Bohrmaschine von Fein im Praxistest


Mit einer Bohrmaschine bohrt man Löcher. Oder senkt. Oder fräst und schneidet mit dem Forstner Topflöcher zum Beispiel für Scharniereinsätze. Wir haben die neue Bohrmaschine BOP von Fein auf solche Anwendungen hin in der Tischlerei Ströer getestet.


Mit einer Bohrmaschine kann man in der Tat viel machen: Bohren, Fräsen, Schneiden wie gesagt und selbst Schrauben drehen, wenn es sein muss. Für große Maschinen gibt es sogar extra Führerscheine. Aber was darf man in Deutschland überhaupt noch ohne eine solche Erlaubnis tun?

Mit mancher Bohrmaschine arbeitet man viele Jahre, je nach Beanspruchung. Oder je nach Anspruch, denn auch wenn das Werkzeug irgendwann wie untrennbar zum Maschinenbestand zugehörig erscheint: Die Zeit bleibt nicht stehen, auch die beste Maschine hat immer noch Verbesserungspotential. Zum Beispiel im Verhältnis Leistung zu Gewicht. Oder Drehmoment. Oder Staubdichtheit, Wartungsfreundlichkeit, Präzision im Rundlauf, der Drehzahl, der Konstanz der Drehzahl … Oder man macht einfach mal das Netzkabel ausreichend lang und nennt es gleich „Industriekabel“; als wenn sich nicht auch Handwerker über mehr Bewegungsfreiheit am Arbeitsplatz freuen könnten. Und damit wäre ich schon bei der neuen BOP von Fein, der BOP 10-2. Sie ist mit ihren kleineren Schwestern, der BOP 6 und 10 – beide nur eingängig – die Nachfolgerin der weitverbreiteten 636, die bei Handwerkern Kultstatus hat und lange als nicht optimierbar galt. Doch es gab schon Gerede: Vielleicht könnte man die Leistung anheben, auch das Kabel könnte länger sein, die Griffergonomie passte schon, für manches Arbeiten hätte man sich etwas mehr Gewicht gewünscht …

 

Verbesserung nach 40 Jahren Produktkonstanz

Der Hersteller sah ebenfalls Verbesserungspotential, und weil es nach mehr als 40 (!) Jahren Produktkonstanz (mit kleinen Veränderungen) einfach mal Zeit wurde, sich an einen Nachfolger zu wagen, legten die Ingenieure, Marketingfachleute und Designer im Januar 2006 los. Erste Marktests mit Prototypen fanden Mitte bis Ende 2008 statt. Dann folgte im vergangenen Jahr ein europaweiter Feldtest mit 90 Serien-Maschinen. Das Ergebnis überzeugte die Fein-Mannschaft: von den Testteilnehmern bewerteten gut 70 Prozent die neue BOP besser als das Vorgängermodell. Nicht schlecht, hat man das Beharrungsvermögen von gut eingeführten Produkten im Hinterkopf. Die neuen BOP‘s, so der Hersteller, stehen für Leistung (jetzt 500 anstatt 320 Watt), Qualität (alle Modelle haben jetzt einen Metallgetriebekopf und ein 5 m Industriekabel), Handlichkeit (ergonomischer Sensitivgriff und Spindelarretierung zum komfortablen Werkzeugwechsel) und Lebensdauer (ein auf Überlast ausgelegtes Getriebe und ein drehmomentstarker Hochleistungsmotor mit bandagiertem Polpaket) – Stichpunkte, die es im Werkzeugtest in der Tischlerei Ströer in Harsewinkel zu überprüfen galt.

 

Eine Maschine für viele Aufgaben

Zunächst einmal: Die deutlich schwerere BOP 10-2
(2 kg) liegt gut in der Hand, ihr Schwerpunkt zeigt dorthin, wohin die Bohrreise gehen soll: nach vorne. Der Kinetik-Griff (beim Vorgängermodell seit 1984) wurde „geglättet“ und gegen Rutschen aus der Hand am Ende wirkungsvoll dezent nach vorne gebogen („Sensitivgriff“ nennt sich das jetzt, klingt mit Blick auf den kleinen Kraftmeier vielleicht ein bisschen zu „sensibel“). Das längere Netzkabel kommt 40 Jahre zu spät, umso größer die Freude über das Selbstverständliche jetzt. Sowohl im ersten Gang (0 bis 460 U/min Lastdrehzahl) wie im zweiten (0 bis 1 350 U/min Lastdrehzahl) arbeitet der größere Motor scheinbar sanft jedoch unwiderstehlich nachdrücklich die ihm gestellten Aufgaben ab. Ob mit Forstner (Ø 30 mm in 60 mm Multiplex im Test) oder Metallbohrer, ob mit dem praktischen Stufenbohrer (im Test 6 bis 18 mm in 4 mm Stahl) oder schlichtem Holzbohrer, die Maschine arbeitet auch dann ungerührt weiter, wenn der Tester den Bohrer kurz verkantet oder beim erneuten Eintauchen die Geschwindigkeit falsch wählte.

Natürlich sollte man – zumindest bei Metallarbeiten – Augen- und auch Gehörschutz tragen, doch gerade letzterer scheint auch unter Höchstlast nicht notwendig, hier hat das Mehr an Leistung offenbar auf die Souveränität der ruhig arbeitenden Maschine durchgeschlagen – Kreischen war einmal.

 

Maschinenaufbau in Topfbauweise

Mit dazu bei trägt sicher auch die Topfbauweise, eine Konstruktionsart, welche die vier Baugruppen Bohrfutter, Getriebe, Bohrmotor/Motorgehäuse, Griff in eine lineare Achse zusammenführt. Die daraus resultierende hohe mechanische Verwindungssteifheit lässt hochbeanspruchte Bauteile, wie beispielsweise Kugel- und Wälzlager, vibrationsfrei und damit auch ruhig ihre Arbeit machen. Was nicht zuletzt dem Eigentümer eine lange Nutzungsdauer sichert. Neu in diesem Zusammenhang ist auch die durchgängige Ummantelung des Polpakets und des Ankers mit einem glasfaserverstärkten Motorgehäuse. Ich hätte die Maschine gerne einmal aus 1,5 m Fallhöhe auf den Betonboden der Werkstatt fallen lassen, aber dann hätte das gute Stück vielleicht ein paar unschöne Kratzer bekommen und das muss ja nicht jetzt schon sein!

Die größte und man kann sagen die von Fans am meisten beargwöhnte Veränderung betrifft das Ende der Kegelaufnahme-Ära. Mancher hätte darauf gewettet, dass Fein hier niemals Hand anlegen würde. Doch wie oben schon geschrieben: Man kann es immer noch besser machen. Also eine Gewindeaufnahme, bei der die Anfälligkeit bei ruckartig auftretenden Drehmomenten im Überlastbereich so gut wie ausgeschlossen ist. Bei der Kegelaufnahme besteht die Gefahr, dass das Bohrfutter abgezogen wird. Auch bei Beschädigungen des Bohrwellen- beziehungsweise des Bohrfutterkegels schon durch Staub oder Fett kann die notwendige Reibung nicht mehr aufgebracht werden. Zusätzlich wird die BOP-Bohrwelle an der Anlageschulter (Anschlag für das Bohrfutter auf der Welle) äußerst präzise geschliffen, womit ein Rundlauf von überdurchschnittlichen
0,15 mm (Kegel 0,13 mm) erreicht wird – gemessen über einen Prüfdorn (Ø 10 mm, Länge 70 mm).

Das einhülsige Schnellspannbohrfutter (Röhm) lässt sich einhändig in gewohnt leichter Weise bedienen, selbstnachziehende Spannbacken verhindern ein Durchrutschen; im Test einwandfrei. Dass die Maschine gut warm wurde nach einigen Minuten Dauerbelastung, war zu erwarten, dass das Bohren in Metall auch Spaß machen kann, nicht unbedingt. Und so kann ich den Test mit „Rundumzufrieden“ bewerten und Glückwünsche nach Gmünd-Bargau senden. Auch, weil der Firmengründer und Handbohrmaschinenerfinder tatsächlich Fein mit Nachnamen geheissen hat. So lässt sich wunderbar und treffend schließen: Ein wirkliches feines Gerät! P. S.: „BOP“ kommt von Bohrmaschinenpistolengriff … aber das haben Sie sicherlich schon geahnt.

Nach 40 Jahren Produktkonstanz ist sie da: die neue Bohrmaschine von Fein
Die Maschine arbeitete sich durch alle ihr gestellten Aufgaben beharrlich durch

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