Umbau des Weserrenaissance-Museums im Schloss Brake in Lemgo

Im Schloss Brake in Lemgo befindet sich seit 1989 das Weserrenaissance-Museum. Der Landesverband Lippe hat in den Umbau des Erdgeschosses kürzlich knapp zwei Millionen Euro investiert. Einen wesentlichen Beitrag zum Umbau leisteten die Mitarbeiter des Ausbaubetriebs Baumanagement Andrä.

Schloss Brake wurde ab 1587 als Residenz der Grafen zur Lippe im Stil der Renaissance ausgebaut. Es ist von einem Wassergraben umgeben und steht auf den Grundmauern einer der größten mittelalterlichen Burgen Norddeutschlands. Der markante Turm macht es zum weithin sichtbaren Wahrzeichen der Alten Hansestadt Lemgo. Die Gebäude im näheren Umfeld des Schlosses, zu denen historische Mühlen und ein ehemaliges Waschhaus gehören, vermitteln noch heute ein eindrucksvolles Bild einer frühzeitlichen Residenz. Der augenscheinlich beste Ort also, um Besuchern die faszinierende Epoche der Renaissance näher zu bringen. Auf einer Nutzfläche von rund 3500 m2 vermittelt die Sammlung des Weserrenaissance-Museums einen Überblick über die Kulturgeschichte des 16. und frühen 17. Jahrhunderts.

Trockenbau war Schwerpunkt beim Umbau des Museums im Erdgeschoss 

„Im Rahmen der Umbaumaßnahmen wurden speziell an den Trockenbau verschiedene Anforderungen gestellt“, erinnert sich Gerold Andrä, Betriebsleiter von Baumanagement Andrä. „Brandschutzdecken und -wände mussten errichtet, ausgefallene Akustikdeckensegel gestaltet und installiert werden. Die Ausformung geschwungener Wandkonstruktionen forderte unsere Mitarbeiter ebenso wie die Umsetzung eines von oben begehbaren Raum-in-Raum-Systems. Dank intensiver Abstimmung mit dem verantwortlichen Architekturbüro Schwakenberg / Bley aus Lemgo und den Technikern unseres Ausbaupartners Rigips haben wir für jede Herausforderung eine mehr als überzeugende Lösung finden können.“

Statische Berechnung für die Brandschutzdecke 

Eine der ersten Aufgaben bestand in der Herstellung einer selbstständigen F 90-Brandschutzdecke in einem der großen Ausstellungs- und Vortragssäle. Sie soll im Brandfall sowohl die Deckenunterseite als auch die vorhandenen und neu eingezogenen Stahlträger schützen. Die Besonderheit: Die Unterkonstruktion der rund 300 m2 großen Brandschutzdecke sollte für die Aufnahme von zusätzlichen Lasten bis zu 15 kg/m2 ausgelegt sein, gleichzeitig aber mit einem erweiterten Befestigungsabstand der Nonius-Abhänger von 1250 mm ausgeführt werden. Regulär wäre in dem entsprechenden Rigips-System SD11RF ein Abstand von 750 mm einzuhalten gewesen. „Aufgrund der Stahlträger sowie einiger Kabelkanäle unter den Trägern hatten wir keine Möglichkeit, das eigentlich geforderte Raster für die Nonius-Abhänger umzusetzen. Unser Ziel war es dennoch, die Unterkonstruktion so auszuführen, dass sämtliche Unterbauten direkt an dieser montiert werden konnten, ohne dass zum Beispiel Gewindestangen oder andere zusätzliche Befestigungen für Deckensegel und Leuchten durch die Brandschutzdecke geführt werden mussten“, erklärt Gerold Andrä. In Abstimmung mit dem Ausbauteam führten die angefragten Rigips-Techniker eine zusätzliche Statikberechnung durch. Die Lösung bestand in einer Reduzierung der Achsabstände sowohl der Grund- als auch der Tragprofile auf 400 mm. Beplankt wurde die so ausgebildete Unterkonstruktion mit zwei Lagen Rigips „Die Dicke“ in je 20 mm Dicke.

Weiße Deckensegel auf schwarzem Grund 

Neben den brandschutztechnischen Vorgaben galt es an der Decke auch die ästhetischen Vorstellungen von Architekt und Bauherr umzusetzen. Damit die später anzubringenden weißen Akustikdeckensegel optimal zur Geltung kommen, sollte die gesamte Brandschutzdecke eine schwarze Beschichtung erhalten. Hierfür wurde die Deckenfläche vom Ausbauteam zunächst mithilfe des Rigips „Vario“ Fugenspachtels und der „ProMix Plus“ Fertigspachtelmasse auf Q 3 gebracht. Anschließend beschichteten die Handwerker die Deckenfläche mit einer speziellen Farbstoffkomponentenmischung im Spritzverfahren.

Die eigentliche Herausforderung stand mit der Planung und Montage der Deckensegel jedoch erst noch bevor: Geplant waren insgesamt zehn nahezu raumbreite, mit akustisch wirksamen „Rigitone Air“ Lochplatten beplankte Deckensegel, die nach der Idee der Architekten eine moderne Interpretation des Deckenbildes historischer Holzbalkendecken aus dunklen Balken und hell geputzten Deckenfeldern darstellen. Laut Deckenplan sollten diese so angeordnet werden, dass zwischen allen Segeln der exakt gleiche Abstand gewährleistet ist. „Da der Saal jedoch nicht absolut gerade verläuft, sondern in seiner rechteckigen Form eine leichte Biegung aufweist, mussten einige dieser Deckensegel in leicht konischer Form hergestellt werden. Eine weitere Herausforderung stellte der umlaufende geschlossene Fries an allen Deckensegeln bei gleichbleibendem Lochbild dar“, so Gerold Andrä.

Die ursprüngliche Idee, die Lochplatten werkseitig mit einem aufgekanteten Winkel und dem vom Architekten gewünschten umlaufend geschlossenen Fries mit 150 mm Breite vorzufertigen, musste fallengelassen werden. Die gleichbleibenden Abstände in Abhängigkeit von Lochbild und Friesbreite kollidierten mit dem machbaren Werkfertigungsmaß. Die Lösung bestand in der Fertigung von glatten Formteilen für die Friesbreite von 150 mm inklusive einer 120-Grad-Aufkantung. Sie verhindert im fertig montierten Zustand, dass die Unterkonstruktion von unten einsehbar ist. „Auf diese Weise haben wir sowohl ein gleichmäßiges Lochbild als auch die fixen Abstände zwischen den Segeln sicherstellen können. Die einzige Herausforderung bestand im sehr genauen Zuschnitt der Lochplatten. Die Lochstanzungen im Randbereich durften nicht beschädigt werden, um später ein optimales Anspachteln der Fries-Formteile zu ermöglichen.“

Ästhetischen Ansprüchen entsprach das Trockenbauteam auch an anderen Stellen im Weserrenaissance-Museum. So wurde etwa ein Treppenaufgang mit gebogenen Rigips GK-Form Platten verkleidet, in die oberflächenbündige LED-Lichtbänder eingearbeitet wurden.

Raum-in-Raum-System mit massiver Trockenbauplatte 

Die Sanitärräume sollten in Form eines Raum-in-Raum-Systems hergestellt werden. Durch die Vielzahl von Lüftungskanälen und anderen Installationen sowie der weißen Deckensegel war es nicht möglich, die Wände der einzelnen Raumzellen an der Rohdecke zu befestigen. Darüber hinaus sollte das „RigiRaum“ System in einer zu Wartungszwecken von oben begehbaren Variante ausgeführt werden: Gefordert war eine sichergestellte Lastenaufnahme von mindestens 150 kg/m2. „Die Raumzellen sollten äußerst robust sein und über einen guten Schallschutz verfügen. Vor allem aber sollte es möglich sein, im Inneren wie von außen Lasten an den Wänden zu befestigen, ohne diese vorher mit Traversen oder OSB-Platten zu verstärken“, so Gerold Andrä.

Aus statischen Gründen wäre im ausgewählten „RigiRaum“ System lediglich eine je Wandseite zweilagige Beplankung mit der Hartgipsplatte „Die Harte“ notwendig gewesen. Um den zusätzlichen Anforderungen für die Lastenbefestigung gerecht zu werden, entschieden sich die Trockenbauprofis für den Einsatz einer Mischkonstruktion: Auf eine erste Lage 12,5 mm „Die Harte“ montierten sie eine Lage der massiven Trockenbauplatte „Habito“ (ebenfalls 12,5 mm). An ihr können selbst schwere Lasten mit einfachen Schrauben und ohne weitere Verstärkungen befestigt werden, so dass die Wände problemlos etwa zu Ausstellungszwecken genutzt werden können. Als aussteifende und begehbare Beplankungslage wurden abschließend auf der Oberseite der Decke 22 mm dicken, tragfähige Holzwerkstoffplatten als Lastverteilung aufgelegt und mit einem Abstand von 250 mm mit den UA-Profilen verschraubt. Die Platten wurden dabei über mindestens zwei Felder spannend und im Verband verlegt.  

Fazit 

„Die Umbaumaßnahmen im Weserrenaissance-Museum waren gleichermaßen abwechslungsreich wie komplex. Die fachgerechte Umsetzung aufwändiger Brand- und Schallschutzkonstruktionen war genauso gefordert, wie die optisch einwandfreie Verarbeitung etwa im Bereich der Deckensegel und der geschwungenen Wandkonstruktionen. Zu dem überzeugenden Endergebnis hat insbesondere die gute Zusammenarbeit mit dem Architekturbüro und den verantwortlichen Technikern bei Rigips beigetragen“, so das Resümee von Gerold Andrä.

Autor

Dennis Pietrzyk ist als Fachberater Trockenbau bei der Saint-Gobain Rigips GmbH in Düsseldorf tätig.

Baubeteiligte (Auswahl)

Bauherr Landesverband Lippe, Lemgo  

Planung Schwakenberg / Bley Architektenpartnerschaft mbb, Lemgo, www.schwakenberg.de  

Ausbauarbeiten Baumanagement Andrä, Blomberg 

Fachberater Trockenbausysteme Dennis Pietrzyk, Saint-Gobain Rigips, Düsseldorf, www.rigips.de

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