Teil 2: Spezialist Trockenbaumonteur

Trockenbaumonteure, die sich weiterbilden und spezialisieren, sichern sich nicht nur ihre Zukunft, sondern schaffen sich auch Perspektiven. Der zweite Teil unserer Trockenbauserie informiert über die zahlreichen Aufstiegs- und Weiterbildungsmöglichkeiten für Trockenbaumonteure.

Nach Beendigung der Ausbildung zum Trockenbaumonteur oder Stuckateur gilt es das erworbene Wissen mit Schulungen und Weiterbildungen zu festigen. Bernd Schindler ist Stuckateur- und Trockenbaumeister und als Anwendungstechniker im Hause Vogl Deckensysteme für die praxisnahen Schulungen verantwortlich. Er rät den Fachleuten zur Weiterbildung: „Als Trockenbaumonteur eröffnen sich viele Möglichkeiten, sich in diesem Beruf über eine konsequente Weiterbildung zu spezialisieren oder auch zu studieren. Der Stuckateur kann nach der Gesellenzeit den Meisterbrief erwerben und sich als Unternehmer selbstständig machen.“ Und der Stuckateurmeister kann sich wiederum als Restaurator, der hochwertige Wand- und Deckengestaltungen sowie Stuckarbeiten unter anderem in der Denkmalpflege ausführt, spezialisieren.

 

Weiterbildung ist das A und O für gute Fachkräfte

Gut ausgebildete Fachkräfte sind eine gesuchte Mangelware, weil diese Spezialisten, „nicht gegen den immer größer werdenden Zuwachs von einfachen ,Schraubern’ aus den osteuropäischen Ländern ausgetauscht werden können“, ergänzt der Projektleiter Innenausbau Carlos Perdigao vom Unternehmen Kaefer Construction. Deshalb sollten die Betriebe für Schulungen und Weiterbildungen sensibilisiert werden. Besonders Schwerpunkte wie Akustik, Brandschutz, VOB, Aufmaß, Arbeitssicherheit, Nachunternehmerumgang, Verwaltung oder die neuesten Arbeitstechniken sollten verstärkt angeboten werden.

Auch der BIG – Bundesverband in den Gewerken Trockenbau und Ausbau e.V. engagiert sich seit vielen Jahren für die Aus- und Weiterbildung im Trockenbau. BIG-Geschäftsführerin Franziska Plesser appelliert an die Unternehmen, dass sie ihre Mitarbeiter zu Weiterbildungen entsenden und beispielsweise an dem BIG-Qualifizierungsprogramm „Pro Trockenbau“, das einem Baukastensystem gleicht und auf den Stufen Maximum, Optimum und Premium aufbaut, teilnehmen. „Wichtig ist, dass alle drei Stufen BIG-Mitglieder als gleichwertiges Qualitätsunternehmen ausweisen – nur mit unterschiedlichen Qualifizierungsgraden“, betont Plesser. Dazu steht den Mitgliedern ein Schulungsfinder zur Verfügung, in dem alle Angebote auf der Verbands-Website nach Region, Zeit und Thema – derzeit 664 Schulungen und Seminare – gelistet sind. „Für Mitglieder der BIG werden über den Schulungsfinder gebuchte Schulungen mit 20 Prozent subventioniert“ erläutert Dipl.-Ing. (FH) Jens Renkwitz.

Die Weiterbildungsmöglichkeiten des Trockenbaumonteurs reichen über Angebote der IHK und der regionalen Bauinnungen bis hin zur Technischen Akademie oder Hochschulen. Neben dem Bautechniker mit Fachrichtung Ausbau an der Staatlichen Technikerschule Alsfeld oder dem Staatlich geprüften Bautechniker mit Schwerpunkt Ausbautechnik an der Staatlichen Kommunalen Beruflichen Schule Vilshofen, lässt sich auch ein Meisterkurs Trockenbau (IHK) zum geprüften Industriemeister Fachrichtung Akustik und Trockenbau absolvieren. „Eine Sonderausbildung wäre der geprüfte Polier Trockenbau“, meint Dipl.-Ing. Emke Emken, Leiter des Bau-ABC Rostrup in Bad Zwischenahn. Die Ausbildung erfolgt in den Ausbildungsstätten in Leonberg oder dem Zentrum Hamm/Westfalen.

 

Zweitägige Schulung am Bau-ABC in Rostrup

Trockenbaumonteur Christoph Thölken, der im letzten Jahr als jahresbester Trockenbaumonteur in Niedersachsen-Bremen sowohl im praktischen als auch im theoretischen Teil beim Bau ABC-Rostrup seine Ausbildung abschloss, möchte entweder aufgrund dieses vielseitigen Berufs zum Bauleiter aufsteigen oder sich mit einem eigenen Betrieb selbstständig machen. Er nahm beispielsweise an der zweitägigen Schulung im KompetenzCentrum Ausbautechnik des Bau-ABC Rostrup und des mittelfränkischen Deckenherstellers Vogl Deckensysteme im Herbst letzten Jahres teil. Das Bau-ABC Rostrup, Bildungszentrum der Bauwirtschaft Niedersachsen-Bremen, besteht seit über 35 Jahren. Am Standort in Bad Zwischenahn werden pro Jahr 1600 Auszubildende in den unterschiedlichen Berufen der Bauwirtschaft ausgebildet. In der Weiterbildung werden im Schnitt an die 8000 Teilnehmer in unterschiedlichen Bauberufen betreut. „Die Baubranche ist sehr weiterbildungsfreudig, da sie einen hohen Technologiestandard hat. So gibt es in Deutschland über 220 Bildungszentren in der Baubranche, die als Motor in diesem Segment sehr gute Perspektiven anbieten“, sagt Emken.

Gerade was die Anwendungstechniken betraf, gab es für Christoph Thölken im Bau-ABC Rostrup viele wichtige Neuerungen. Produktmanager Benedikt Roos und Anwendungstechniker Bernd Schindler von Vogl Deckensysteme zeigten den Auszubildenden zum Trockenbaumonteur im dritten Ausbildungsjahr und ihrem Lehrwerksmeister Heiko Janssen dort die Möglichkeiten der optimalen Installation einer Akustikdesigndecke. In Gruppen – mit jeweils drei bis vier Personen – wurde an einer Deckenfläche in den Maßen 4 x 4 m trainiert.

 

Praxisnahe Anwendungstechniken

Den Part der theoretischen Wissensvermittlung übernahm Benedikt Roos. Er stellte die vielfältigen Akustikdesigndecken vor und erörterte, in welchen Gebäuden diese eingebaut werden können. Gleichfalls bildete die Schulung mit der Vorstellung der Unterkonstruktionskomponenten und deren Einsatzgebieten einen sehr wichtigen Teil. Denn nur auf einer planebenen Unterkonstruktion lassen sich die Akustikdecken perfekt montieren. Ein abschließender Wissens-Check festigte bei den Auszubildenden ihre in der Schulung erworbenen Kenntnisse. „Besonderen Wert legten wir auf den richtigen Umgang mit gelochten Platten. Aber auch das präzise Zuschneiden der Akustikdesignplatten stand im Vordergrund“, so der Produktmanager. „In den einzelnen Gruppen wurde beispielsweise die Unterkonstruktion aus CD-Profilen gebaut, aber auch eine Dehnungsfuge in der Raummitte angeordnet sowie verschiedene Wandanschlüsse ausgeführt“, erzählt Christoph Thoelken. Besonders gefiel ihm, dass es viele Neuerungen gab und auch die Möglichkeit der Deckengestaltung anhand der neuesten Hilfsmittel vorgestellt wurden. Darüber hinaus wurden die unterschiedlichen Wandanschlüsse mit aufgesetztem Fries – im Trockenbau die Königsdisziplin – genauso trainiert wie der Wandanschluss mit offener Schattenfuge.

Bei den praktischen Übungen waren die Teilnehmer von der einfachen Ausbildung eines Frieses mit dem Friestape-Set und von der Anwenderfreundlichkeit der VoglFuge sehr angetan. Denn nach dem Stoß-an-Stoß-Verlegen der Platte wendet hier der Trockenbauer diese einzigartige Fugentechnik an: Die VoglFuge kommt mit ihrem gummierten Strip zum Einsatz. Dieser wird in der Mitte auf den feuchten Flüssig-spachtel auf dem Plattenstoß platziert, mit dem Daumen fixiert und der Plattenstoßbereich mit dem Flüssigspachtel satt überdeckt. Nach erfolgter Trocknung werden noch die Schraubenköpfe in der Plattenmitte verspachtelt und die Fugenoberfläche mit dem Egalisierungspapier in Fugenrichtung geglättet. Auf ein intensives Schleifen kann verzichtet werden. „Diese perfektionierte Technologie sollte sich in die überbetriebliche Ausbildung integrieren. Wir wollen das zukünftig über eine Kooperation erreichen. Hersteller haben ein Interesse, ihre hochwertigen Produkte von Top-Fachleuten auf hohem Niveau verarbeiten zu lassen. Zudem gibt es eine sinnvolle Symbiose mit den Herstellern und dem überbetrieblichen Bildungszentrum,“ meint Emke Emken. Außerdem bietet das Unternehmen Vogl Deckensysteme in seinem Kompetenzzentrum für interessierte Trockenbaufachleute wöchentliche Kurse an (www.vogl-deckensysteme.de).

 

Weiterbildung für den Trockenbaumonteur

Ein sechsmonatiger Lehrgang am Ausbildungszentrum der Bauindustrie in Hamm zum Industriemeister – Fachrichtung Akustik und Trockenbau – begann am 12. September und wird in drei Teilen angeboten. Vorausgesetzt werden Kenntnisse der Baustatik, des klimabedingten Feuchteschutzes, des Schall- und Wärmeschutzes sowie des konstruktiven Brandschutzes. Zugelassen zur Prüfung wird, wer erfolgreich eine Abschlussprüfung im anerkannten Ausbildungsberuf Trockenbaumonteur/in ablegte und eine mindestens zweijährige einschlägige Berufspraxis erwarb oder eine mit Erfolg abgelegte Prüfung in einem anderen gewerblich-technischen oder handwerklichen Ausbildungsberuf mit einer mindestens dreijährigen einschlägigen Berufspraxis oder eine mindestens sechsjährige einschlägige Berufspraxis im Trockenbau vorweisen kann. Aber auch zum Fachwirt Trockenbau an der Techni­schen Akademie Wuppertal e. V. (TAW), an der Hochschule Augsburg zum Fachingenieur mit entsprechen­der Allgemeiner Hochschulreife oder Fachhochschulreife ist eine Qualifizierung möglich. Oder beispielsweise auch zum Diplom-Ingenieur Innenausbau (FH), Bachelor of Engineering (Bauwirtschaftsingenieurwesen mit Schwerpunkt Innenausbau) sowie Master of Engineering – hier ist die Voraussetzung der Dipl.-Ing. Innenausbau – ist eine Ausbildung möglich. „Als einziger Trockenbauverband unterstützen wir die Aus- und Weiterbildung an den Hochschulen. Beispielsweise an der Hochschule Rosenheim den Studiengang Innenausbau und an der Augsburger Hochschule den Fachingenieur Ausbau,“ so Franziska Plesser. Seit 2010 gibt es auch die Möglichkeit die Meisterausbildung als Nebenberufliche Weiterbildung zu absolvieren. Dazu hat die Online Meisterschule GmbH gemeinsam mit der IHK Erfurt den „Industriemeister Fachrichtung Akustik- und Trockenbau“ neu aufgelegt. Durch die Online Meisterschule GmbH können Gesellen und selbständige Unternehmer in Industrie und Handwerk die Meisterausbildung zu einem Drittel der Kosten, die bei einer herkömmlichen Meisterausbildung anfallen, nebenberuflich und ohne Verdienst- und Produktionsausfall in nur 14 Monaten absolvieren.

Gut ausgebildete Fachkräfte sind eine gesuchte Mangelware

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