Fachmännische Fugen

Das Verblendmauerwerk hat sich besonders im nord- und westdeutschen Raum als sehr wetterbeständige, langlebige und damit hochwertige Konstruktion bewährt. Das Funktionsprinzip eines zweischaligen Verblendmauerwerks unterscheidet sich grundsätzlich von einschaligen Putzfassaden.

Die Wasseraufnahme der Verblendschale gefährdet, anders als bei einer Putzfassade, nicht die Schutzfunktion der Außenwandkonstruktion, da das Wasser durch die zweischalige Konstruktion nicht nach innen dringen kann. Um die Gefahr von Ausblühungen, Auslaugungen und Moosbildungen zu reduzieren, sollte die Wasseraufnahme der Schale jedoch beschränkt werden. Da die Verblendschale nicht durch eine homogene Schicht wie etwa einen Außenputz geschützt wird, muss der Handwerker bei Materialwahl und Ausführung besonderes Augenmerk auf die Fugen richten.

„Frisch in frisch“ oder nachträglich verfugt

In der Praxis werden zwei unterschiedliche Verfahren angewendet: Entweder werden die Fugen beim Mauern zunächst 1,5 bis 2 cm tief ausgekratzt und nach Erhärten des Mauermörtels mit einem Fugenmörtel verfugt oder sie werden bereits im Zuge des Aufmauerns der Verblendschale „frisch in frisch“ mit einem so genannten Fugenglattstrich erstellt.

Letzteres zeigt in der Praxis eine technisch bessere Qualität, was sich in der geringeren Wasseraufnahme der Fugen widerspiegelt und Ausdruck in der VOB DIN 18330 findet, die den Fugenglattstrich als Regelausführung festlegt. Bei der nachträglichen Verfugung dringt während der Erhärtung des Mauermörtels, bei der Reinigung und beim Vornässen Wasser in die Verblendschale ein, was insbesondere bei stärker saugenden Ziegeln zu Ausblühungen führen kann. Gemäß DIN 1053 dürfen Verblendschalen mit einer Dicke unter 11,5 cm nicht ausgekratzt werden.

Das Erhärten der Mörtel ist temperaturabhängig. Außerdem wird für das Abbinden des Zements Wasser benötigt. Deshalb sollte die Temperatur für Material und Umgebungsluft während der Verarbeitung und der Erhärtung zwischen 5 °C und 30 °C liegen. Ebenfalls muss man berücksichtigen, dass das Material nachts stark abkühlen kann und sich nur sehr langsam erwärmt.

 

Der Fugenglattstrich

Um ein zu langsames Anziehen des Mörtels – im Extremfall ein „Aufschwimmen“ der Steine – oder zu schnelles Anziehen – im Extremfall „Verbrennen“ des Mörtels – zu verhindern, wird der Mörtel an das Saugverhalten des Steins angepasst. Die Mörtelindustrie stellt hierzu unterschiedliche V.O.R.-Mauermörtel („Verblenden Ohne Risiko“) zur Verfügung. Die Auswahl orientiert sich an den Angaben zur Wasseraufnahme der Ziegelhersteller, die sich auf die Wasseraufnahme bei Wasserlagerung innerhalb von 24 Stunden beziehen. Für die Baustellenpraxis ist aber entscheidend, wie der Stein über die Lagerfugen innerhalb von ein bis zwei Stunden das Wasser aufnimmt. Hier ist dann auch das Wetter von entscheidender Bedeutung, so dass vom ermittelten Mörtel oft um eine Stufe abgewichen werden muss.

Der erfahrene Maurer wählt den Mörtel nach einem einfachen Baustellentest aus: Er taucht den Ziegel kurz in sauberes Wassers und beobachtet, ob das Wasser nach der Entnahme auf der Lagerfläche vom Stein schnell (VK oder VK plus) langsam (VM) oder nur sehr verzögert (VZ oder VZ plus) aufgesaugt wird oder nutzt das Aufmauern einer Musterfläche zur Bestimmung des geeigneten Mörtels.

Ideal für den Maurer und damit auch für das Ergebnis seiner Arbeit ist ein Ziegel mit einem Saugverhalten zwischen vier und acht Prozent. Ein Klinker mit sehr geringer Wasseraufnahme (unter zwei Prozent) trägt nicht mehr zum Anziehen des Mörtels in der Fuge bei. Der Mörtel muss so konzipiert werden, dass er auch ohne den Stein anzieht. Bei sehr stark saugenden Ziegeln muss ein zu schneller Wasserentzug, also ein „Verbrennen“ des Mörtels und damit ein Verlust des Haftverbundes mit dem Ziegel durch ein sehr hohes Wasserrückhaltevermögen des Mörtels verhindert werden.

 

Hohlstellen und Farbunterschiede

Bei Anmischen des Mörtels ist die gleichmäßige Wasserzugabe wichtig. Auf keinen Fall darf dem Mörtel in der Bütt weiteres Wasser zugegeben werden, da es hierdurch zu Farbunterschieden kommen kann. Beim Mauern muss man darauf achten, dass der Mörtel an den Kopf des Steins angegeben wird. Beim „Aufschieben“ entstehen Hohlstellen in der Lagerfuge, die später zu Auslaugungen führen können. Da der Mörtel nach vorne aus der Fuge herausquellen muss, wird in der Regel vollfugig gemauert. Der überstehende Mörtel reißt bei einem V.O.R.-Mauermörtel nicht ab, so dass dieser abgestreift werden kann und die Fassade nicht verschmutzt.

Entscheidend für ein gleichmäßiges Farbbild ist der richtige Zeitpunkt des Fugenglattstrichs. Wird dieser zu früh in Angriff genommen, werden Bindemittel an die Oberfläche getrieben und die Fuge erscheint heller. Wenn bei der „Daumenprobe“ kein Mörtel mehr am Daumen haftet, kann der Fugenglattstrich durchgeführt werden. Dabei verdichtet der Handwerker die Fuge an der Oberfläche, so dass eine ausreichende Flankenhaftung sichergestellt wird. Die Fuge kann mit einem speziellen Fugenschlauch glatt oder mit einem Holz rauer gestaltet werden. Nach dem Fugenglattstrich wird das Mauerwerk mit einem Handfeger diagonal abgefegt, um lose anhaftende Mörtelreste zu entfernen.

 

Nachträgliche Verfugung

Grundlage der nachträglichen Verfugung ist das flankenfreie 1,5 bis 2 cm tiefe Auskratzen des frisch erstellten Mauerwerks. Die Mörtelreste müssen dabei aus den Fugen entfernt werden. Auch bei einer nachträglichen Verfugung muss man grundsätzlich vollfugig mauern. Es wird in der Praxis häufig sowohl auf Lager- als auch auf Stoßfugen zu wenig Mörtel aufge-bracht („Frikadellentechnik“). Das Ergebnis sind Fehlstellen zwischen Mauer- und Fugenmörtel.

Vor dem Verfugen muss die Fassade mit speziellen Steinreinigern gründlich gesäubert werden, da beim Mauern mit so genannten Hintermauermörteln die Steine wesentlich stärker verschmutzen. Vor dem Verfugen wird die Fassade erneut gewässert, damit Stein und Mauermörtel dem Fugenmörtel nicht zuviel Wasser entziehen. Um eine Vermischung von überschüssigem Wasser mit dem Fugenmörtel zu verhindern, muss die Fassade anschließend wieder oberflächlich abtrocknen. Bei hohen Temperaturen, starker Sonneneinstrahlung und starkem trockenen Wind, sollte die Fassade abgehängt werden, damit dem Mörtel das Wasser nicht zu schnell entzogen wird. Auch bei der nachträglichen Verfugung sind Temperaturen von über 30 °C für das Material, in der Luft und für die Fassade zu vermeiden.

 

Wasserzugabe, Verdichtung, Wasserentzug

Der Fugenmörtel wird entsprechend den Herstellervorgaben in einer schwach plastischen Konsistenz angemischt. Oft wird zu wenig Wasser zugegeben, mit der Absicht, den Mörtel schneller einbringen zu können und die Fassade weniger zu verschmutzen. Es muss auf eine ausreichende und gleichmäßige Wasserzugabe geachtet werden.

Der Mörtel wird in zwei Lagen „frisch in frisch“ eingebracht. Insbesondere die erste Lage muss sehr gut verdichtet werden. Gleiches gilt für die Fugenkreuze. Am besten gelingt dieses, indem zuerst die Stoß- und dann die Lagerfugen verfugt werden. Die zweite Lage darf erst „gebügelt“, also kräftig nachverdichtet werden, wenn der Fugenmörtel etwas angezogen ist, so dass kein Bindemittelleim mehr an die Oberfläche gezogen wird. Ansonsten können unerwünschte Farb-
unterschiede auftreten. Dabei sollte man besonders bei farbigen, hellen Fugenmörteln darauf achten, dass kein Abrieb von der Kelle die Farbe der Fuge verfälscht. Deshalb ist es grundsätzlich ratsam, eine Edelstahl- oder – noch besser – eine Kunststoffkelle zu verwenden. Wenn der Mörtel gut angezogen ist, wird die Fassade diagonal zu den Fugen abgefegt.

Um einen zu schnellen Wasserentzug des Fugenmörtels zu verhindern, sollte die Fassade mindestens vier Tage jeweils morgens und abends durch vorsichtiges Besprühen angefeuchtet werden. Während der Erhärtungsphase sollten die Temperaturen 5 °C nicht unterschreiten; auf gar keinen Fall aber darf der Fugenmörtel in dieser Zeit Frost bekommen.


Sauberes Verfugen reduziert die Gefahr von Ausblühungen, Auslaugungen und Moosbildung
Der Fugenglattstrich zeigt in der Praxis eine bessere Qualität
als die nachträgliche Verfugung

Welcher Mörtel für welchen Stein?

Hier finden Sie eine tabellarische Übersicht der idealen V.O.R. Mauermörtel in Abhängigkeit von der Wasseraufnahme der verwendeten Steine:

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