Fassadenreinigung: Mobile Anlage filtert Prozesswasser

Malermeister Peter Fuchs aus Neunkirchen-Seelscheid hat eine mobile Filteranlage entwickelt, die Prozesswasser, das bei der Fassadenreinigung anfällt, so gut reinigt, dass es nahezu Trinkwasserqualität hat. Aktuell sucht er nach Investoren, um seine Erfindung bis zur Marktreife weiterzuentwickeln.

Gesetze und Vorschriften, die regeln, welchen Qualitätsanforderungen Wasser genügen muss, wenn es in eine Kanalisation eingeleitet werden soll, gibt es nicht erst seit gestern. Früher war es üblich – und auch erlaubt – das eigene Auto auf dem Hof zu waschen, wobei Schmutz und Ölrückstände ins Erdreich oder in die Kanalisation gelangen konnten. Heute weiß eigentlich jeder, dass man sein Fahrzeug nur in speziellen Anlagen waschen darf, die so beschaffen sind, dass das anfallende Prozesswasser komplett aufgefangen und aufbereitet wird. Prinzipiell gelten für Abwässer, die bei der Reinigung von Fassaden anfallen, die gleichen Grenzwerte und Vorschriften – wobei man zwischen Bundes- und Landesgesetzen sowie den Satzungen der Kreise und Städte unterscheiden muss. Vereinfacht gesagt: Das zur Fassenreinigung eingesetzte Wasser darf nicht ins Erdreich gelangen, sondern muss komplett aufgefangen werden. Bevor es in die Kanalisation eingeleitet werden darf, muss es gereinigt werden und sichergestellt sein, dass die entsprechenden Grenzwerte eingehalten werden. So weit – so bekannt! Oder doch nicht? Schaut man auf die gängige Praxis, könnte man auf die Idee kommen, es gebe gar keine Gesetze, sondern nur unverbindliche Empfehlungen. Wie sonst ist es zu erklären, dass es die von Malermeister Peter Fuchs entwickelte Apparatur nicht schon längst zu kaufen gibt?

Fassaden: erst reinigen – dann beschichten

„Ich biete grundsätzlich bei jeder Fassadenbeschichtung eine vorherige Reinigung mit an, denn ich möchte meinen Kunden nicht nur innerhalb der Gewährungszeit, sondern auch nach fünf bis zehn Jahren noch in die Augen schauen können“, erklärt Malermeister Peter Fuchs, dessen gleichnamiger Betrieb in Neunkirchen-Seelscheid angesiedelt ist. Denn ohne eine Reinigung der Fassade könne kein sicherer Verbund der neuen Farbschicht mit dem Untergrund hergestellt werden. Als professionelles Unternehmen sei er bei der Ausführung einer Fassadenreinigung aber an die entsprechenden Vorschriften gebunden. „Ich muss sicherstellen, dass das Reinigungswasser nicht ins Erdreich gelangt, sondern aufgefangen wird. Dann kann ich es entweder teuer als Sondermüll entsorgen oder eine Genehmigung zur Einleitung in den Schmutzwasserkanal beantragen. Um die zu erhalten, muss ich das Wasser untersuchen lassen und nachweisen, dass die Grenzwerte eingehalten werden. Das ist in der Praxis kein gangbarer Weg“, findet Fuchs, der mit seinem drei Gesellen großen Betrieb nicht nur alle üblichen Malerarbeiten und Wärmedämmsysteme ausführt, sondern auch eine Fortbildung zum Schimmelsanierer absolviert hat. Knackpunkt ist vor allem, dass man eine Abwasserprobe einreichen muss, und es dauert mindesten zehn bis 14 Tage, bis die Ergebnisse der Laboruntersuchungen vorliegen. „Ich habe daher nach einer Anlage gesucht, die das Prozesswasser direkt auffängt und reinigt, so dass man es ohne weiteres einleiten oder als Reinigungswasser wiederverwenden kann.“ Zu seiner großen Über­raschung – wie gesagt, die Gesetze sind nicht neu – musste er dabei feststellen, dass es eine kompakte, mobile und für kleine Handwerksbetriebe erschwingliche Anlage auf dem Markt schlicht nicht gibt. Jedenfalls keine, die das Prozesswasser gut genug reinigt, um von den Behörden eine Genehmigung zur Einleitung zu erhalten. So machte er sich daran, selbst eine solche Apparatur zu entwickeln.

Feuerprobe bestanden

„Häufig läuft es ja nach der Devise: wo kein Kläger, da kein Richter. Wenn man aber Pech hat, wie ein Kollege, dann wird man in Haftung genommen und muss unter Umständen nicht nur den Austausch des Bodens sowie dessen fachgerechte Entsorgung bezahlen, sondern auch neues Erdreich anfüllen und beleben. Die entstehenden Kosten können ganz schnell existenzbedrohende Ausmaße annehmen.“ Noch teurer könne es werden, wenn man das belastete Wasser zwar auffange, aber dann unbehandelt in die Kanalisation leite und dadurch ein Schaden in der Kläranlage entstehe. Dieses Risiko möchte der Handwerksmeister nicht eingehen, zumal er es auch nicht mit seinem Gewissen vereinbaren könnte, mit Farbresten, Schwermetallen und anderen schädlichen Substanzen – die sich an der Fassade ablagern oder die aus Putzen und Beschichtungen ausgewaschen werden – belastetes Wasser in die Umwelt gelangen zu lassen.

Deshalb hat er aus Teilen, die frei erhältlich, teilweise aber für andere Anwendungen gedacht sind, einen funktionierenden Prototypen gebaut, der durch eine mehrstufige Filteranlage die meisten Schadstoffe aus dem Wasser herausholt. Seine Feuerprobe hat die ­Apparatur bei der Reinigung in einem Industriebetrieb, der Waschmittel produziert, bestanden. Das ist die Firma Thurn Produkte in Neunkirchen, zu der auch noch ein großes Werk in Greven gehört. Die Laboruntersuchung des Aggerverbandes, eines Gummersbacher Wasserverbandes, attestierten dem damit behandelten Wasser, dass es völlig unbedenklich ist und in die Kanalisation eingeleitet werden durfte. Der Anteil an Schwermetallen und anderen Schadstoffen wurden nachweislich drastisch gesenkt.

Kombination von Standard-Bauteilen

Als Gehäuse für den Prototypen der Filteranlage dient ein Lebensmitteltransportschrank, den er auf den Rücken gelegt hat. An der Unterseite befestigte er Rollen, die machen das Gerät mobil. Außerdem hat Peter Fuchs eine Trennwand eingebaut, um auf einer Seite das anfallende Wasser anstauen zu können. In diesem Teil der Anlage kommt das Reinigungswasser an und wird zunächst frei über mehrere Lagen von Filtermatten geleitet, die grobe Schmutzteile zurückhalten. Das so vorbehandelte Wasser wird dann von einer leistungsfähigen Pumpe durch drei weitere Filterstufen gefördert – die letzte ist ein Kohlefilter – die selbst kleinste Partikel nahezu vollständig herausholen. Das Ergebnis ist ein praktisch Schadstoff freies Wasser, das man in die Kanalisation einleiten oder direkt als Reinigungswasser weiterverwenden kann.

Nicht zur Anlage gehört das eigentliche Reinigungsgerät. Peter Fuchs verwendet dafür einen handelsüblichen Industriesauger, an dem ein Saugkopf mit rotierenden Düsen montiert ist, die ebenfalls mit einem herkömmlichen Hochdruckgerät betrieben werden. Der Sauger enthält auch einen einfachen Netzfilter, der grobe Schmutzpartikel zurückhält, sowie eine Pumpe, die das Wasser aus dem Gerät befördert. Der Ablauf des Saugers wird mit Anschlüssen, wie sie im Gartenbedarf üblich sind, mit der selbstgebauten Filteranlage verbunden.

Ein großer Vorteil des Systems ist es, dass man sich das zeitaufwendige Anbringen einer Auffangwanne sparen kann. Außerdem benötigt man auch keinen großen Behälter, um das Prozesswasser zu speichern, da es entweder direkt eingeleitet oder sofort wieder dem Hochdruckgerät zugeführt werden kann. Allerdings setzt Peter Fuchs, der mit der Anlage schon mehr als 30 Fassaden gereinigt hat, immer zwei Leute für die Arbeit ein. Einer bedient den Reinigungskopf, und der andere führt den Saugschlauch nach.

Möglichkeiten zur Optimierung

„Die ganze Anlage müsste man natürlich noch viel kompakter und leichter bauen. Außerdem sollte man noch Manometer zwischen den Filterstufen installieren, um am Druck erkennen zu können, wann eine Filterpatrone gewechselt werden muss“, zählt Peter Fuchs weitere Verbesserungsmöglichkeiten auf. Auch ein Ionisator sei denkbar, um den pH-Wert des Wassers beeinflussen zu können. Der wird durch die Filter nämlich nicht verändert, und manche Behörden schreiben vor, wie sauer oder basisch das eingeleitete Wasser maximal sein darf. Grobschmutz könnte man auch durch einen Filter abscheiden, der die Zentrifugralkraft des einströmenden Abwassers nutzt und die schwereren Schmutzteilchen separat in ein Behältnis abführt. Für die unterschiedlichsten Anforderungen können individuell verschiedene Filtermedien eingesetzt werden. Wie man seine als Gebrauchsmuster geschützte und zum Europapatent angemeldete Anlage kompakter machen kann, hat Peter Fuchs von der Filter Profitlich Maschinenbau GmbH in Bad Honnef untersuchen lassen. Herausgekommen ist ein knapp 90 cm breiter, 1,40 m hoher Wagen, der sich wie eine Schubkarre bewegen lässt und als Einzelanfertigung, je nach Ausstattung, zwischen 3000 und 4000 Euro kosten würde.

„Ich habe für die Teile zum Bau meines Prototyps weniger als 2000 Euro ausgegeben. Ein größerer Hersteller könnte die Anlage sicherlich deutlich kompakter und günstiger produzieren und zu einem für kleinere Handwerksunternehmen erschwinglichen Preis anbieten“, meint Peter Fuchs. Ihm selbst fehle es aber nicht nur an den finanziellen Mitteln, um die Anlage zur Marktreife weiterzuentwickeln, zu produzieren und zu vermarkten, sondern auch an der Bereitschaft, so kurz vor dem absehbaren Ende seines Berufslebens, ein derartiges finanzielles Wagnis einzugehen.

Deshalb sucht er einen Investor, der ihm entweder die Rechte an der Erfindung komplett abkauft oder ihn am Umsatz beteiligt. „Die Anlage würde doch ideal ins Portfolio eines Herstellers von Saugern oder Hochdruckreinigern passen“, meint Fuchs. Man könnte doch auch die Absaugvorrichtung und die Filteranlage kombinieren und so eine mobile Absauganlage haben, die überall einzusetzen wäre. Auch eine größere Ausführung auf einem Anhänger, beispielsweise zur Reinigung von Löschwasser, sei denkbar. Neben der Fassadenreinigung könnten solche Filteranlagen auch bei der Sanierung der Schäden von Wohnungsbränden oder in Werkstätten und Werften eingesetzt werden, also überall dort wo Schmutzwasser anfällt.

Wachsender Markt

Im Bereich der Fassadenreinigung wird der Bedarf für solche Anlagen zukünftig wohl eher zu- als abnehmen, verursacht durch die steigende Zahl verbauter Wärmedämm-Verbundsysteme. Bedingt durch die Dämmwirkung dieser Außenwände dringt die Heizungswärme der Innenräume nicht mehr bis in die Putzoberflächen der Systeme vor. Dadurch trocknen sie langsamer ab, was Algenwachstum begünstigt. Und selbst wenn die verarbeiteten Putze oder Beschichtungen algizid oder fungizid eingestellt sein sollten, können diese Zusätze bei der Entfernung von normalem Staub und Schmutz ausgewaschen werden und das Prozesswasser belasten.

Autor

Thomas Schwarzmann ist Redakteur der Zeitschriften bauhandwerk und dach+holzbau.

Malermeister Peter Fuchs

Hennefer Straße 29

53819 Neunkirchen-Seelscheid

Tel.: 02247/912626

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www.malermeister-peter-fuchs.de

Betriebsgröße Seit 34 Jahren bietet Malermeister Peter Fuchs alle Arbeiten rund um das Malerhandwerk an. Er beschäftigt drei erfahrene Malergesellen, außerdem arbeitet Ehefrau Beatrix Fuchs-Bachmann nebenberuflich im Büro mit.

Arbeitsschwerpunkte Innen- und Außenanstriche, Tapezieren, Renovieren, farbige Raumgestaltung, Schimmelsanierung, Wärmedämmung, Reinigung mit Strahltechnik, Fassadenreinigung