So werden Alt- und Neubauten gegen radioaktives Radon abgedichtet

Radon kommt fast flächendeckend in Deutschland vor. Ist ein Mensch dem Edelgas dauerhaft ausgesetzt, kann das zu irreparablen gesundheitlichen Schäden und sogar zum Tod führen. Aber: Mit einfachen Mitteln kann man sich effizient vor dem Gas schützen.

Bei dem Edelgas handelt es sich um das Element Radon 222, vereinfacht auch nur Radon genannt. Radon ist ein natürlich vorkommendes, radioaktives Element und hat eine Halbwertzeit von 3,8 Tagen. Bei seinem Zerfall entstehen die Zerfallsprodukte: Polonium, Bismut und Blei. Gemessen wird das Gas in der Luft in der Einheit Becquerel/m³ (Bq/m³). Ein Becquerel gibt an, wie viele Atomkerne pro Sekunde zerfallen, es ist eine Einheit für Radioaktivität.

Die Geschichte des Radons reicht bis in das 16. Jahrhundert zurück. Damals kannte man die durch das Gas verursachten gesundheitlichen Probleme als Lungenkrankheit bei Bergarbeitern oder auch als die Bergsucht. Später nannte man es die „Schneeberger-Krankheit“, bis im 20. Jahrhundert erkannt wurde, dass es sich um Lungenkrebs handelt. 1988 wurde Radon von der WHO als nachweislich krebserregend eingestuft. Das Bundesamt für Strahlenschutz und die WHO empfehlen, die Radon-Konzentration in Innenräumen unter 100 Bq/m³ Raumluft im Jahresmittel zu halten. Durchschnittlich finden sich in Innenräumen in Deutschland rund 50 Bq/m³ Radon-Konzentration in der Raumluft. 

Warum ist Radon so gefährlich beziehungsweise warum sollte man sich davor schützen?

Radon kann man nicht sehen, riechen oder schmecken. Es wird eingeatmet und gelangt so in die Lunge. Der größte Anteil des Radons wird wieder ausgeatmet. Jedoch verursachen das in der Lunge verbleibende Radon und seine Zerfallsprodukte wegen ihrer hohen Strahlungsenergie irreparable Schäden am Gewebe. Die Folge: Lungenkrebs kann entsteht. Laut dem Bundesamt für Strahlenschutz erhöht eine Belastung von 100 Bq/m³ das Risiko an Lungenkrebs zu erkranken um 16 Prozent, wenn man dieser Belastung langjährig ausgesetzt ist. Mit etwa 1900 Lungenkrebstodesfällen pro Jahr ist Radon die zweithäufigste Todesursache nach dem Rauchen. Das Edelgas ist aber nur in geschlossenen Räumen gefährlich. Radon in der Außenluft hingegen verflüchtigt sich schnell und wirkt sich nicht negativ auf den Menschen aus.

Wo Radon vorkommt

Grundsätzlich muss man davon ausgehen, dass in allen Gesteinen und Böden unterschiedliche Konzentrationen von Uran und Radium vorkommen. Radon ist ein Folgeprodukt aus dieser Kette:

Es gibt zwar Gegenden, die eine stärkere Belastung haben, Radon kann aber in ganz Deutschland vorkommen. Im Erdreich bewegt sich das Gas über Diffusion fort, je nach Permeabilität, das ist die Durchlässigkeit des Bodens, ist die Bewegung stärker oder schwächer ausgeprägt. Die vom Bundesamt für Strahlenschutz veröffentlichten Radonkarten zur geographischen Verteilung von Radon im Boden und in Innenräumen dienen als Unterstützung zur Einschätzung des Vorkommens von Radon vor Ort. Man sollte sich aber nicht darauf verlassen, dass das Gas in einer Region nicht vorkommt, nur weil diese nicht mit einer potenziell hohen Radon-Konzentration gekennzeichnet ist. Besonders hoch sind die Konzentrationen in Mittelgebirgsregionen wie etwa dem Erzgebirge. Allerdings kommt Radon auch in Küstennähe vor. Es können keine konkreten Aussagen für Wohngebiete oder einzelne Grundstücke aus diesen Karten abgeleitet werden. Zusätzlich kann auch eine gewisse Radonbelastung von bestimmten Baumaterialien oder Bauteiloberflächen ausgehen.

Gibt es eine Grundlage zum Handeln?

Am 31.12.2018 ist das Gesetz zum Schutz vor der schädlichen Wirkung ionisierender Strahlung (Strahlenschutzgesetz – Strl.SchG) in Kraft getreten. Ganz grob zusammengefasst sind unter anderem folgende Punkte enthalten:

Bis Ende des Jahres 2020 müssen die Bundesländer ermittelt haben, in welchen Gebieten hohe Radon-Konzentrationen zu erwarten sind. Das sind die so genannten Radon-Vorsorgegebiete.

Bestandsgebäude in Radon-Vorsorgegebieten können zum Schutz vor Radon auf freiwilliger Basis saniert werden. Aufgrund der Gefährlichkeit des Gases ist das aber unbedingt anzuraten.

Bauherren privater Neubauten stehen in der Pflicht, das Eindringen von Radon durch bauliche Maßnahmen zu unterbinden.

Befinden sich Arbeitsplätze oder Aufenthaltsräume in Radon-Vorsorgegebieten im Erdgeschoss oder Untergeschoss, müssen Messungen zur Bestimmung der Radon-Konzentration in Gebäuden vorgenommen werden.

Der Referenzwert für die Radon-Konzentration darf im Jahresmittel nicht höher als 300Bq/m³ liegen.

Mess- und Maßnahmenpflicht für Arbeitsplätze, bei denen häufig hohe Radon-Konzentrationen vorkommen können. Zum Beispiel Bergwerke, Radon-Heilbäder oder Wasserwerke

Wie Radon ins Gebäude gelangt

Radon gelangt über Diffusion oder Konvektion in ein Gebäude – also über die Luft. Im direkten Vergleich ist die Menge, die über Diffusion in ein Gebäude gelangen kann, um ein Vielfaches geringer als über Konvektion. Bei der Diffusion spricht man davon, dass das Gas einen Baustoff durch Nutzung der Porenverteilung und der Porengröße durchwandert. Konvektion findet statt, wenn aufgrund von Rissen in der Bodenplatte oder Durchdringungen im an das Erdreich grenzende Bauteil Radon durch ein Druckgefälle in das Gebäude gesogen wird. Gerade im Winter, bei großen Temperaturdifferenzen zwischen dem Erdreich und dem Kellerinnenraum kann viel Radon in das Gebäude gelangen. Dieses sammelt sich dann im Gebäude an und kann über Kanäle, Schächte oder einfach über offene Treppenhäuser in den Rest des Gebäudes gelangen.

Radon Messungen

Gemessen wird die Radon-Konzentration in der Raumluft. Um den Jahresmittelwert gemäß dem Strahlenschutzgesetz bewerten zu können, ist eine Messung von 12 Monaten Dauer nötig. Kurzzeitmessungen über mehrere Tage oder Wochen können nur Tendenzen wiedergeben oder zur Ortung von Leckagen genutzt werden. In den Wintermonaten ist die Radon-Konzentration in der Raumluft tendenziell höher als in den Sommermonaten: Das hängt mit der höheren Temperaturdifferenz zwischen Erdreich und Innenraum sowie dem Druckunterschied zusammen. Für Lang- und Kurzzeitmessungen eignen sich elektronische Geräte, wie zum Beispiel der „Radon Scout Plus“ der Firma Sarad. Elektronische Geräte bieten den Vorteil, dass sie Daten erheben, die am Computer ausgewertet werden können. Diese haben dann einen direkten Zeit / Messwert Bezug.

Passive Messgeräte, wie zum Beispiel der Radonexposimeter Typ „LD“ von Altrac, sind Langzeitmessgeräte (3-12 Monate), die im Gebäude aufgestellt werden müssen und nur im Labor ausgewertet werden können. Der Einsatz dieser passiven Messgeräte ist günstiger als der von elektronischen Geräten – und damit besser geeignet, wenn man mit vielen Geräten messen möchte. Die Auswertung kann dann allerdings nur wie bereits beschrieben im Labor erfolgen, und das Ergebnis ist ein absoluter Wert, der Tagesverläufe oder saisonale Verläufe nicht wiedergibt.

Wie man  sich vor Radon schützen kann

Um sich umfangreich zu schützen, müssen die Maßnahmen im Vorfeld konkret geplant werden. Wichtige Informationen wie etwa die Radon-Konzentration in der Bodenluft oder die spätere Raumnutzung sind wichtige Faktoren. Das Strahlenschutzgesetz fordert, dass das Gas am Eindringen in das Gebäude gehindert werden soll.

Das geht zum einen durch eine dichte Gebäudehülle. Also im Prinzip sehr ähnlich zur Abdichtung gegen Druckwasser. Dafür werden dann Produkte verwendet, die als Radondicht gekennzeichnet sind. Wichtig zu beachten ist, dass ein Wert von 0 Bq/m³ kaum zu erreichen ist. Ziel des Schutzes vor Radon sollte sein, die Radon-Konzentration auf ein vertretbares Maß von unter 100 Bq/m³ zu reduzieren.

Im Neubau

Wird ein Gebäude neu gebaut, bietet das ideale Möglichkeiten, ein System zur Radon-Vorsorge zu installieren. Zur Abdichtung einer neu zu erstellender Bodenplatte bietet sich eine Frischbetonverbundfolie wie „Aquafin-WM12“ an. Diese wird unter der Bodenplatte verlegt und an den Rändern an der Schalung hochgeführt.

Es ist ausreichend, wenn die Frischbetonverbundfolie zur Abdichtung gegen Radon an der Stirnseite etwa 15 cm hochgeführt wird. Der Übergang wird mit einem selbstklebenden Abschlussband wie dem KSK-Abschlussband verwahrt. Wichtig ist, dass das Abschlussband vlieskaschiert ist, um einen kraftschlüssigen Haftverbund mit der nachfolgenden Abdichtung herstellen zu können. Die Wände werden dann mit der reaktiv trocknenden mineralischen Abdichtung „Aquafin-RB400“ abgedichtet. Werden die Wände aus Beton hergestellt, können die Durchdringungen mit gasdichten Rohrdurchführungen wie „Aquafin-PP“ hergestellt werden.

Wird ein Gebäude mit einem gemauerten Keller an einem Ort mit hoher Radon-Konzentration gebaut, ist es ratsam, die Versorgungsleitungen durch die Bodenplatte in das Hausinnere zu führen oder oberhalb der Geländeoberkante. Ergänzend zur dichten Gebäudehülle kann auch eine Radondrainage verbaut werden. Diese arbeitet wie eine Drainage für Wasser: Sie nimmt das Gas auf und führt es ab.

Im Bestand und in der Sanierung

Bei bestehenden Gebäuden wird der Schutz vor Radon komplizierter als im Neubau. Grundsätzlich kann man davon ausgehen, dass ein Gebäude radondicht ist, das gemäß WTA-Merkblatt 4-6 (aktuellste Fassung) mit als radondicht gekennzeichneten Produkten gegen drückendes Wasser abgedichtet wird. Ist ein Freilegen des Gebäudes von außen möglich, bietet es sich an, die vertikale Abdichtung mit „Aquafin-RB400“ herzustellen. Da dieses Produkt innerhalb weniger Stunden trocknet, ist ein schneller Baufortschritt sichergestellt. Bei einer Sanierung wird ohnehin empfohlen, wegen der Standsicherheit des Gebäudes nur maximal zwei Gebäudeseiten freizulegen. Kann das Bauteil nicht freigelegt werden, muss eine Innenabdichtung mit als radondicht gekennzeichneten Produkten ausgeführt werden. Um die Bodenplatte vor dem Eindringen von Radon abzusichern, gibt es mehrere Möglichkeiten. Die Installation eines Radonbrunnens wäre eine Möglichkeit. Dieser kann im Gebäude verbaut werden, direkt unter der Bodenplatte oder an ein bis zwei Gebäudeseiten – nach Größe des Gebäudes.

Eine andere Möglichkeit wäre, die Bodenplatte im Inneren des Gebäudes mit einer Innenabdichtung zu versehen. Diese ist an den Außenwänden hochzuführen, um die Abdichtung der Wände darauf überlappen zu lassen. Hier kann auch gut eine Abdichtung auf Reaktionsharzbasis eingesetzt werden, wie zum Beispiel „Asodur-SG2“. Als weitere Möglichkeit bleibt die Abdichtung der Bodenplatte mit einem flüssig aufzubringenden mineralischen Produkt wie „Aquafin-RB400“. Die Abdichtung auf dem Boden muss in jedem Fall mit einer Schutzschicht wie etwa einem schwimmenden Estrich oder einem Estrich auf Trennlage versehen werden. Die Wände werden dann ebenfalls mineralisch mit „Aquafin-RB400“ abgedichtet. Das hat den Vorteil, dass direkt darauf ein Sanierputzsystem aufgebracht werden kann. Die Abdichtungen an Wand und Boden müssen sich in jedem Fall mindestens 10 cm überlappen. Ist eine Abdichtung keine Alternative, bleibt nur noch eine Variante: Den betroffenen Raum, der für das Eindringen des Radons verantwortlich ist, vom Rest des Gebäudes luftdicht abzukoppeln und entsprechend der Nutzung anzupassen.

Es sollte sich nie nur auf eine dichte Gebäudehülle verlassen werden. Ein mindestens gleich großer Faktor ist der Luftaustausch. Auch ein festgelegtes Lüftungsregime kann die Radon-Konzentration in der Raumluft signifikant reduzieren. Das kann eine natürliche Lüftung über die Fenster sein, oder durch eine installierte Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung. Hierbei ist besonders wichtig, dass nicht einfach nur Raumluft durch Lüfter abgesaugt, sondern auch Frischluft zugeführt wird. Ist das nicht gegeben, entsteht ein noch höherer Unterdruck in dem Gebäude, der dafür sorgt, dass noch mehr Radongas in das Gebäude gelangt.

Wer zu diesem Thema beraten kann

Mittlerweile gibt es in Deutschland speziell ausgebildete Fachkräfte, die bei Radonvorsorgemaßnahmen beratend Bauherren, Bauunternehmern, Architekten und Planern zur Seite stehen können. Das sind so genannte Radonfachpersonen. Zusätzlich erhält man umfangreiche Informationen bei KORA e.V. – Kompetenzzentrum für Forschung und Entwicklung zum Radonsicheren Bauen und Sanieren e.V.

Fazit

Ein Wasserschaden am Gebäude ist ärgerlich, kann aber behoben werden. Ein Schaden am Menschen durch Radon verursacht ist irreparabel. Eine Abdichtung zum Schutz vor Radon kann nie nur ein Produkt sein. Es wird ein ganzes Radon-Vorsorgesystem benötigt, inklusive kompetenter Beratung. Es gibt Lösungen für Neubauten und in der Sanierung, jede für sich muss separat geplant und an die Umstände angepasst werden. Dieser Artikel gibt lediglich einen groben Überblick über das Thema Radon und entsprechende Maßnahmen zum Schutz davor. Umfangreichere Informationen erhalten Sie unter www.schomburg.de, dem „Radonhandbuch“ des Bundesamtes für Strahlenschutz oder auch der Lektüre „Radonschutzmaßnahmen – Planungshilfe für Neu- und Bestandsbauten“ des Staatsministeriums für Umwelt und Landwirtschaft des Freistaats Sachsen.

Autor

Matthias Strohte arbeitet als Produktmanager Bau­werks­abdichtung/-instandsetzung bei der Schomburg GmbH in Detmold.

Produktempfehlungen von Schomburg für radondichtes Bauen

Aquafin-WM12 – Frischbetonverbund Abdichtungsbahn

https://www.schomburg.com/de/de/produkte/aquafin-wm12

Aquafin-RB400 – Schnelle mineralische Bauwerksabdichtung

https://www.schomburg.com/de/de/produkte/aquafin-rb400

KSK-Abschlussband – Bitumenabdichtungsbahn

https://www.schomburg.com/de/de/produkte/ksk-abschlussband

Asodur-SG2 – Epoxidharz-Spezialgrundierung

https://www.schomburg.com/de/de/produkte/asodur-sg2

Aquafin-PP-F – Durchdringungen für den Bau von weißen Wannen

https://www.schomburg.com/de/de/produkte/aquafin-pp-f

Aquafin-PP-W – Durchdringungen für den Bau von weißen Wannen

https://www.schomburg.com/de/de/produkte/aquafin-pp-w

Combidic-2K-Premium – Reaktive 2-K Bitumen-Dickbeschichtung

https://www.schomburg.com/de/de/produkte/combidic-2k-premium

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