Schuppendecke Komplexe Trockenbaudecke in einem Hörsaal der Humboldt-Universität in Berlin

In der Humboldt-Universität in Berlin sollte im Zuge einer Sanierung auch ein Hörsaal modernisiert und optisch wie akustisch aufgewertet werden. Die Möbel Damm GmbH löste diese Bauaufgabe nach Plänen der Architekten Hüffer.Ramin mit einer in Schuppen gegliederten Decke.

Die meisten Gebäude der 1809 gegründeten Berliner Universität – die 1949 in Humboldt-Universität umbenannt wurde – befinden sich in Berlin-Mitte, so auch die wirtschaftswissenschaftliche Fakultät in der Spandauer Straße. Für die umfassende Modernisierung des Hörsaales 202 entwickelten die Architekten Hüffer.Ramin unter Berücksichtigung des schiefwinkligen Grundrisses und der Form des Daches ein räumliches Konzept mit einer gebogenen und in Schuppen gegliederten Decke, die die radiale Anordnung der Bestuhlung reflektiert. Im Rahmen der Vergabe der Trockenbauarbeiten wurden aufgrund der besonderen technischen Anforderungen drei Bieter aufgefordert, einen Ausschnitt der Schuppendecke mit Unterkonstruktion im Maßstab 1:1 zu bauen.

Begeistert zeigten sich Architekten und Bauherr von der praktischen Umsetzung des architektonischen Entwurfs durch die Trockenbauprofis der Möbel Damm GmbH aus Templin. „Nach der Vorstellung unserer Ideen zur Ausführung der Raum- und Deckenkonstruktionen erhielten wir den Auftrag für den kompletten trockenen Innenausbau. Wir haben dann unmittelbar mit der Erstellung von Werkzeichnungen begonnen, nach denen Schablonen im Maßstab eins zu eins gefertigt wurden, die zur Herstellung der Spanten-Unterkonstruktion dienten. Auf diesen Planungszeichnungen baute die gesamte Decken- und Wandkonstruktion auf“, erinnert sich Detlef Damm, Geschäftsführer der Möbel Damm GmbH.

Aufwendige Unterkonstruktion exakt ausgerichtet 

An der Deckenunterkonstruktion arbeiteten die Handwerker an zwei Orten: Während Detlef  Damm und sein Team damit begannen, Weitspannträger an der Rohdecke zu befestigen, machte sich parallel eine Schlosserei an die Fertigung der aus Kastenrohren (25 mm x 25 mm) bestehenden Spanten nach Plänen von Möbel Damm. „Teile der Rohdecke bestanden aus Stahlsteinen, andere aus Ortbeton. Mit den Weitspannträgern haben wir erst einmal eine zuverlässig lasttragende Grundlage geschaffen. Mit Noniusabhängern wurden anschließend die Spanten zwischen 650 und 2000 mm tief abgehängt,“ erzählt Detlef Damm.

Betrachtet man die Spantenkonstruktion, so wird schnell deutlich, wie entscheidend die gute planerische Vorarbeit und die Werkzeichnungen des Trockenbauteams waren: Die einzelnen Spanten verfügten nicht nur über unterschiedliche Maße und Biegeradien, sondern mussten auch äußerst exakt ausgerichtet und befestigt werden, um die Radialausrichtung der Schuppen zum später errichteten Dozentenpult hin sicherzustellen. Hierzu wurde der Grundriss als Aufriss auf dem installierten Flächengerüst angelegt.

Reflektierende Schuppe und absorbierender Spalt 

Mit Ankerhängern befestigten die Handwerker in einem nächsten Arbeitsschritt CD-Profile an den Spanten. Die Beplankung der Profile erfolgte dann doppellagig mit biegsamen GK-Form-Platten (6 mm) von Rigips. So entstanden insgesamt 15 dreidimensional konkav gewölbte Einzeldeckenfelder von unterschiedlicher Größe, die schuppenförmig übereinander angeordnet und dreiseitig überlappend montiert wurden. „Jede dieser Schuppen war in Größe und Ausrichtung eine absolute Einzelanfertigung. Das kleinste Deckenfeld ist 8,76 m2, das größte 51,24 m2 groß und rund 860 kg schwer. Raumakustisch wirken die glatten GK-Form-Platten schallreflektierend. Die Schallabsorption erfolgt über die Spalten zwischen den einzelnen Deckenfeldern. Hier überlappen sich die einzelnen Schuppen um etwa 400 mm. Die freien Kanten erhielten eine 50 mm breite Aufkantung sowie einen rund 200 mm weit zurückliegend eingesetzten, senkrechten Schallabsorber aus Mineralwolle, der mit weißem Akustikvlies belegt wurde“, erläutert Detlef Damm die Konstruktion.

Illuminierte Linienführung 

Gerade die Aufkantungen tragen wesentlich zu dem heute raumprägenden Charakter der Schuppendecke bei, denn sie verbergen die indirekte Beleuchtung. Zur handwerklichen Herausforderung für das Ausbauteam wurde der Einbau der direkten Beleuchtung. „In die einzelnen Deckenfelder sollten jeweils ein bis fünf Strahler eingebaut werden. Durch die konkave Biegung konnten wir die runden Lampenausschnitte nicht einfach mit Schablonen erstellen. Sie mussten aus dem Grundriss lotrecht eingemessen und an die Decke projiziert werden. Nur so konnte sichergestellt werden, dass das Licht der Strahler auch genau auf die Sitzreihen gelenkt wird. Beim Lampenausschnitt selbst war viel Augenmaß und sehr genaues Arbeiten gefragt, um nicht unbewusst doch eine leichte Ellipsenform zu schneiden“, sagt Detlef Damm.

Vorsatzschalen steuern die Raumakustik

Die Schuppendecke endet in einem etwa drei Grad in Richtung des Auditoriums geneigten, schallreflektierenden Deckensegel aus 12,5 mm dicken Bauplatten RB über dem Dozentenpult. Die Raumhöhe beträgt hier knapp 9,60 m. An den Wandflächen wurden umlaufend rund 250 m2 Vorsatzschalen mit hinterlegter Mineralfaserdämmung teils aus glatten, schallreflektierenden Gipsplatten, teils aus schallabsorbierenden Lochplatten (Rigiton Air 8/18) in unterschiedlichen Wandabständen errichtet. Die Verspachtelung und Oberflächenbehandlung erfolgte in Q 3 mit dem Fertigspachtel ProMix Plus von Rigips.

„Im hinteren Saalbereich und an den Seiten erwachsen die einzelnen Felder der Schuppendecke aus diesen Vorsatzschalen. Das gibt dem Ganzen einen sehr fließenden, harmonischen Eindruck“, so Trockenbauprofi Damm. Eine Harmonie, die im fertigen Zustand so leicht und selbstverständlich wirkt, von Detlef Damm und seinem Team jedoch zu jedem Zeitpunkt hohe Konzentration forderte: „Kein Deckenfeld glich dem anderen. Die Bestuhlung und die Anordnung des Dozentenpults ließen keine Toleranzen in der Decken- und Wandausbildung zu. Und das alles musste in einem schiefwinkligen Raum eingemessen und exakt montiert werden. Schwierige Anforderungen, die wir auch durch die meiner Meinung nach vorbildliche Zusammenarbeit mit den Architekten erfolgreich gemeistert haben.“

Beste Sprachverständlichkeit im Lehrbetrieb 

Dieser Meinung war seinerzeit auch die Jury der Rigips Trophy ‘11: Sie lobte das Trockenbauteam sowohl für die handwerklichen Fertigkeiten als auch für die perfekte Umsetzung einer Gestaltungsidee und kürte es zum Sieger im Leistungsbereich Akustiksysteme. Die Linienführung, die Kombination aus indirekter und direkter Beleuchtung sowie die sauber ausgeführten Überlappungen der Deckenfelder prägen die Ästhetik des neuen Hörsaals. Und dass die raumakustischen Qualitäten der beeindruckenden Optik in nichts nachstehen, zeigten schon die ersten Vorlesungen im neuen Hörsaal. „Sowohl unverstärkt ohne Mikrofon als auch über die eingebaute Lautsprecheranlage ergibt sich eine optimale Sprachverständlichkeit, so dass auf eine nachträgliche Messung der Nachhallzeiten ohne Bedenken verzichtet werden konnte“, berichtet Detlef Damm.

Im Juni 2012 konnten er und sein Team sich über eine weitere Anerkennung ihrer Handwerkskunst freuen: In London überzeugte die Möbel Damm GmbH die Jury der Saint-Gobain Gypsum International Trophy und erzielte den zweiten Platz in der Kategorie „Segment Solutions“. Das Ausbauprojekt behauptete sich damit auch auf internationaler Bühne und im direkten Vergleich mit 65 weiteren Teilnehmerobjekten aus insgesamt 28 Ländern.

Autoren

Martin Büsch ist Leiter Kommunikation und Marketing, Karin Melder, Projektmanagerin für Messen, Events und Promotion bei der Saint-Gobain Rigips GmbH in Düsseldorf.

Schablonen dienten zur Herstellung der Spanten-Unterkonstruktion

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