Denkmalentwicklung GmbH & Co. KG sowie die Schleiff Wertentwicklung GmbH.

Betriebsgröße 88 Mitarbeiter (63 gewerblich) darunter 6 Handwerksmeister als Bauleiter sowie weitere Facharbeiter aus den Gewerken Maurer, Zimmerer, Tischler, Bautenschützer und Maler. In der Schleiff Denkmalentwicklung sind 12 Menschen beschäftigt.

Arbeitsschwerpunkte Kellerabdichtung, nachträgliche WU-Konstruktionen im Bestand, Horizontalsperren, Sanier- und Sperrputzsysteme, Innendämmung, Sockelinstandsetzung, Schwimmbadsanierung, Fugeninstandsetzung, Hydrophobierung und Imprägnierung, Fassadenbeschichtung, Mauerwerksvernadelung und -verklammerung, statische Verankerung von Mauerwerk, Instandsetzung von Naturstein- und Ziegelmauerwerk, Mauerwerksaustausch, Sanierung von Putzfassaden, Stabilisierung durch Hohlraumverpressung, Reinigung und Instandsetzung denkmalgeschützter Fassaden sowie Betoninstandsetzung und Speziallösungen bei der Sanierung von Bauwerken.

Weitere Geschäftsfelder der Unternehmensgruppe sind die Betoninstandsetzung, insbesondere die Instandsetzung von Parkhäusern,Tiefgaragen und Ingenieurbauwerken sowie die Entwicklung von Bauprojekten und der Betrieb von Objekten.

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