Praxistest des Trockenbauschraubers Hilti SD 5000-A22

Hilti bietet mit dem „SD 5000-A22“ einen akkubetriebenen Trockenbauschrauber an, der entweder mit einem normalen Bithalter mit Tiefenanschlag benutzt wird, um lose Schrauben zu verarbeiten, oder optional mit verschiedenen Schraubenmagazinen kombiniert werden kann.

Bei vielen Herstellern muss man sich beim Kauf eines Trockenbauschraubers entscheiden, ob man magazinierte oder lose Schrauben verarbeiten will. Hilti lässt den Kunden beim akkubetriebenen Trockenbauschrauber „SD 5000-A22“ die Wahl, ob er ihn mit normalem Bithalter mit Tiefenanschlag benutzen will oder ihn optional mit einem der verschiedenen Schraubenmagazine kombiniert. Nachdem wir auf einer Baustelle in Rietberg schon das Setzgerät „BX 3“ ausprobiert haben, um Wand- und Deckenprofile zu befestigen (siehe bauhandwerk 3.2018), testen wir beim Beplanken der Konstruktion den „SD 5000“ in Kombination mit dem Magazin „SD-M 1“.


Dieses Magazin kann mit magazinierten Schrauben bis maximal 35 mm Länge bestückt werden. Wer längere Schrauben verwenden will, dem steht das Magazin „SD-M 2“ zur Verfügung, das bis zu 51 mm lange Schrauben aufnehmen kann.

Der kann nichts, außer Trockenbau - und das kann er gut

Schrauber gehören zu den ersten Elektrowerkzeugen im Bauhandwerk, die ohne Netzkabel angeboten wurden. Mittlerweile gibt es wohl kaum noch einen Handwerker, der nicht einen oder sogar mehrere verschiedene Akkuschrauber für unterschiedliche Zwecke im Einsatz hat. Damit gehören diese Geräte zu den am besten entwickelten netzunabhängigen Elektrowerkzeugen, was dazu führt, dass es praktisch keine schlechten Geräte am Markt mehr gibt. Jedenfalls nicht unter den Topmodellen der Profi-Marken. Daher kaufen viele Handwerker Akku-Schrauber der Marke, die sie schon immer bevorzugt haben, beziehungsweise die zur Akku-Plattform ihrer anderen netzunabhängigen Elektrowerkzeuge passt.

Trockenbauschrauber sind eine spezielle Kategorie von Schraubern, die man für nichts gebrauchen kann – außer zum Trockenbau. Denn diese Akkuwerkzeuge haben in der Regel im Vergleich zu „normalen“ Akku­schraubern ein geradezu lächerlich kleines Dreh­moment, das es unmöglich macht, etwas dickere oder längere Schrauben zu verschrauben. Auch zum Bohren taugen sie nicht, denn die Welle mit dem 1/4“ Innensechskant kann nur Bits oder Bithalter aufnehmen. Bohrfutter? Fehlanzeige! Und selbst für normale Schraubanwendungen mit kurzen, dünnen Schrauben sind diese Maschinen nicht gut geeignet, da sich der Bit nur dreht, wenn man die Maschine andrückt. Ein gefühlvolles Einschrauben ist so nicht möglich, zumal die Drehzahl viel höher ist, als bei normalen Schraubern und auch nicht regelbar.

Hohe Drehzahl

Alle diese Eigenschaften sind jedoch keine Nachteile, sondern Ausdruck der Spezialisierung auf den Trocken­bau. Um eine Schnellbauschraube durch eine Gipskartonplatte und das dahinterliegende Metallprofil zu treiben, ist kein hohes Drehmoment nötig, denn diese Schrauben haben eine geringe Gewinde­steigung und kleine Durchmesser, so dass kaum Reibung im Material auftritt. Dafür ist aber eine hohe Drehzahl hilfreich, damit die Schrauben schnell fassen. Das gilt besonders für selbstbohrende Schrauben.

Sehr wichtig ist bei Trockenbauschraubern ein zuverlässiger und genau justierbarer Tiefenanschlag. Da sich im Trockenbau das Einschraubmoment während des Schraubvorgangs kaum verändert, selbst dann nicht, wenn der Schraubenkopf den Gipskarton erreicht, kann dieser Anschlag nicht wie bei normalen Schraubern über das Drehmoment realisiert werden. Stattdessen haben Trockenbauschrauber in der Regel eine mechanische Tiefeneinstellung, durch die bei der gewünschten Einschraubtiefe die Schraubklinge den Kontakt zur Schraube verliert.

Erschwerte Bedingungen

Der „SD 5000-A22“ basiert auf der 22-Volt-Akkuplattform von Hilti, was praktisch ist, weil so die Akkus beispielsweise mit dem Trockenbau-Setzgerät „BX 3“ getauscht werden können. Wir haben den Schrauber allerdings ausschließlich mit dem mitgelieferten 2,6 Akku betrieben, der kleiner und vor allem leichter ist, was das Schrauben komfortabler macht. Bei unserem Test beim doppelten Beplanken einer 4 m breiten Wand konnten wir diesen Akku nicht einmal ansatzweise ausreizen. Und dass obwohl wir der Maschine den Job schwerer als nötig gemacht haben. Denn bei der Übergabe im Hilti-Store Bielefeld waren wir noch davon ausgegangen, dass mit zwei Lagen Gipskarton beplankt werden soll. Auf  Wunsch der Bauherren sollte die untere Lage aber aus OSB-Platten bestehen, für die die mitgelieferten Schrauben nicht ausgelegt waren. Da keine Zeit war, die korrekten Schrauben zu besorgen, haben wir mit dem vorhandenen Material gearbeitet.

Komfortable Handhabung

Und das ging wirklich sehr gut. Im Auslieferungszustand ist der Schrauber für die Verarbeitung von losen Schrauben ausgestattet. Um das Magazin aufzusetzen, muss man lediglich den Tiefenanschlag abziehen und den vorhandenen Bit gegen den deutlich längeren Bit für den Magazinbetrieb austauschen. Das Magazin lässt sich anschließend einfach aufstecken – fertig!

Auch das Laden des Magazins ist einfach: Die 25er Streifen „S-DS01B“ werden einfach von unten in das Magazin geschoben, bis man einen Klick hört und der Widerstand zunimmt. Dann ist die erste Schraube genau in der Ebene der Schraubklinge positioniert. Der Vorteil dieser relativ kurzen Magazinstreifen ist, dass die überstehenden Streifen bei Arbeiten an den Rändern nicht so sehr stören oder beim Schrauben über Kopf vor dem Gesicht baumeln. Dafür muss man aber im Vergleich zu anderen Herstellern, die längere Schraubenmagazine anbieten, häufiger nachladen.

In unserem Test überwogen die Vorteile der kürzeren Streifen, da im Verhältnis relativ viele Schrauben nahe der Decke, des Fußboden oder der Wände gesetzt werden mussten.

Trotzdem hat man subjektiv das Gefühl, dass das Magazin ständig leer ist. Das ist aber nicht als Kritik, sondern im Gegenteil als positive Beobachtung gemeint, weil die Verarbeitung von 25 Schrauben so schnell und mühelos vonstatten geht, dass man es kaum merkt. Lediglich am Anfang muss man etwas probieren, bis man die richtige Einschraubtiefe gefunden hat, die sich an einem Stellrädchen sehr feinfühlig justieren lässt: Gerade so tief, dass der Kopf versenkt ist und sich gut überspachteln lässt, aber nicht so tief, dass der Karton reißt. Und obwohl wir – wie bereits erwähnt – nicht die passenden Schrauben verwendet haben und daher etwas stärker andrücken mussten, hat sich keine einzige Schraube verklemmt, verhakt oder eine andere Störung verursacht, was häufig – neben den höheren Kosten für magazinierte Schrauben – als Argument gegen Magazinschrauber angeführt wird. Das Ergebnis sieht jedenfalls im wahrsten Sinn des Wortes aus, „wie von einer Maschine gemacht“: sauber und gleichmäßig versenkte Schrauben.

Seine Vorteile kann der „SD 5000-A22“ besonders ausspielen, wenn man allein und/oder über Kopf oder an anderen schwierigen Stellen arbeitet, denn man hat eine Hand frei, um sich festzuhalten oder die Platte anzudrücken und muss keine Schraube aus der  Tasche fummeln und ansetzen.

Auch bei kurzen Arbeitsunterbrechungen lässt man den Motor einfach im Dauerbetrieb weiterlaufen, so dass man den am Gürtel festgehakten Schrauber mit einer Hand abnehmen und sofort die erste Schraube setzen kann. Laut Hilti ist diese Arbeitsweise für den Akku sogar schonender als das ständige Ein- und Ausschalten des Motors, der im Leerlauf nur sehr wenig Leistung aufnimmt.

Die Kapazität des Stromspeichers war aber selbst auf unserer eiskalten Winterbaustelle kein Problem. Echte Trockenbauprofis, die sicherlich deutlich mehr Quadratmeter pro Stunde schaffen, brauchen natürlich einen Wechselakku, so dass immer ein Speicherblock am Ladegerät hängen kann, während der andere im Schrauber ist. Außerdem bietet Hilti auf der 22-Volt-Akkuplattform neben dem von uns verwendeten 2,6 Ah Akku auch noch Speicher mit 3,0 beziehungsweise 5,2 Ah Kapazität an. Die sind natürlich etwas größer und schwerer, ermöglichen aber noch längere Standzeiten.

Fazit: Gut für lose Schrauben und Magazin

Der „SD 5000-A22“ leistete sich in unserem Test keine Schwächen – weder beim Verarbeiten von losen Schrauben noch in Kombination mit dem Magazin „SD-M 1“. Beide Möglichkeiten haben ihre Berechtigung und unterschiedliche Vorteile in Bezug auf Arbeits­fortschritt, Komfort und Wirtschaftlichkeit, die man von Fall zu Fall durchaus unterschiedlich gewichten und bewerten kann.

Da mit dem ebenfalls von uns getesteten Setzgerät „BX 3“, diversen Akku-Bohrhämmern (wie dem „TE 4-A22“) und dem Akku-Trennschleifer „AG 125-A22“ weitere wichtige Elektrowerkzeuge für das Zuschneiden und das Befestigen von Profilen auf der 22-Volt-Akkuplattform zur Verfügung stehen, ist es eigentlich sehr schade, dass der Liechtensteiner Hersteller die Trockenbauer bei der Oberflächenbearbeitung im Stich lässt und bisher keinen kabellosen Schwing- oder Exzenterschleifer (gibt es nur als Netzgeräte) geschweige denn einen Langhalsschleifer (gibt es gar nicht) im Portfolio hat.

Autor

Thomas Schwarzmann ist Redakteur der Zeitschriften bauhandwerk und dach+holzbau.

Im Internet finden Sie einen Film, den wir beim Test des Trockenbauschraubers „SD 5000-A22“ von Hilti auf einer Baustelle in Rietberg gedreht haben.

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