Kolossalfigur des Antinous am Berliner Schloss montiert

Mitte Juni wurde auf der Baustelle des Berliner Schlosses die Kolossalfigur des Antinous am großen Portal im Schlüterhof montiert. Ein weiterer Schritt auf dem Weg zum Humboldt Forum, das im September 2019 eröffnet werden soll.

Über den Baufortschritt am Berliner Schloss haben wir in bauhandwerk immer wieder berichtet: Von den Arbeiten an den Tonmodellen in der Schlossbauhütte, über die Montage der ersten danach angefertigten Figuren und Schmuckelemente aus Sandstein, das Richtfest bis hin zu den Arbeiten an den dicken Ziegelmauern.

Angefangen hatte aber alles schon vor mittlerweile fünfzehn Jahren, als der Bundestag entschieden hatte, das Berliner Schloss wiederaufzubauen. Geeinigt hatte man sich damals auf die so genannte Barock­lösung, also den Wiederaufbau dreier historischer Fassaden und die Rekonstruktion des Schlüterhofs. Den als Humboldt Forum ausgeschriebenen Architekturwettbewerb um den Wiederaufbau des Schlosses gewann 2008 der italienische Architekt Franco Stella. Anfang 2012 stellte man auf dem Bauplatz erst mal ein Stück Musterfassade im originalen Maßstab auf und im Juni des gleichen Jahres begannen die Gründungsarbeiten. Die wesentlichen Arbeiten fanden zu diesem Zeitpunkt für die Öffentlichkeit unsichtbar in der Schlossbauhütte statt, in der die Bildhauer rund 300 Modelle in Ton modellierten.

Vom Tonmodell zur Sandsteinfigur

Schwarzweißfotografien und Pläne dienten den Bildhauern der Schlossbauhütte als Grundlage für ihre Modellarbeiten. Je nach Größe und Komplexität ist ein Handwerker mit einem Werkstück ein halbes Jahr und mehr beschäftigt. Wenn der Modellbildhauer mit seiner Arbeit fertig ist, formt der Stuckateur anschließend das fertige Tonmodell mit Silikon ab und gießt die Form mit Gips aus. Der Gipsabguss dient wiederum dem Steinbildhauer als Grundlage für seine Arbeit. Das Übertragen der Form des Gipsabgusses mit dem Punktiergerät auf den Sandstein ist für die Steinbildhauer eine handwerklich sehr aufwendige und anspruchsvolle Arbeit. Verständlich, dass man für einfachere Werkstücke, die in größerer Zahl hergestellt werden musste, zur CNC-Technik gegriffen hat.

3 m hohe Figur am Portal des Schlüterhofs montiert

Bei den Figuren, die die Säulen am großen Portal im Schlüterhof schmücken werden, handelt es sich selbstverständlich um handwerklich in Sandstein gearbeitete Figuren. Die Mitte Juni dort montierte Kolossalfigur des Antinous ist eine von insgesamt acht Figuren. Das Original der Kolossalfigur von Andreas Schlüter existiert bereits seit langem nicht mehr. Die Nach­bildung aus dem 19. Jahrhundert, wahrscheinlich aus der Werkstatt von Reinhold Begas, wurde vor der Sprengung des Schlosses im Herbst 1950 gerettet. Sie soll später im Skulpturensaal des Humboldt Forums zu sehen sein. Von ihr haben die Steinmetze die neue etwa 3 m hohe Sandsteinfigur kopiert.

 

Autor

Dipl.-Ing. Thomas Wieckhorst ist Chefredakteur der Zeitschriften bauhandwerk und dach+holzbau.

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